Welthaus setzt Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung

Nachhaltigkeit wird im Aachener Welthaus großgeschrieben. Ab Dezember 2019 gibt es in dem selbstverwalteten und von zahlreichen Vereinen genutzten Haus an der Schanz daher einen Fair-Teiler. Das ist ein öffentlich zugängliches Lebensmittelregal, in dem jeder Mensch überzählige Lebensmittel hinterlegen und aus dem sich ebenso jeder Mensch nehmen kann, was er möchte. Zusätzlich liefert die Initiative Foodsharing auch Lebensmittel an, die von Supermärkten in der Nähe aussortiert und zur Verfügung gestellt wurden, damit diese nicht im Container landen.

Foodsharing und das Welthaus wollen damit Lebensmittel vor der Verschwendung retten und für einen bewussten und nachhaltigen Umgang mit Ressourcen werben. „In Deutschland landet rund ein Drittel aller Lebensmittel auf dem Müll“, erklärt Lea Heuser, Geschäftsführerin des Welthauses. Es seien aber nicht nur die noch verzehrbaren Lebensmittel, die einfach weggeworfen würden. Alle Ressourcen und der gesamte Energieaufwand für Anbau, Herstellung, Transport und die damit verbundenen CO2-Emissionen seien ebenfalls bloß für die Tonne – laut Heuser in Zeiten der Klimakatastrophe ein erschreckend gedankenloser Umgang mit unseren Lebensgrundlagen.

Das Welthaus schließt für das Jakobs- und Westparkviertel eine Lücke. Seit der Fair-Teiler im Westpark wegen wiederholter Schäden nicht mehr existiert, gab es im Westen Aachens lange kein solches Angebot. Der Fair-Teiler im Foyer des Welthauses soll dazu einladen, den eigenen Lebensmittelkonsum bewusst zu hinterfragen, mit Resten wertschätzender umzugehen und Verschwendung so effektiv zu vermeiden. Dass auch ärmere Menschen auf diese Weise kostenlos beispielsweise an Brot, Brötchen und oftmals einwandfreies Obst und Gemüse kommen, sei ein erwünschter, positiver Nebeneffekt. „wir wollen dazu animieren, nachhaltiger zu konsumieren und Müll zu vermeiden. Zusätzlich macht dieses neue Angebot hoffentlich auch Menschen auf das Welthaus aufmerksam, die uns und unser breites Spektrum an Aktivitäten und Themen bisher nicht kennen“, sagt Heuser.

Das selbstverwaltete Haus beherbergt Büros vieler Vereine und Initiativen, von Ortsgruppen großer NGOs bis zu kleinen, lokalen Gruppierungen. Außerdem bietet es Veranstaltungsräume, die zu günstigen Konditionen vermietet werden. In den 90er Jahren als Umwelt- und Dritte Welt Haus gestartet, sind auch heute noch Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit und internationale Vernetzung die thematische Klammer des Welthauses. Verwaltet wird es vom gemeinnützigen Welthaus Aachen e.V., der sich ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanziert. Das dringend sanierungsbedürftige Gebäude und die intensive Nutzung der Räumlichkeiten bringen den Verein immer wieder an seine wirtschaftlichen Grenzen. Das Welthaus ist daher sehr dankbar für jede Spende an IBAN DE24 3701 0050 0518 4125 01.

foodsharing rettet seit 2012 in Deutschland, Österreich und der Schweiz Lebensmittel, die sonst auf dem Müll landen würden. Die Initiative lebt vom Engagement der über 25.000 Freiwilligen, sogenannter Foodsaver, und mehr als 3.000 kooperierender Betriebe. Bisher wurden so schon 7,8 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Verschwendung bewahrt.

Der Fair-Teiler im Welthaus ist während der Öffnungszeiten des Hauses zugänglich. Das ist üblicherweise zwischen 10 und 22 Uhr.

