Appell: Aachen hält zusammen – Gemeinsam für Solidarität und Aufklärung

Am 02.02.2022 verfasste und beschloss der Runde Tisch gegen Rechts der Stadt Aachen den untenstehenden Appell zum Umgang mit den aktuell wöchentlich stattfindenden Demonstrationen und Spaziergängen von Querdenken und weiteren Gruppierungen aus der Szene der Pandemieleugner*innen, Maßnahmengegner*innen und Verschwörungsgläubigen. An diesem Gremium aus den Stadtratsfraktionen, Religionsgemeinschaften und zivilgesellschaftlichen Organisationen der Stadt Aachen nehme ich für den Aachener Friedenspreis e.V. teil und hatte die Ehre, den Appell in Einfache Sprache zu übersetzen. Ihr lest im Folgenden die vereinfachte Version des Appells, im Anschluss folgt das schwere Original.

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Aachen hält zusammen – Gemeinsam für Solidarität und Aufklärung

Liebe Aachenerinnen und Aachener,
in Aachen halten wir in der Corona-Pandemie zusammen. So überstehen wir gemeinsam die schwierige Zeit. Wir nehmen Rücksicht und achten auf unsere Mitmenschen. Wir sind geduldig und erklären immer wieder: Wir halten uns an die Maßnahmen. Damit schützen wir uns und die Anderen.
Dabei lassen wir uns nicht verunsichern. Und wir lassen uns nicht spalten. Wir dulden keinen Rechtsextremismus und keinen Antisemitismus. Das ist Hass gegen jüdische Menschen. Solche Einstellungen sind eine Gefahr für unsere Demokratie.
Die Corona-Pandemie dauert jetzt schon mehr als zwei Jahre. In Deutschland sind schon mehr als hunderttausend Menschen daran gestorben. Jeden Tag stecken sich immer mehr Menschen an. Das Ende der Pandemie ist noch nicht in Sicht.
Die meisten Menschen in Aachen verhalten sich richtig. Sie halten Abstand, tragen Masken und lassen sich impfen. Sie müssen ihr Leben stark einschränken und auf Vieles verzichten. Das ist für alle sehr anstrengend.
Besonders anstrengend ist es für Menschen, die in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen arbeiten. Auch in Schulen, Kitas und Familien müssen Menschen sehr viel leisten. Aber auch in Büros, Betrieben und Behörden hat sich Vieles verändert. Sehr schwierig ist es auch für Geschäfte und Kultureinrichtungen.
Die Pandemie ist eine Große Belastung für das Gesundheitssystem. Sehr viele Menschen müssen ins Krankenhaus. Die Menschen, die dort arbeiten, können so viele Kranke kaum noch versorgen. Menschen mit anderen Krankheiten müssen oft schon auf ihre Behandlung warten. Dadurch werden Krankheiten schlimmer und manche Menschen sterben sogar. Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger leisten unglaublich viel. Davor haben wir großen Respekt. Die Menschen im Gesundheitssystem haben unsere volle Unterstützung.
Aber wir machen uns große Sorgen: Viele Menschen demonstrieren gegen die Schutzmaßnahmen. Manche glauben gar nicht an die Pandemie. Andere finden die Regelungen dazu nicht gut. Dann wollen sie z.B. keine Masken tragen. Oder sie wollen sich nicht impfen lassen. Manche sind unsicher, weil die Impfstoffe ganz neu sind. Andere glauben, dass in den Impfstoffen gefährliche Dinge sind.
Wir wollen, dass jeder Mensch offen seine Meinung sagen kann. Aber wir wollen den Menschen auch erklären: Die Regeln sind vernünftig. Die Impfung ist nicht gefährlich. Sie hilft uns dabei, die Pandemie endlich zu beenden.
