Scheitern

So fühlt es sich an. Corona hat nichts gerettet, weder meine psychische Verfassung noch meine Beziehung. Im Beitrag „Every day is like sunday“ hatte ich noch die Hoffnung geäußert, durch die Entschleunigung und Ruhe des Lockdowns würde sich Vieles automatisch bessern oder einrenken, aber das war von Vornherein illusorisch. Es hätte nur auf meine Kosten funktioniert, nämlich nur solange ich weiter die Fassade der heilen Welt vorgespielt hätte. Sobald diese Fassade zu bröckeln begann, waren alle Konflikte und Unzufriedenheiten umso stärker wieder da.

An Pfingsten, dem Erleuchtungsfest religiöser Armleuchter*innen (nichts für Ungut, den Wortwitz konnte ich nicht auslassen, nachdem er mir einmal im Kopf herumspukte), pünktlich zum zweiten Jahrestag des Eigentumsübergangs meines Hauses an mich, eskalierte es letztendlich und mein Partner und ich beschlossen einigermaßen einvernehmlich, uns zu trennen. Seitdem stecke ich in einem Wirrwarr aus Emotionen. Einerseits wünsche ich mir seit Monaten meine Freiheit zurück, möchte wieder selbst über mich, mein Leben und meinen Lebensraum bestimmen und mich von Frust und Einschränkungen durch seit Jahren nicht funktionierende Kompromisse befreien. Andererseits fühle ich mich so ungerecht und habe wahnsinnige Gewissensbisse. Um meine Freiheit wiederzuerlangen muss ich meinem nun Ex-Partner sein Paradies wegnehmen. Und das, obwohl meine Prämisse doch immer Fairness und das Wohlergehen Anderer war.

Von Anfang an war unsere Beziehung von meinem Altruismus geprägt. Ich wollte ihm, der damals frisch aus einer unschön zuendegegangenen Beziehung kam, gut tun, Halt und Sicherheit geben. Dafür stellte ich meine eigenen Bedürfnisse immer zurück, um ihn zu schonen und ihm nicht zur Last zu fallen. So zementierte ich von Anfang an meine eigene Marginalisierung – ja, ich bin selber Schuld.

Um uns räumlich zu trennen, muss er mein Haus verlassen und damit auch seinen geliebten Garten. Der Garten war eine unserer Problemzonen, weil er sich dort völlig frei entfalten und austoben konnte, wobei er all meine Anmerkungen, Bedenken und Wünsche in den Wind schoss. Irgendwann resignierte ich und ließ ihn einfach machen. Die Folge ist ein für mich kaum zugänglicher weil mit Barrieren verschiedenster Art vollgestopfter Garten mit Massen von Strukturen, die ich allein nicht pflegen und instandhalten kann. All diese Dinge gilt es nun zu organisieren, zurückzubauen oder aufzulösen. Dabei lagen unsere Ideen und Ansprüche gar nicht so weit auseinander. Es hätte gemeinsame Lösungen geben können, aber ohne Gesprächs- und Kompromissbereitschaft gab es diese dann eben nicht.

Ich wollte diesen Prozess nicht während einer Pandemie und mitten im heißen Sommer lostreten. Anfang des Jahres wollte ich es nicht wegen seines gebrochenen Beins und der notwendigen Ruhe und Erholungszeit, und weil ich ihn in all den guten Entwicklungen, die er gerade eingeschlagen hatte, eigentlich stärken und stützen wollte. Ich wollte erst in einer Reha Kraft schöpfen, um eine Trennung überhaupt durchzustehen. Und eigentlich wollte ich sogar warten, bis Akiro, der inzwischen fast 13jährige Schäferhund-Neufundländer-Mischling, nicht mehr lebt. Mit ihm stehen die Chancen, eine Wohnung zu finden, für meinen Ex-Partner sehr schlecht. Akiro aus seinem Umfeld herauszureißen und Arzu und ihn dadurch wieder zu Einzelhunden zu machen, finde ich ebenfalls nicht gut. Andererseits wünsche ich ihm, dass er möglichst noch Jahre lang leben kann. Und weitere Jahre würde ich es hier nicht in der bisherigen Konstelation aushalten. Insofern war die Idee, wegen der Hunde noch auf unbestimmte Zeit zusammen zu bleiben, wohl von Anfang anunrealistisch und Teil meiner aus Unentschlossenheit geborenen Aufschiebetaktik.

