Und täglich grüßt die Unklarheit

Seit Beginn der Pandemie war ich schon ein paar Mal erkältet, aber nie schlug ein Test an. Das heißt nicht viel und seit Omikron immer weniger, die dusseligen Selbsttests tief genug in die Nase oder den Rachen zu stecken, ist für jedermensch diffizil und sie dann in das Teströhrchen zu praktizieren und hinterher das Ergebnis abzulesen, ist einer Blindschleiche wie mir schlicht unmöglich. Also teste ich mich sehr selten, weil ich dafür halt Assistenz brauche, und auch, weil ich einem negativen Selbsttest ohnehin nicht traue, wenn ich zu Covid-19 passende Symptome habe.

Jetzt habe ich auch mal wieder welche, leichten Husten, einen kratzigen Hals, nervigen Schleim im oberen Rachen, latente Kopf- und Nackenschmerzen, Nebel in der Birne und insgesamt das Gefühl, total erschlagen zu sein. Schon seit ein paar Tagen spüre ich ab und zu einen geschwollenen Lymphknoten unterm Kinn, also ist da offensichtlich was im Busch und mein durch drei Impfdosen gut auf SARS-CoV-2 vorbereitetes Immunsystem hat die Arbeit aufgenommen. Für mich klingt das ziemlich nach dem, was ich mir unter dem Anfang bzw. dem leichten Verlauf einer Omikron-Infektion vorstelle, aber auch diesmal sagt der Selbsttest „nö“.

Nicht, dass ich unbedingt Covid-19 haben will – ich versuche mit allen Mitteln, es zu vermeiden. Aber Klarheit hätte ich gerne, was da mit mir los ist und wie sehr ich aufpassen muss, um Andere nicht in Gefahr zu bringen. Generell will ich niemanden anstecken, egal womit. Aber bei Covid-19 wäre es definitiv ungünstiger und gefährlicher als bei irgendeinem Standardinfekt. Omikron ist schließlich sehr infektiös, vermutlich weit mehr als der Wald-und-Wiesen-Schnupfen, und die zur Zeit dominierende Variante BA.5 hat sich, wie ich irgendwo hörte, die Spikeproteine abgesägt und entkommt auf diese weise ganz leicht auch jeder noch so gut trainierten Immunantwort. Es kann sein, dass der Podcast „Grams‘ Sprechstunde“ mit dem Infektiologen Leif Erik Sander über das Immunsystem die Quelle war, ich bin mir aber nicht mehr sicher. empfehlenswert ist er auf jeden Fall.

In letzter Zeit steigen die Inzidenzen stetig oder stagnieren zwischendurch auf einem relativ hohen Niveau. Der Aachener Gesundheitsdezernent wurde vor ein paar Tagen in der Lokalzeitung mit der Aussage zitiert, dass die Infektionszahlen in Wirklichkeit etwa doppelt so hoch seien wie die veröffentlichten Werte, da diese nur auf positiven PCR-Tests beruhen und sehr viele Menschen gar keine PCR-Testungen mehr vornehmen ließen. Die Einen geben sich mit einem positiven Schnell- oder Selbstest zufrieden und quarantänisieren sich eigeninitiativ, die Anderen testen sich gar nicht und bleiben gänzlich unter dem Radar. Demnach hätten wir hier aktuell eine Inzidenz von ungefähr 1.500 – das galt mal als dramatisch und systemgefährdend.

Die Krankenstände in den Kliniken sind immens, außerdem wurden viele Krankenhäuser gerade über Wochen aus sehr guten Gründen bestreikt und die Kapazitäten dort sind entsprechend zusammengeschnurrt. Die Corona-warn-App sagt, dass rund 5% der verfügbaren Intensivbetten mit Covid-Patient*innen belegt sind. Das klingt wenig und harmlos, aber bedenkt mensch, dass auch eine Menge Covid-Infizierter auf Normalstationen behandelt werden, sagt diese Zahl nur etwas über die absolute Spitze des Eisbergs aus.

Viele Menschen aus meinem Umfeld die in den letzten Monaten Covid-19 hatten, sind mit leichten Verläufen davongekommen. Aber genauso viele sagen, dass mensch diese Krankheit wirklich nicht haben will, weil sie sie Wochen lang umgehauen hat und sie anschließend für weitere Wochen mit Nachwirkungen kämpf(t)en. Das reicht vom Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns über Kurzatmigkeit und hartnäckigen Husten bis hin zu Konzentrationsproblemen, Wortfindungsschwierigkeiten und Fatigue, also das ganze Spektrum von Long Covid. Und diese Menschen waren alle vor ihrer Infektion mindestens zweimal geimpft, einige drei- oder sogar viermal. Da ich wegen meiner MS schon je nach Tagesform manche dieser Symptome kenne, will ich auf keinen Fall noch eine extra Ladung davon als Langzeitfolge einer Covid-Infektion riskieren.

Falls ich also jetzt gerade Covid-19 habe und es bei den momentan leichten Symptomen bleibt, bin ich froh über den zusätzlichen Immunbooster und hoffe einfach nur, dass ich niemanden anstecke. Wenn es nur irgendein anderer Schnupfen ist, soll es eben so sein, aber davon hatte ich in letzter Zeit schon mehrere und langsam zweifle ich daran, dass mich immer nur alle anderen Viren erwischen, obwohl SARS-CoV-2 gerade eine Welle nach der anderen macht. Nächste Woche muss ich eh für eine Verordnung zu meiner dann frisch aus dem Urlaub zurückgekehrten Hausärztin. Vielleicht mag die Gute mir ja mal wieder einen PCR-Test angedeihen lassen, so ich dann noch symptomatisch bin.

6 Gedanken zu “Und täglich grüßt die Unklarheit

  1. kommunikatz sagt:

    Also, das war eine echt seltsame Erkältung, habe ich so selten bis nie: Am Samstag habe ich dreimal gehustet und dachte noch nix Böses, am Sonntag wurde das Kratzen und der Schleim im Rachen mehr und ich war mir sicher, da kommt was. Am Montag war ich total kaputt und matschig, obwohl die Symptome noch immer recht mild waren, und am Dienstag war alles wieder weg. Vielleicht geht so einer dieser berühmt-berüchtigten fast symptomlosen Verläufe von Covid, vielleicht war es aber auch einfach nur der Anflug einer anderen Atemwegsgeschichte. Mein Immunsystem hat auf jeden Fall gute Arbeit gemacht und ich bin froh, dass ich die Hitzewelle jetzt nicht auch noch krank durchstehen muss.

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  2. kommunikatz sagt:

    Ein Freund hatte jetzt genau so eine drei-Tage-Kurzerkältung und bei ihm war es Covid. Aber da schlug der Test trotzdem eindeutig an. Ich gehe einfach mal weiterhin davon aus, dass es bei mir etwas Anderes war…

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