Hitzenotizen

Für mehr reicht es heute nicht. Sogar negative Gedanken sind zu anstrengend und versanden in der zähen, alles blockierenden Trägheit. Gestern hatte ich mal wieder einen meiner berüchtigten Zusammenbrüche, seitdem schwankt es zwischen innerer Leere, Heulattacken und einer seltsam sediert-gutgelaunten Scheißegalhaltung.

An Arbeit im Homeoffice ist nicht zu denken, eigentlich ist an Denken nicht zu denken. ich habe kaum geschlafen, keine Ahnung seit wie vielen Nächten. Vielleicht sollte ich mich einfach wieder hinlegen, aber wie ich mich kenne, klappt das mit dem Schlafen tagsüber noch schlechter als nachts. Essen kann ich auch nicht, wenn es so heiß ist. Schade um die zugelegten Kilos, die sind dann wohl schnell wieder weg. Eigentlich kann ich gerade überhaupt nichts außer rumsitzen. Dabei gäbe es so unendlich viel zu tun und zu organisieren. Aber das geht jetzt alles nicht. Sogar eine Telefonverabredung mit einer Freundin überfordert mich. In Zukunft werde ich mir wohl in den heißesten Wochen des Jahres Urlaub nehmen, nicht um mich zu erholen, sondern um zumindest dieses schlechte Gewissen wegen meiner totalen Unproduktivität los zu sein. Sonst mache ich ja eh nichts Sinnvolles mit dem vielen Urlaub, der mir zusteht. Wochen lang krankschreiben lassen, nur, weil es zu warm ist, kann ich mich ja schlecht. Sommer ist keine Krankheit.

Seit gestern werden meine Symptome wieder schlimmer. Zumindest hatte ich gestern den Eindruck, heute stagniert es. Mein Neurologe sagte am Telefon, ich sei schon die vierte Patientin, die ihn binnen eines halben Tages aus einer solchen Lage heraus zu Rate zöge und es könne gut am heißen Wetter liegen. Das mache, wie ich ja selbst gut genug weiß, vielen Menschen mit MS zu schaffen, gerade kurz nach einem Schub. Er bestätigte mir auch, dass nach fünf Tagen Cortison-Stoßtherapie eigentlich jeder Entzündungshert platt sein müsse und es von daher diesmal wirklich kein Wiederaufflammen des Schubes sein dürfte. Wenn meine rechte Seite weiter spinnt, also die schmerzhafte Oberflächensensibilität, das schräge Wärmegefühl und die daraus inzwischen resultierenden Verkrampfungen sich weiter verstärken, sitze ich nächste Woche wieder in der Notaufnahme. Aber zur Zeit sieht es nicht danach aus.

Die zwei Zimmer in einer großen WG, auf die mein Ex-Partner seit zwei Monaten hoffte, hat er nicht bekommen. die Meisten in der WG wollten ihn, nur Einer nicht, der dann mit blöder Taktiererei seinen Willen durchgesetzt hat. Ärgerliche Geschichte und menschlich ziemlich fies gelaufen, aber eigentlich gut, dass es gleich zu Anfang schiefgegangen ist, denn es hätte sicher mehr Trouble gegeben, wenn er dort eingezogen wäre. Dafür hat er nun etwas Anderes in Aussicht und es zeichnet sich ab, dass in Belgien zu wohnen und rechtlich alles in Deutschland zu belassen doch wesentlich unkomplizierter ist, als ich dachte. Hoffen wir, dass das klappt, es würde Bedeuten, dass er zu Anfang Oktober hier raus wäre.

Im Aachener Friedenspreis e.V. tobt der Wahnsinn, was mich in den letzten Tagen und Wochen auch nicht ganz unberührt gelassen hat. Wir scheinen diese erneute Krise aber nun überstanden zu haben und einmal mehr gestärkt daraus hervorzugehen. Das verbleibende Rest-Team rauft sich zusammen und kandidiert entgegen aller Ansagen nun doch wieder für eine neue Amtszeit, sogar ich habe das vor. Mit einem Jahr Verzögerung bekommt der Verein also hoffentlich bald wieder einen offiziell gewählten und nicht nur kommissarisch zur Jagd getragenen Vorstand. Aber Entlastung erfahre ich auf diese Art und Weise nicht.

Und die Corona-Infektionszahlen steigen. Vor drei oder vier Wochen hatten wir inn der ganzen Stadt und Städteregion Aachen nur noch drei akut Infizierte, inzwischen sind es wieder 82. Mir graut vor dem Gedanken an den Schulstart nächste Woche und alle übrigen auswirkungen des Ferienendes. Die Infiziertenzahl ist noch immer nicht wirklich hoch, aber der Anstieg – auch bundesweit – macht mir Sorgen. Wobei ich gestern las, dass es zumindest nur ein linearer und kein exponentieller Anstieg ist. Hoffen wir, dass es nicht kippt und die zweite Welle nicht zu heftig ausfallen wird.

Jetzt steht mir ein ruhiges Wochenende bevor, das mein Ex-Partner auf seinem Boot verbringen wird. Ich verschanze mich derweil hinter heruntergelassenen Rolläden und hoffe, dass mich abends in der Dämmerung, wenn es auf der Terrasse erträglich wird, die Mücken in Ruhe lassen. Ich will niemanden um mich haben, Existieren ohne durchzudrehen ist anstrengend genug.