Lange hatten wir so gute Zeiten und so viele Gemeinsamkeiten. Ideell und ideologisch, in unseren Überzeugungen und unserem Engagement liegen wir fast immer auf einer wellenlänge. Nur das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt funktioniert nicht. Zu unterschiedlich waren immer schon unsere Ansprüche an Ordnung, Hygiene und Strukturen, zu verschieden sind Prioritäten und Kompromissbereitschaft verteilt. Alles Andere hätte ich gern aufrechterhalten, allein schon, um den Menschen, den ich jetzt meinen Mitbewohner nenne, nicht so sehr zu verletzen und all das Schöne, das wir zusammen hatten, wiederfinden und weiter genießen zu können. Die letzten Abende verbrachten wir mit erstaunlich guten Gesprächen und einer Friedenspfeife auf einer etwas abgelegenen Wiese. Als wir dort gestern Abend wieder aufbrachen, dämmerte es bereits und in jedem Busch oder Baum schien eine Singdrossel zu singen. Dieser Abend wäre so unsagbar schön gewesen, wäre er nicht von der ungewissen Zukunft, dem Verlust und den mir pausenlos übers Gesicht laufenden Tränen überschattet worden.

Irgendwie schnürt mir das alles die Kehle zu und ist auf der anderen Seite eine Befreiung. Diesen Zwiespalt aufzulösen, wird vermutlich lange dauern. Ich hoffe, dass sich mein und auch sein Gefühlschaos mit der Zeit von alleine lichten werden, je mehr wir regeln und klären können. Es gibt viel zu tun und meine Therapeutin hat mir den Auftrag gegeben, einen Plan zu machen, was ich bis wann erledigt haben will bzw. was ich bis wann von meinem Ex-Partner erwarte. Zu viel Druck aufbauen möchte ich nicht, da das nur kontraproduktiv sein kann. Aber für die allgemeine Klarheit versuche ich mich jetzt an einem solchen Plan.

48 Gedanken zu “Scheitern

      1. arminherzberger sagt:

        Geht mich ja nichts an
        Mit der gebotenen Zurückhaltung:
        Kann Dein Expartner Deinen Blog lesen?
        Vielleicht hat er den Eintrag gelesen.
        Will mich nicht aufdrängen.
        Liebe Grüße Armin Herzberger

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    1. kommunikatz sagt:

      Danke Dir. Ja, es wird anstrengend, aber zumindest scheint es bisher gütlich und einvernehmlich abzulaufen. Ich muss mein altruistisch schlechtes Gewissen unbedingt besiegen, das mir dauernd einreden will, ich müsste ihn jetzt schützen und trösten – haha, schützen vor was denn? Und trösten, weil ich fies zu ihm bin? Das bin ich nicht, zumindest will ich es nicht sein. Natürlich ist es schade, traurig, hart und ärgerlich, aber das ist es für mich selbst gleichermaßen. Und ich habe viel zu lange unter Verhaltensweisen von ihm gelitten, für die ich ihm zigmal die Chance auf Veränderung gegeben habe. Mehr ist einfach nicht möglich.

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      1. kommunikatz sagt:

        Er hat den Beitrag gelesen und sogar geliked. Ich schreibe hier ja keine Unwahrheiten oder Gemeinheiten rein sondern schildere nur, was ist und wie ich damit umgehe. Da wir viel miteinander reden und das zum Glück bislang sehr konstruktiv funktioniert, ist in dieser Hinsicht alles gut.

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      2. Melina/Pollys sagt:

        Ja, es ist verständlich …. und wir neigen meist dazu den Partner verändern zu wollen, aber das kann nur schief gehen. Wir können aber an einer besseren Kommunikation und eigener Klarheit arbeiten (Du bist doch die Kommunikatz 😉) Aber Partner sind auch die Möglichkeit zu sehen, was uns noch fehlt, sie machen es uns sehr deutlich, sie spiegeln uns, was wir an uns noch verbessern können. Aber ein schlechtes Gewissen ist völlig unnötig – das ist leicht gesagt – ich weiß…. es nützt niemanden. Aber ich finde es toll, dass Du Dich für Dich und das was für Dich wichtig ist mit Nachdruck entschieden hast. nochmal ganz viel Kraft

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      3. kommunikatz sagt:

        Danke Dir. Ja, diese Entscheidung für mich selbst und meine Belange war schon längst überfällig. Und das gemeinsame Arbeiten an der Kommunikation habe ich immer wieder zu initiieren versucht, bin damit aber oft gegen Wände gerannt, weil einfach viel zu wenig zurückkam bzw. kaum Bereitschaft zur Veränderung selbst von Kleinigkeiten da war. Daher war irgendwann unabstreitbar klar, dass unser Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt nicht funktioniert. Wenn dieser ganze Alltagskleinscheiß nicht wäre, könnte ich mir sogar vorstellen, dass wir wieder schöne Zeiten teilen können. Ich hoffe sehr, dass wir es nach der räumlichen Trennung schaffen, ein gutes, freundschaftliches Verhältnis aufrechtzuerhalten – vielleicht sogar irgendeine Art von lockerer Beziehung. Wir müssen ja gar nicht alles Gemeinsame aufgeben. Ich passe auch weiterhin bei Bedarf gerne auf Akiro auf, der sich hier natürlich sehr zuhause fühlt und auch bei mir auf der Arbeit willkommen ist. Der alte Bär würde so eine totale Veränderung und einen Abbruch aller Gewohnheiten wahrscheinlich gar nicht verkraften. Hoffentlich geht alles so glimpflich und konfliktarm weiter – ich hätte das gar nicht für möglich gehalten, aber seit dem Trennungsbeschluss sind hier keine Wogen mehr hochgekocht und sogar die Wohnungssuche läuft schon in ersten, durchaus guten Ansätzen.
        Danke und liebe Grüße
        Lea

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      4. Melina/Pollys sagt:

        Mir fällt grad ein Lösungsweg evtl. ein: Wenn ihm soviel an dem Garten liegt könnte eine Verbesserung eintreten, wenn Du ihm ganz klar Deine Bedingungen und die Gründe, ganz unemotional 😉 aufschreibst. Geh einfach durch den Garten und fühle, was für Dich und Dein „Sehen“ absolut unterlässlich ist (auch die Gründe für diese evtl. Veränderungen zitierst) und lass ihm die Wahl ob er darauf eingeht oder nicht…. evtl. auch der Hinweis, dass es halt ein Garten sein muss, den Du auch ohne Unfälle betreten kannst. Alles Liebe Lea

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      5. kommunikatz sagt:

        Gute Idee, aber im Prinzip habe ich ihm das alles schon so oft gesagt und er hat es schon so oft ignoriert, dass ich mir da wenig Hoffnung mache. Aufgeschrieben habe ich es nie, aber mit und ohne Emotionen und in allen möglichen Situationen und Sachlichkeitsstufen erklärt – sowohl was den Garten anbelangt, als auch was die diversen Kritikpunkte im Haus betrifft. An eine Rettung unseres Zusammenlebens glaube ich nicht mehr, nur vielleicht eben an eine rettung eines zumindest freundschaftlichen Verhältnisses, das aber dauerhaft nur funktionieren kann, wenn wir getrennte Haushalte haben. Diesen Gedanken hatte ich schon oft, auch schon vor längerer Zeit. Nun bewahrheitet er sich eben.
        liebe Grüße
        Lea

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      6. Melina/Pollys sagt:

        Nun, ich dachte…. vielleicht wenn er die Wahl hat den geliebten Garten zumindest zeitweise sich zu erhalten – wäre er vielleicht bereit gewisse Kompromisse zu machen. Aber wenn er dann weit weg wohnt ist das wahrscheinlich auch ´keine Option mehr.

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      7. kommunikatz sagt:

        Ich habe ihn schon oft mehr oder weniger explizit vor die Wahl gestellt, sich entweder etwas mehr auch an meinen Bedürfnissen zu orientieren und vernünftige Absprachen mit mir zu treffen und einzuhalten, oder sich anderswo seinen Wirkungskreis zu suchen. Das hat nie auch nur die Spur einer Veränderung bewirkt. Und wenn ich ihm wirklich die Pistole auf die Brust setze, was ich mich allzu deutlich nie getraut habe, würde das nur zu Widerstand und Wut führen, was ich immer vermeiden wollte. Ich bin zu konfliktscheu, feige und harmoniesüchtig, vermute ich. Aber letztendlich ist ja auch die Entscheidung längst gefallen, dass er umziehen wird. Ich hoffe sehr, dass es ihn nicht zu weit weg verschlägt sondern dass er einigermaßen in der Nähe bleibt. Das würde er selbst auch wollen, weil die Gegend hier so schön ist. Mal schauen, wie das ausgeht.

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      8. Melina/Pollys sagt:

        Tja, irgendwie sind wir auch verantwortlich für die Wahl des Partners und ich versuche immer heraus zu finden, was mich zu dieser Wahl bewegt hat, was da dahinter gesteckt hat…. da kann man oft sehr gut erkennen, was da in uns noch zu bearbeiten ist. Unsere Mitmenschen, besonders die nahen, dienen uns ja als Spiegel.

