Widerstand – spontaner Kurzschluss-Rant zum Donnerstag

Ich denke über den Club der Eigenbrötler*innen (siehe Kommentare hier) nach und beobachte meine Impulse. Ja, Euch, liebe Kommentator*innen, schätze ich sehr für Eure unaufdringliche Anteilnahme obwohl und weil Ihr fast alle so weit weg seid und ich Euch fast alle gar nicht im echten Leben kenne. Die Ausnahme, der Herr AllEnglishMatters, also der einzige Mann in der Riege und der einzige, den ich mehr als gut auch real kenne, ist einer der ganz wenigen Menschen, die ich in meiner Umgebung ertrage, obwohl und weil er mich manchmal unsäglich auf die Palme bringt. Nach fünf Jahren Beziehung und jetzt einem guten Jahr enger Freunschaft wissen wir, was wir aneinander haben und wie wir einander unbeschadet überleben 🙂

Es sind nicht Menschen an sich, die bei mir Fluchtreflexe auslösen. Es sind auch nicht zwingend neue Kontakte an sich, denn manche ertrage ich besser als andere. Was in mir diesen krassen Widerstand auslöst, ist die Art und Weise, wie mir Menschen begegnen. Gerade kam wieder so ein Vermittlungsvorschlag der Onlinedatingplattform, ich las ihn und fühlte mich sofort abgestoßen und hin und her gerissen zwischen hysterischem Lachen und Grusel.

Was mich abstößt und ängstigt, ist die übertriebene Gefühligkeit. Natürlich sind Gefühle wichtig und ab und zu muss mensch sie thematisieren. Aber sich schon im Pseudonym mit irgendwelchen niedlich-kitschigen Attributen zu schmücken und scheinbar kein anderes Thema zu kennen als wahlweise rosarote Emotionen oder knallharten Sex, das gruselt mich. Ich möchte erstmal locker, alltäglich und ungezwungen mit Menschen interagieren. Klar, beim Onlinedating ist mensch per se schon auf einen bestimmten Kontext festgelegt, aber gerade deshalb muss der doch nicht extra auch noch überbetont und zum einzigen Inhalt werden. Das ist peinlich und hat für mich entweder etwas von Klatschpostille oder von „die Liebesenergie wird uns alle retten“-Esoterik. Nein, nein, nein, geht mir weg mit sowas, es ist Bullshit, verunsichert mich viel zu sehr und lenkt mich von meiner hochgeschätzten Rationalität ab.

Ja, es wäre gut, wenn ich mich auch mal fallen lassen und die Ratio Ratio sein lassen könnte. Aber das kommt später, ganz bestimmt nicht direkt am Beginn eines Kontakts. Hilfe! Ich glaube, ich muss meinen Account da wieder löschen, das nervt alles viel zu sehr. Aber jetzt habe ich kürzlich erst ein kostenfreies Jahr Mitgliedschaft geschenkt bekommen, um als Barrierefreiheitstesterin zu fungieren, wenn die Plattform sich endlich zugänglich umgestaltet. Momentan ist sie nämlich nur mit Ach und Krach nutzbar, was zusätzlich unglaublich frustriert.

Nunja. genug aufgeregt fürs Erste – ich habe schon vor ein paar Wochen die Prämisse ausgegeben, dass ich dort die Füße stillhalten und nur befremdet mitlesen werde, bis eben der hoffentlich dann barrierefreie Relaunch kommt und ich mir dann neu überlegen kann, ob ich das Ganze ernsthaft nutzen möchte. So, wie es momentan aussieht, wird mir das mit der Ernsthaftigkeit aber schwerfallen, weil es alles viel zu albern und lächerlich ist.

6 Gedanken zu “Widerstand – spontaner Kurzschluss-Rant zum Donnerstag

  1. puzzleblume sagt:

    Das Internet scheint manche Menschen in Sachen Kommunikation zur Überspitzung zu verleiten. In Belangen, die auch Erotisches mit einbeziehen, haben manche anscheinend mit euphorisierenden oder dramatischen Äusserungen und testweise frühzeitig sexualisiertem Triggern die Erfahrung gemacht, dass sie damit schnell und „effizient“ Interesse wecken .
    Mag sein, dass manche, weniger bereits verbal sensible Naturen das gar nicht so wahrnehmen.
    Ob das andererseits nich vielleicht auch zum Aussortieren dienen kann?

    Gefällt 2 Personen

  2. fundevogelnest sagt:

    Also die Vorstellung einer Datingplattform, ob nun on-oder offline, wäre mir gar zu gruselig.
    Da kann es ja im Endeffekt nur um das eine gehen.
    Die Menschen, die mir etwas bedeuten, habe ich fast alle im Kontext einer „gemeinsamen Sache“ gefunden, da gibt es für mich genug „ungefühligen“ Austausch, bis man weiß, was man zeigen will.
    Wobei der Umkehrschluss, dass Menschen , die dieselben Interessen oder Ziele haben, einem sympathisch sein müssen leider nicht gilt- wer hätte diese Erfahrung noch nicht gemacht.
    Falls ich überhaupt einen Rat in dieser Angelegenheit zu vergeben hätte, wäre es der, lange bei der Sache oder zumindest bei nicht allzu intimen Themen zu verweilen.
    Leute, die mir gleich ihr Innerstes vor die Füße schütten, sind mir unheimlich.

    Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Gemeinsame Interessen und Aktivitäten sind immer der beste Rahmen für neue Bekanntschaften, da hast Du Recht. Aber meine Kreise scheinen mir da gänzlich ausgeschöpft zu sein, und in noch mehr Aktivitätsbereiche möchte ich mich ungern stürzen, da ich eigentlich schon zu viel mache und das Bedürfnis nach Ruhe und Freiraum habe. Ohnehin habe ich ja inzwischen kapiert, dass neue Kontakte vielleicht eh nicht der richtige Weg sind. So, wie Du es vorschlägst, mache ich es bei den paar neuen Kontakten auch. Auf die, die mich so nerven und abschrecken, reagiere ich ja gar nicht erst bzw. initiiere da logischerweise selber gar nichts.

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