Die Regierung hat angekündigt, dass sich bald alle Menschen impfen lassen müssen. Das nennt man Impfpflicht. Dagegen demonstrieren jetzt viele Menschen. Oft nennen sie ihre Demonstrationen auch Spazirgänge. Das klingt harmloser. Bei den Demonstrationen und Spaziergängen tragen sie Schilder und rufen Sprüche. Viele dieser Sprüche sind ein Problem. Zum Beispiel, weil sie ungeimpfte Menschen mit jüdischen Menschen vergleichen. Manche Menschen heften sich einen gelben Stern mit dem Wort „Ungeimpft“ an die Kleidung. In der Zeit des Nationalsozialismus mussten jüdische Menschen solche Sterne tragen. Die Nationalsozialisten haben damals jüdische Menschen verfolgt und ermordet. Ungeimpfte Menschen werden heutzutage nicht verfolgt oder ermordet. Dieser Vergleich tut so, als wären die Nationalsozialisten gar nicht schlimm gewesen. Oder als wäre es heute so schlimm wie damals. Für jüdische Menschen sind solche Vergleiche sehr verletzend und beleidigend. Deshalb sind solche Vergleiche sogar verboten.
Bei den Demonstrationen laufen ganz normale Menschen mit, die sich Sorgen machen. Es laufen auch Menschen mit, die an eine große Verschwörung glauben. Oder sie glauben, dass wir keine Demokratie mehr haben sondern eine Corona-Diktatur. In einer Diktatur bestimmt ein Diktator alleine über alle Entscheidungen im Staat. Das ist bei uns offensichtlich nicht der Fall.
Manche Menschen auf den Demonstrationen sind politisch links. Sie wollen Frieden, Freiheit und kämpfen für Grundrechte. Manche menschen sind aber auch politisch rechts. Sie hassen jüdische Menschen oder Menschen, die aus anderen Ländern kommen. Eigentlich passen diese unterschiedlichen Meinungen nicht zusammen. Aber die Menschen demonstrieren alle zusammen gegen die Impfpflicht.
Viele dieser Demonstrationen werden von rechtsextremen Menschen organisiert. Dafür benutzen sie meistens den Messengerdienst Telegram. Auch in Aachen laufen Rechtsextreme bei den Demonstrationen mit. Die anderen Menschen auf den Demonstrationen tun nichts dagegen. Sie sagen nicht deutlich: „Wir wollen hier keine Rechtsextremen haben. Das ist nicht unsere Meinung.“
Wir finden, dass die Menschen in Aachen zusammenhalten und sich gegenseitig schützen müssen. Die Menschen bei den Demonstrationen bringen Streit in die Gesellschaft. Deshalb müssen die Organisatorinnen und Organisatoren die Rechtsextremen wegschicken und ihre Sprüche verbieten.
Frank-Walter Steinmeier ist der Bundespräsident von Deutschland. Er hat gesagt: „Wir alle sind die Demokratie! Wir alle ringen täglich darum, das Richtige zu tun in der zermürbenden Pandemie“. Das heißt, wir alle bekämpfen die Pandemie gemeinsam. Und wir entscheiden demokratisch zusammen über alles, was in unserem Staat passiert.
Liebe Aachenerinnen und Aachener, auch wir haben keine Lust mehr auf die Pandemie. Wir sind oft genervt von den vielen Einschränkungen im Alltag. Und wir finden auch manche Maßnahmen nicht gut. Aber wir finden, es gibt keine andere Möglichkeit. Es gibt viel wissenschaftliche Forschung zu Viren und zur Pandemie. Wir müssen uns an die Empfehlungen der Wissenschaft halten. Anders können wir die Pandemie nicht besiegen. Wir müssen Abstand halten und Masken tragen. Wir müssen Kontakt zu anderen Menschen vermeiden und uns impfen lassen. Und wir müssen die Menschen unterstützen, die wichtige Entscheidungen über Schutzmaßnahmen treffen. Wir können das nur schaffen, wenn wir uns einig sind und zusammenhalten.
Wir rufen alle Menschen in Aachen auf: Lassen Sie sich impfen! Und glauben Sie bitte nicht an Verschwörungstheorien! Bleiben Sie kritisch, aber lassen Sie sich nicht verunsichern!
Wir glauben der Wissenschaft und lassen uns nicht spalten. Aber wir reden mit allen Menschen, die sich Sorgen machen. Wir verurteilen niemanden. Und niemand soll Angst haben.
Aachen hält zusammen – Gemeinsam für SOLIDARITÄT UND AUFKLÄRUNG