6 Gedanken zu “Welthaus setzt Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung

  1. kommunikatz sagt:

    Nach fast einem Monat kann ich sagen: Der Fair-Teiler im Welthaus ist ein Renner. Wie immer läuft hier zwar alles ein bisschen chaotisch, so hat sich beispielsweise jemand unser provisorisches Warenregal einfach „ausgeliehen“ und sogar einen freundlichen Zettel aufgehängt, dass wir es zurückbekommen – nur leider ohne Kontaktdaten oder Terminangabe. Solche Realsatiren sind wir hier aber gewöhnt, das macht also nichts. Die geretteten Nahrungsmittel werden uns aber förmlich aus den Händen gerissen. Noch nichts ist uns vergammelt, alles wird genutzt, verwertet und weggemampft 🙂 Perfekt, genau so soll es sein! Ganz viel Obst und Gemüse, Brot und Süßigkeiten wurden bereits vor der Tonne bewahrt und haben Menschen satt gemacht. Viele freuen sich sehr, weniger einkaufen und dementsprechend auch weniger Geld ausgeben zu müssen. Und ich habe entdeckt, dass Kakifrüchte, von denen wir letzte Woche eine regelrechte Schwämme hatten, echt lecker sind. Ich dachte immer, ich mag die nicht, aber ich habe sie wohl einfach zu reif probiert. Kaufen werde ich sowas niemals, Flugobst kommt mir nicht in die Tüte, aber wenn die Dinger schonmal hier sind, sollen sie zumindest nicht auf dem Müll landen.
    schöne Grüße
    Lea

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    1. kommunikatz sagt:

      Seit gestern haben wir nun wieder ein richtig tolles Regal für all das tolle Essen. Freund*innen von uns haben ihren Keller ausgemistet und hatten ein Regal übrig, das perfekt an die Stelle passt, wo der Fair-Teiler stehen soll. Es ist ein klassisches Keller-Metallregal, so dass uns auch der Brandschutz nicht ans Bein pinkeln kann. Und es hat sogar Drahtkörbe zum rausziehen, die sich für Obst und Gemüse viel besser eignen als blanke Regalböden. Die Zeiten sind also vorbei, wo die geretteten Lebensmittel ganz unprosaisch auf dem staubigen Heizungssims und im Aushangkasten ohne Zwischenboden und Glasscheibe liegen mussten, jetzt kann sich der Fair-Teiler sehen lassen! Der liebe N. brachte nicht nur das Regal sondern auch gleich noch einen ganzen Haufen containerter und absolut tadelloser Lebensmittel. Heute sind die natürlich alle schon wieder weg. Ich habe gestern nur eine leckere, saftige Orange abgestaubt.
      Danke, R. und N., Ihr habt dem Welthaus einen großen Gefallen getan!
      Aber wer sich wegen was für eines angeblichen Notfalls das ursprüngliche Regal ausgeliehen hat, ist mir noch immer ein Rätsel.

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  2. kommunikatz sagt:

    Gerade haben wir von Foodsharing eine Monstermenge Kartoffeln geliefert bekommen, die vor den Karnevalstagen sonst im Container gelandet wären. Es sind diverse 5kg-Säcke und ein ganzer Haufen Bananenkisten mit losen Kartoffeln. Außerdem gibts noch ein paar Brote.
    Es war vorhin extrem Lustig: Ich kramtenoch die Sachen im Fair-Teiler zurecht und derweil kamen mehr oder weniger Alle, die gerade im Welthaus sind, im Foyer vorbei. Jede, aber auch wirklich jede einzelne Person ließ beim Anblick der Kartoffelmassen erstaunte, schockierte oder erfreute Salven von Kraftausdrücken ab, dass es eine wahre Freude war 🙂 So viel Spaß, nur wegen „ein Paar“ Kartoffeln 🙂 Arzu war auch ganz aufgeregt, aber mehr wegen der Brote. Rohe Kartoffeln mag sie zum Glück nicht, die sind für Hunde auch giftig.
    Wer also zufällig gerade in Aachen in der Nähe der Schanz ist und Kartoffeln braucht, tue sich keinen Zwang an und komme vorbei!

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