Bleibt gesund! Ich hoffe, Ihr haltet die Hitze besser aus als ich.

 

13 Gedanken zu “Hitzenotizen

  1. Tanja sagt:

    Liebe Lea,
    ich habe mir irgendwie gedacht, dass du heute was schreibst. Lasse es gut gehen, so gut es eben geht, bei diesem Wetter. Das Eis gibt es erst nächsten Freitag, insofern hast du hier nichts verpasst. Ich höre Musik und arbeite an einem Hygiene-Konzept, soweit es geht. Aber ich will nicht undankbar sein. Der Sommer und/oder die Sonne waren dieses Jahr sehr zurückhaltend und es könnte schlimmer sein: Schwül und drückend. Hoffen wir, dass nächste Woche die letzten heißen Tage sind und es dann wieder abkühlt.
    Hier noch ein bisschen Musik https://www.youtube.com/watch?v=mA54NBtPKdI
    Liebe Grüße

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    1. kommunikatz sagt:

      Hey Tanja,
      das stimmt, es könnte viel schlimmer sein mit dem Sommer und der Hitze, insofern bin ich auch immernoch dankbar, dass bisher alles so angenehm war und es jetzt erst nervig wird.
      Ich schicke Dir das Hygienekonzept, das ich als Handreichung für etwaige Mieter*innen der Aula und des Gartens zusammengebastelt habe, vieleicht hilft das bei Deinem. Und Deine letzte Mail beantworte ich auch noch 😉
      liebe Grüße

      Lea

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  2. Tanja sagt:

    Guten Morgen Melina/Pollys,

    das mit dem Kaffee habe ich noch nie gehört, werde ich aber auch mal ausprobieren. Gegen Wespen habe ich den Tipp gelesen, sie mit Wasser zu besprühen. Angeblich denken sie dann, es regne und fliegen nach Hause. Ob sie das tatsächlich denken, weiß ich nicht, aber es hat bis jetzt gut funktioniert. Bis auf eine Wespe, die irgendwie bleiben wollte. Ich habe so viel Wasser gesprüht, dass sie sich erstmal niederlassen musste, um ihre Flügel zu trocknen.

    Viele Grüße
    Tanja

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    1. kommunikatz sagt:

      Hi Ihr Zwei,
      die Kaffeemethode habe ich schonmal irgendwo gelesen, allerdings meine ich, es war in einer Liste von Dingen, von denen aus irgendwelchen Gründen abgeraten wurde – vermutlich, weil sie nach Meinung der Quelle nicht funktionieren. Ausprobiert habe ich es aber noch nicht. Das mit dem Wasser klingt für mich erstmal einfacher umsetzbar und logischer, Wenn die Biester nass sind, können sie erstmal nicht mehr fliegen, egal, was sie sich dabei denken oder nicht 🙂
      Gestern war es mir sogar um 20 Uhr auf der Terrasse noch zu heiß, auch wenn der Unterschied zwischen drinnen und draußen da langsam vernachlässigbar wurde. Ich bin dann jedenfalls im Haus bei meinem Ventilator geblieben und fürchte, dass es heute Abend ähnlich laufen wird, weil heute ja der heißeste Tag sein soll…
      Arzu tut mir leid, die Arme langweilt sich schrecklich, weil ich bei der Hitze nicht in der Lage bin, mit ihr spazierenzugehen. Ich werde sie gießen, damit ihr zumindest nicht so warm ist – hoffentlich wächst sie dann nicht 🙂

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    1. kommunikatz sagt:

      Stimmt 🙂 Aber sowohl sie als auch ich für sie bevorzugen die natürlichen Planschbecken in der Umgebung, also den Johannisbach oder den Weier bei Gut Hanbruch. Das Regenrückhaltebecken bei Gut Hasselholz ist auch super, aber das trocknet immer sofort aus, wenn es mal ein paar Tage nicht regnet. Und das Andere ist ein Schlammloch… Schade, dass die Teiche im Garten so klein und so veralgt sind, sonst könnte sie ja sogar da reinhüpfen. Aber da hat James Pond leider nicht mitgedacht… Nur für die Goldfische wäre das ggf. doof. Vielleicht fände sie die lecker. Einen riesigen Koi-Karpfen im Hanbruch-Weier hat sie letzthin gar nicht bemerkt, obwohl der höchstens zwei Meter neben ihr vorbeigeschwommen ist. Mist, jetzt werde ich den Gedanken an „Ein Fish namens Wanda“ nicht mehr los 🙂

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  3. kommunikatz sagt:

    Alles ist gut 🙂 Die Hitzewelle ist vorbei, meine Symptome nehmen spürbar ab – die brennende Missempfindung ist jetzt nur noch ein Jucken – und ich habe schonwieder einige Tage lang das Haus für mich und Arzu allein.Meine Güte, ich muss hier so dringend staubsaugen und putzen… In den letzten, heißen zwei Wochen ging in der Hinsicht einfach gar nichts und heute musste ich mich erstmal erholen…

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