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      9. kommunikatz sagt:

        Yep, so ist es. Und ich habe aus dieser und früheren Beziehungen definitiv gelernt, dass ich bei meiner Partner*innen-Wahl weder meinem Altruismus noch einer oberflächlichen Bewunderung folgen darf. Ich bin ein klassisches Opfer für Menschen mit narzistischen Persönlichkeitsstrukturen. Davon ist mein Mitbewohner eindeutig nicht frei, auch wenn ich vor ihm schon deutlich ausgeprägtere Narzisten erlebt habe.

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  1. puzzleblume sagt:

    Ein Like für die Klarheit der Gedanken und die BEschreibung, wie schwer es war, sie zu erlangen, so weit zumindest. Mir scheint die eingeschlafene Kommunikation unter diesen Umständen aufgewacht. Vielleicht lassen sich ja einige der anstehenden Veränderungen unter diesen Voraussetzungen mit „weicheren Kanten“ bewerkstelligen?

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    1. kommunikatz sagt:

      Schön geschrieben, liebe Puzzleblume. Ja, auf diese weicheren Kanten hoffe ich auch. Und ich finde irgendwie, dass die Erkenntnis, dass wir es in einigen Punkten einfach verkackt haben, nicht bedeuten muss, dass wir uns jetzt nicht mehr in den Arm nehmen dürfen, um uns unsere trotz allem noch bestehende gegenseitige Unterstützung zu zeigen und – ja, doch, uns auch ein wenig zu trösten. Solange dadurch der eingeschlagene Weg der Trennung nicht aus dem Blick gerät, ist daran nichts falsch. Und andererseits macht größere Distanz auch vorsichtiger und der Umgang kommt mir gerade fast wertschätzender vor als vor diesem Beschluss.

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  2. puzzleblume sagt:

    Nachdem ich den hinzugekommenen Kommentarverlauf nun auch noch gelesen habe, möchte ich noch etwas hinzufügen.
    Da ist die Rede von Hinweisen und Gesprächen, Ignorieren und vielleicht Aufschreiben.
    Andeutungen, von denen Frauen meinen, sie seien deutliche, nur freundlicher verkleidete Ansagen, sind für Männer oft kaum wahrnehmbar, höchstens Vorschläge, aber weder Wünsche noch ernsthaftes Verlangen nach Berücksichtung.
    Über meinen allzu zart denkenden Schatten zu springen musste ich auch lernen, denn in all dem Ignorieren meiner Worte durch den Partner lag nie böser Wille, Selbstherrlichkeit, Bevormundung oder Narzissmus, sie wurden nur als Geplauder wahrgenommen, und bei Geplauder schaltet so mancher Mann auf Durchzug, wenn in der Umgebung etwas Ablenkung bietet.
    Harmonie zu bewahren als selbstgestellte Aufgabe verhindert Deutlichkeit, und Deutlichkeit ist unbedingt notwendig, sonst fliegt man in der Kommunikation immer wieder wie eine Fliege gegen eine Glasscheibe, die der andere gar nicht wahrnimmt.
    Eine Wunschliste aufzuschreiben, wo es durch besondere Lebensumstände notwendig ist, Bedürfnisse zu berücksichtigen, ist gut. Eindeuiges „Ich brauche“ schafft Klarheit. wo sonst wegen des fehlenden Nachdrucks jemand schlicht nicht auf die Idee kommt, was einem wirklich wichtig ist.
    Wenn nicht dieses Mal, dann nächstes.

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    1. kommunikatz sagt:

      Du hast sicherlich Recht, dass ich – wie so Viele – oft nicht deutlich genug war und bin. Aber bei Dingen, die ich wirklich als für mich existenziell bezeichnet habe und von denen ich eindeutig gesagt habe, dass ich unter ihnen massiv leide, dass ich mich weder wertgeschätzt noch geliebt fühle, wenn mir das Leben dermaßen erschwert wird etc., da dachte ich dann schon, dass es viel deutlicher nicht ging und dass er das hätte verstehen müssen. Auch, dass ich ein Zusammenleben unter diesen Bedingungen nicht auf Dauer aushalte, habe ich ihm oft gesagt. Aber ich muss an diesem Punkt auf jeden Fall in Zukunft arbeiten, nicht nur auf dem Terrain der Liebesbeziehungen…

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      1. puzzleblume sagt:

        Das scheint mir klar genug, aber vielleicht lässt sich das ja noch klären, da ihr ja offenbar noch miteinander sprechen könnt.
        Mir scheinen allerdings Hinweise auf sachliche Bedürfnisse und damit einhergehende Forderungen in Verknüpfung mit interpretierenden emotionalen Ich-Botschaften schwierig, wenn nicht sogar kontraproduktiv.
        Eine „Wenn du mich lieben würdest… „-Argumentation stösst immer auf einen persönlichen Hintergrund des anderen, an dem nicht teilhatte und den man in seiner Auswirkung auf das Heutige nicht erfassen kann, ausser, das Gegenüber könnte das bereits objektiv in Worte fassen.

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      2. kommunikatz sagt:

        Ach, das mit dem reden können ist relativ… Anfangs ging es, inzwischen wird es schonwieder schwierig. Und ich glaube nicht, dass noch irgendetwas zu retten ist. Das Zusammenleben in meinem Haus will ich gar nicht mehr retten, dafür war das schon viel zu lange viel zu anstrengend und unerfreulich. Wenn sich eine Freundschaft oder distanziertere Beziehung in welcher Form auch immer nach der räumlichen Trennung aufrecht erhalten lässt, bin ich froh und glücklich, mehr will ich eh nicht und er beweist mir zwischendurch auch immer wieder, warum ich eigentlich schon seit Ende des letzten Jahres über die Trennung nachdenke. Jetzt noch richtig zurück zu wollen, wäre wirklich mit dem Stockholm-Syndrom vergleichbar. Ich schätze einige seiner Eigenschaften und Überzeugungen, aber genauso sehr verabscheue ich andere. Das ist einfach nicht mehr wegzudiskutieren.

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  3. kommunikatz sagt:

    Und jetzt bekomme ich selbst tierische Zukunftsängste. Ich will mein Haus nicht aufgeben müssen. Ich will es auch nicht vermieten müssen sondern jetzt, wo endlich alles einigermaßen fertig ist bzw. in den nächsten Wochen wird (Stichwort Wintergarten), will ich es nutzen, verdammt nochmal! Ich könnte ein Zimmer untervermieten, aber ich will es doch so nutzen, wie der Ursprungsgedanke war. Vielleicht sollten wir es doch nochmal mit mehr reden, klaren Ansagen und einer gezielteren und klareren Paartherapie versuchen. Wir hatten eine, die er abgebrochen hat, weil er die Therapeutin parteiisch fand. Aber jetzt, wo die Trennung quasi schon beschlossene Sache ist, sehen wir ja viel klarer und haben einen viel definierteren Auftrag an die Therapeutin oder den Therapeuten. Bringen sie uns Kompromissfähigkeit und vernünftige Kommunikation bei. Das kann doch so schwer wirklich nicht sein. Ich hasse dieses Hin und Her der Gefühle. Mal kommt mir alles mit ihm aussichtslos vor und im nächsten Moment kommt mir alles ohne ihn aussichtslos vor. Was soll das denn? 😦 Übers Wochenende bin ich alleine, er ist auf dem Boot. Hoffentlich bringt das beiden Parteien mehr Klarheit…

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  4. kommunikatz sagt:

    Eigentlich habe ich schon vor einigen Tagen einen langen Beitrag mit dem Titel „Stockholm-Syndrom“ geschrieben. Ich wollte ihn nicht ohne das OK meines Ex-Partners veröffentlichen, das sich nun aber hinzieht, weil er die zweite, überarbeitete Version seit Tagen nicht liest. Vielleicht ist es besser, diesen Text ohnehin nicht zu veröffentlichen. Er ist zwar sehr wertschätzend und frei von Anschuldigungen und schmutziger Wäsche, aber allein der Vergleich meines Gefühlszustands mit dem Stockholm-Syndrom, der meinen Ex-Partner mit einem Geiselnehmer gleichsetzt, erfüllt nicht mein eigenes Kriterium der Fairness. Schade, ich fand meinen Text gut und er erklärt Vieles, passt sogar unter den Schlagwörtern Behinderung und Inklusion in dieses Blog. Vielleicht liefere ich ihn irgendwann nach…

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    1. puzzleblume sagt:

      Es lässt sich zwar interpretieren, welche Faktoren du unter dem Begriff „Stockholm-Syndrom“ du auf eine Beziehung anwenden möchtest, die man im Gegensatz zu einem Entführungsfall freiwillig eingegangen ist, und sich später nur darin gefangen bzw. verfangen empfindet, aber ich denke, der Gegenpart einer solchen Beziehung möchte doch lieber nicht durch dieses Wort nahezu kriminalisiert werden.
      Grundsätzlich begibt sich jeder, der eine monogame Beziehung eingeht, in eine Abhängigkeit, die ständig gepflastert ist mit Stolpersteinen, an denen man sich jedes Mal trotz eines gewissen Schmerzes um der Liebe, der Zweckmässigkeit, der Harmonie und dem gemeinsamen Leben willen der Situation durch Verzicht auf eine Abwehr-Reaktion verzichtet.

