A bit like speed-dating, but with buildings…

Ein bisschen wie Speed-Dating, bloß mit Gebäuden, so fühlte sich unsere Suche nach einem Haus mit Garten an. Wie ich schon in „Vorsätze“ und „Hilfe, wir brauchen ein Musikzimmer“ schrieb, haben wir uns fest vorgenommen, dieses Jahr umzuziehen. Und so viel vorweg: Es scheint uns zu gelingen.

38866915315_ea6317d5a2_kNein, das haben wir nicht gekauft!

Seit Anfang des Jahres besichtigen wir Häuser. Vom „charmanten Siedlungshaus“, das sich als totale Bruchbude entpuppte, in der dem Anschein nach schon mehrere Menschen gestorben sein könnten, bis zum wunderschönen, tausend Möglichkeiten, aber auch potentiell desaströse Überraschungen bietenden Altbau direkt auf der niederländischen Grenze war schon alles dabei. Wir haben Häuser angeschaut, die wirklich spannende Projekte gewesen wären, uns aber zu riskant oder schlicht zu teuer waren. Andere waren von der Lage oder der Raumaufteilung her nicht unser Ding.

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Auch nicht unsere Ding.

Eine Immobilie zu suchen, ist lehrreich. Wir wissen nun, dass wir als Selbstständige keinen Grenzgängerstatus bekämen, um unkompliziert in Vaals (Limburg, Niederlande) leben zu können – das zerschlug unseren Traum von der Akener Straat. Wir wissen aber auch, dass es auf der deutschen Seite der Grenze dank der sich immer weiter aufblähenden Immobilienblase kaum noch möglich ist, ein Haus zu kaufen. Die Preise sind jenseits von Gut und Böse – dennoch ist kaufen realistischer als mieten, weil keine Miete eines Objekts in der von uns gesuchten Größe und Lage für unsere oft schwer kalkulierbare und unregelmäßige Einkomenssituation leistbar wäre. Ein Darlehen lässt sich in kleinere Raten stückeln als ein handelsüblicher Mietzins. Aber dafür muss mensch auch erstmal kreditwürdig sein.

Mit jedem angeschauten Haus bekamen wir aber auch ein besseres Gefühl dafür, Modernisierungsbedarfe und -kosten abzuschätzen und die richtigen Fragen an Eigentümer*innen oder Makler*innen zu stellen. Die meisten Besichtigungen absolvierten wir als Dreiergespann: Mein Vater als erfahrener Betongold-Besitzer war dabei sehr hilfreich. Wir hatten dementsprechend schnell eine gute Aufgabenverteilung, wer auf was achtet, wem welche Fragen stellt etc.

Trotz aller Rationalität und Abwägung ist eine solche Suche eine emotionale Achterbahnfahrt. Jedes der 7 Häuser löste etwas in uns aus, gab den Anstoß für Ideen, Diskussionen, Zweifel, Erkenntnisse oder Stories. Von jedem Objekt entstand eine ganze Fotoserie und auch die reinen Erinnerungen an die teilweise absolut skurrilen Gebäude sind eine spannende Bereicherung unserer Phantasie. Und dennoch hatten wir nie mehr als eine Stunde Zeit, uns in den Häusern umzusehen und mit der Bausubstanz vertraut zu machen. So schnell kann kein Mensch einschätzen, ob er wirklich den potentiellen Rest seines Lebens mit einer Immobilie verbringen will. Das muss gut überlegt sein. Außerdem reden wir ja hier, wie schon gesagt, nicht gerade über kleine Geldmengen. Auch deshalb sollte mensch sich ausreichend Gedanken machen, bevor mehrere 100.000 Euro über den Tisch wandern.

Am Ende ging dann aber doch alles ganz schnell. Genau ein Vierteljahr nach dem ernsthaftten Beginn unserer Suche machte es „Klick“. Mittwochs besichtigten wir das Haus und nur unsere bisherigen Erfahrungen und die taktische Vorsicht meines Vaters hielten uns davon ab, sofort zuzuschlagen. Abends mailte ich dem Makler, dass wir sehr interessiert seien, donnerstags unterschrieb ich ihm unter Kämpfen mit Drucker und Scanner einen Objektnachweis (was es nicht alles gibt…), freitags wollte der Eigentümer, ein freundlicher, aufgeschlossener Herr im Alter meines Vaters, sich zwischen den bis dahin bloß 2 oder 3 interessierten Parteien entscheiden. Ich glaubte nicht daran, dass wir zwei Zausel mit unseren unorganisierten Hunden auch nur die leiseste Chance gegen eine junge Familie hatten und verabschiedete mich innerlich schon von dem Reihenhäuschen – nebenan waren ja auch gerade erst Leute mit Kindern eingezogen und vielleicht würde die Familie dort viel besser hin passen als wir. Ich gönnte den Leuten das Haus vollkommen. Aber es kam anders.

Freitags morgens, keine anderthalb Tage nach der Besichtigung, klingelte das Telefon. Der Makler verkündete mir, der Eigentümer hätte sich für uns entschieden. Wenige Stunden später standen wir wieder vor dem Haus, bedankten uns beim Eigentümer und wurden kurzerhand von ihm zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Er sagte, die Entscheidung sei ihm leicht gefallen, da wir ihm einfach am sympathischsten gewesen seien. Als wir weiter mit ihm plauderten, wurde klar, dass wir tatsächlich in Vielem mit ihm auf einer Wellenlänge liegen – die Sympathie kam daher nicht von ungefähr und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nicht den größten Fehler unseres Lebens machen.

39978428134_85beff9eb7_k(1)Die Euphorie ist groß, die Pläne sind konkret und der Aufwand ist überschaubar. Wir werden einen kleinen aber feinen Garten mit unserem privaten Mini-Wald haben, der ganz bestimmt stehenbleibt, auch wenn er den Nachbar*innen die Sonne wegnimmt. Wie der bisherige Eigentümer lieben wir Bäume. Einer der Bäume ist außerdem ein Kirschbaum und wir sind große Kirschenfans. Wir werden dem Haus so bald es geht zu einer deutlich besseren Energieklasse verhelfen, die Loggia in einen Wintergarten umwandeln und das bislang nicht ausgebaute Dach dämmen. Ansonsten – ein bisschen Renovierungskosmetik muss natürlich sein, aber im Grunde ist das Haus sofort beziehbar. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert 🙂

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4 Gedanken zu “A bit like speed-dating, but with buildings…

  1. Kathrin Hentzschel sagt:

    Nochmals herzlichen Glückwunsch, liebe Lea! Ich kenne das Suchen – wir haben drei Jahre gebraucht – und wie so oft hat am Ende dann doch das Bauchgefühl für die liebenswerten Details entschieden: Ein geschwungener Weg, ein knalllila Gartenhaus und eine gute Atmo im Hausinneren.
    Also: Haut rein und macht was draus!

    Gefällt 1 Person

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