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Und hier die Originalfassung:

Liebe Aachenerinnen und Aachener,

wir halten zusammen, um die Krise zu meistern und deutlich Kräften entgegen zu treten, die versuchen, uns zu entzweien. Was wir in diesen Zeiten brauchen, sind Solidarität, Aufklärung und Geduld. Was wir nicht dulden, sind populistische, extremistische und antisemitische Kräfte, die die Verunsicherung nutzen, um sich gegen die Grundfeste unserer Demokratie zu richten.
Die Corona-Pandemie hat die Welt seit über zwei Jahren fest im Griff. Bisher sind allein in Deutschland über Hunderttausend Menschen an oder mit dem Virus verstorben. Die Inzidenzen der Neuinfektionen sind nach wie vor anhaltend hoch. Ein Ende der Pandemie ist leider noch nicht in Sicht.
Die Menschen in unserer Stadt zeigen seit Beginn der Pandemie einen enormen Einsatz. Jede und jeder Einzelne von uns musste sich einschränken, verändern und anpassen. Vieles wird uns abverlangt mit dem einen Ziel: die Pandemie zu bekämpfen und zu besiegen. Vor Ort wurde dabei viel gearbeitet und geleistet – im Alltag unserer Mitbürger*innen, im Gesundheits- und Pflegebereich, im Bildungs- und Erziehungsbereich, in den Büros und den Betrieben, im Einzelhandel wie in der Verwaltung, im Kulturleben sowie an vielen anderen Orten.
Kaum ein anderer Bereich steht bei der Bekämpfung der Pandemie derart im Mittelpunkt wie das Gesundheitssystem. Auch wenn die aktuell dominierende Virusvariante in weiten Teilen nur eine milde Symptomatik zeigt, so führt die große Zahl an Erkrankungen zu einer anhaltend hohen Belastung des Gesundheitssystems. Die Beschäftigten des Gesundheitswesens stehen vielerorts am Rande der Belastungsfähigkeit. Lebensnotwendige Behandlungen und Operationen müssen teilweise verschoben werden, das ärztliche und pflegerische Personal ist ausgelaugt. Eine immer noch mögliche Triage muss mit allen Kräften vermieden werden. Die Beschäftigten im Gesundheitssystem verdienen unseren allergrößten Respekt, unsere uneingeschränkte Solidarität sowie die größtmögliche Unterstützung bei der Umsetzung der Maßnahmen und Bemühungen, um die Pandemie in diesem Jahr hoffentlich endlich zu kontrollieren und besiegen zu können.
Mit großer Sorge betrachten wir in diesem Zusammenhang sogenannte Spaziergänge und Demonstrationen, auf denen diese Solidarität immer wieder in Frage gestellt wird. Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist uns wichtig. Uns ist bewusst, dass nicht alle Teilnehmenden sogenannte Querdenker*innen sind. Doch versammeln sich dort auch regelmäßig Menschen, welche die Maßnahmen der Pandemiebekämpfung nicht mit sachlichen Argumenten kritisieren, sondern Verschwörungserzählungen und Geschichtsklitterung verbreiten. Unerträglich ist die Verharmlosung des Holocaust durch jene, die sich als vermeintliche Opfer der Corona-Politik inszenieren und dies mit einem gelben Stern oder anderen Verweisen auf das NS-Regime zur Schau stellen. Völlig irrational und ohne jede sachliche Grundlage sind auch die vielfach auf diesen Demonstrationen formulierten Vorwürfe einer „Impfdiktatur“, eines „Pharma-Faschismus“, einer „Corona-Diktatur“, der „Eugenik“ oder ähnlich absurde Begriffe. Die Verschwörungserzählungen über angeblich geheime Machenschaften der „Eliten“ werden auch aus dem Kreis der Aachener Impfgegner*innen propagiert und dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Zudem besorgt uns, welche Strömungen diese Protestaktionen im ganzen Land lenken und beeinflussen. Insbesondere das rechtsextremistische Milieu beteiligt sich über Telegram-Gruppen maßgeblich an der Organisation von Demonstrationen und „Spaziergängen“ und beeinflusst die Aktivitäten. Auch in Aachen laufen rechte Gruppen aktiv bei den Demonstrationen mit – ohne dass sich die Veranstalter*innen klar von den Parolen gegen den demokratischen Staat distanzieren. Alle, die nun ernsthaft von einer „Corona-Diktatur“ oder einem neuen „Faschismus“ in der Bundesrepublik sprechen, verachten nicht nur unsere staatlichen Institutionen. Sie verlassen den Boden der Aufklärung, welcher die Grundlage für einen demokratischen Dialog ist. Und sie beleidigen all jene, die an vielen Stellen des öffentlichen Lebens höchsten Einsatz gezeigt haben.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat es auf den Punkt gebracht: „Denn wir alle sind diese Demokratie! Wir alle ringen täglich darum, das Richtige zu tun in der zermürbenden Pandemie“.
Liebe Aachenerinnen und Aachener, auch wir sind der Pandemie überdrüssig. Auch wir sind mürbe und manchmal genervt von den notwendigen Auswirkungen auf unser aller Leben. Auch wir haben oft Fragen oder Zweifel und sind nicht von jeder Maßnahme zur Pandemiebekämpfung überzeugt. Aber wir sehen keine Alternative dazu, die Pandemie mit den von der großen Mehrheit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfohlenen Handlungsweisen zu bekämpfen. Dazu gehören sowohl die Einschränkung von Kontakten als auch das konsequente Impfen der Bevölkerung. Und dazu gehört auch die Solidarität mit all den Menschen, die derzeit in der Verantwortung stehen, diese Maßnahmen vorzubereiten, über sie zu entscheiden und diese umzusetzen. Wir vertrauen darauf, dass ein konstruktives Miteinander und ein solidarischer Umgang aller Akteure uns aus dieser Pandemie herausführen werden.
Wir richten uns daher mit diesem Aufruf an alle Mitbürgerinnen und Mitbürger und bitten Sie: Lassen Sie sich impfen und leisten Sie dadurch Ihren solidarischen Beitrag zur Bekämpfung dieser Pandemie. Fallen Sie nicht auf jene Individuen herein, die versuchen, mit Verschwörungsmythen und abstrusen Vorwürfen diesen Geist der Solidarität in Frage zu stellen. Bleiben sie kritisch! Aber stehen Sie nicht an der Seite von Menschen, die uns trennen und an den Säulen unserer Demokratie rütteln.
Wir erklären unmissverständlich, dass wir den wissenschafts- und demokratiefeindlichen Umtrieben der so genannten Impfgegner*innen eine klare Absage erteilen. Gleichzeitig werden wir mit allen einen Dialog führen, die mit uns gemeinsam im demokratischen Diskurs über die erfolgreiche Bekämpfung der Pandemie reden oder auch streiten wollen.
Aachen hält zusammen – Gemeinsam für SOLIDARITÄT UND AUFKLÄRUNG

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