      Ob jemand ein körperliches Handicap hat oder durch seelische Erfahrungen dazu neigt, sich selbst weiter aus der eigenen Hand zu geben, als es später wünschenswert scheint, halte ich soweit für unwesentlich, was die Unterwerfungssituation angeht.
      Das kann auch ein Ungleichgewicht der Liebes- und Verzichtswilligkeit sein, wie es bei langjährigen Paaren phasenweise oft vorkommt. Den Kindern zuliebe, der materiellen Sichereit zuliebe, oder weil man gerade andere Probleme hat, etwas hinzunehmen, statt es auf Konfrontation ankommen zu lassen, ist ziemlich „normal“.

      Dass die Möglichkeiten für Vorsatz und Anmassung grösser, die Erkenntnismöglickeiten dessen dagegen eingeschränkt und die zur Verteidigung der eigenen Interessen geringer sind, nehme ich allerdings schon an.
      Auf Menschen zu treffen, die von Natur aus lieber nehmen als geben, die immer wieder angezogen werden von denen, die mehr lieben als sie selbst es vermögen, bedingt einseitige Abhängigkeit, das ist zutreffend.
      Dass man sich umgekehrt von jemandem angezogen fühlen kann, der so überzeugend Sicherheit ausstrahlt wie ein Leuchtturm, weil er weniger fragt, Widerstände kaum wahrnimmt und damit dazu verführt, ihn als Beschützer zu empfinden, macht diese Situation der ungleichen Machtverhältnisse möglich.
      Liebe Grüsse.

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      1. kommunikatz sagt:

        Liebe Puzzleblume,
        das analysierst Du sehr treffend. Natürlich gehören immer zwei dazu, eine Person, die sich zu leicht in Abhängigkeiten begibt und eine, die zu gern die superiore, steuernde Rolle übernimmt. Und auch die Auswirkungen von Beidem sind eben total ambivalent, weder durchgängig gut noch durchgängig schädlich. Ich werde den Aspekt, den ich mit dem Begriff des Stockholm-Syndroms meinte, sicher irgendwo nochmal aufgreifen, aber eben ohne Unterstellungen und Vorwürfe. Wobei das, wie ich schon schrieb, in meinem bereits verfassten und nicht veröffentlichten Text, eh nicht vorkommt. Ich beschreibe da nur meine Gefühlslage, die mit dem Stockholm-Syndrom vergleichbar ist. Dafür kann mein Ex-Partner genauso wenig wie die oder der Geisenehmer*in, der oder dem die Geisel sich plötzlich übergebühr verbunden fühlt. In beiden Fällen ist es vermutlich im Wesentlichen der Versuch, sich eine Situation schönzureden, deren negative Aspekte von Abhängigkeit und Ausgeliefertsein einem zwar bewusst sind, die mensch aber aus diversen Gründen nicht als schädlich anerkennen will. Einmal anerkannt, lässt sich so eine Situation dann aber auch auflösen, was ich für den eigentlich wichtigen Punkt an der ganzen Sache halte.
        liebe Grüße
        Lea

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  5. kommunikatz sagt:

    Heute sind wir zusammen mit beiden Hunden spazierengegangen, am Wald entlang und auch über die Friedenspfeifenwiese. Verweilt haben wir dort nicht lange, weil alles schlammig und nass war, die Hunde hatten aber ihren Spaß und – tadaa – wir haben die erste Singdrossel des Jahres gehört, nachdem wir zu Beginn des Spaziergangs noch darüber sprachen, dass es angesichts des zeitweise frühlingshaften Wetters nicht mehr lange dauern könne, bis diese scheuen Vögel wieder aktiv werden. So schließen sich Kreise und Kontinuitäten entstehen. Ich bin so froh, dass wir die Kurve gekriegt und einen guten, vertrauensvollen und freundschaftlichen Umgang gefunden haben. Das fühlt sich definitiv besser an als das letzte Jahr unserer beziehung.

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