Katzen – eine Zimmerreise

Katzen haben, wie mensch sich angesichts meines Pseudonyms denken kann, irgendwie immer schon mein Leben bestimmt. Ok, seit rund 10 Jahren bin ich auch Hundemensch, aber die Betonung liegt auf „auch“. Aufgewachsen bin ich mit Katzen und als Kind war meine größte Passion das Sammeln von Katzenfiguren aller Art. Ich reise daher heute mit Euch zu allererst in die Tiefen meiner Schmuckschublade, die auch eine Schachtel mit alten Erinnerungsgegenständen beherbergt.

Beginnen wir mit Oranka. Sie ist – wer hätte es gedacht? – knallig orange, aus Plastik und exakt so hoch wie mein Erwachsenen-Zeigefinger lang ist. Alles an ihr ist rund und abgegriffen, weil ich sie als kleines Kind permanent in der Hand gehalten habe. Die Ohren sind nur noch Stummel und ein Fuß ist abgebrochen. Oranka ist eher eine Comic-Katze und erinnert an eine Sesamstraßen-Knetfigur. Sie steht auf zwei kurzen Hinterbeinchen und besteht ansonsten aus zwei oval-rundlichen Knubbeln, die Rumpf und Kopf bilden. Ein Schwanz ist nur angedeutet, ebenso wie die zwei Ärmchen, die sie vor der Brust verschränkt und in denen sie einen kleinen Vogel hält – nicht wie ein Beutetier, eher wie ein Baby. Schon als Kind fand ich dieses Symbol des Friedens zwischen Jägerin und Beute irgendwie gut. Vielleicht hat Oranka den Grundstein für mein Friedensengagement gelegt.

Ähnlich abgegriffen wie Oranka, leider aber namenlos, ist eine nur etwa drei bis vier Zentimeter große, sitzende Katzenfigur aus Gips. Dass es sich mal um eine sitzende Katze mit erhobener Vorderpfote handelte, ist kaum mehr zu erahnen, da der Gips sich in meiner Kinderhand stark abgenutzt hat. Ob diese Katze jemals bemalt war, weiß ich gar nicht – so klein, wie sie ist, habe ich nie einen visuellen Eindruck von ihr gewinnen können. Vermutlich ist sie gräulich weiß, halt eben jahrelang angegrabbelter Gips. Eine ganz ähnliche kleine Katze hatte ich auch aus Porzellan. Sie nutzte sich nicht so schnell ab und stand noch in meinem Jugendzimmer in einem Setzkasten. Danach verliert sich ihre Spur leider, so dass ich sie hier nur aus der Erinnerung beschreiben kann. Sie war weiß mit dunklen Abzeichen auf Kopf und Rücken, hatte ebenfalls eine Vorderpfote angehoben und unter dieser Pfote befand sich ein roter Ball. Ich wüsste zu gerne, wo und vor allem wann ich dieses Kätzchen verloren habe.

Des Weiteren liegt in der kleinen Schachtel noch eine sehr gewöhnungsbedürftig geformte Katze aus Holz. Sie ist genauso lang wie Oranka, liegt aber in Sphinx-Haltung und ist ziemlich grob geschnitzt. Ich weiß, dass sie einen Namen hatte, aber er fällt mir leider nicht mehr ein – es könnte etwas wie Frederik oder Kasimir gewesen sein. Vielleicht weiß meine Mutter ihn noch, ich muss unbedingt fragen.

Die letzte Katze aus der Schachtel ist bis auf ein leicht ramponiertes Ohr und die vermutlich abgewetzte Bemalung die intakteste Mieze aus meiner Sammlung. Sie besteht aus einem weicheren Plastik, das erstaunlicherweise auch nach 40 Jahren noch nicht bröselig und spröde ist. Sie ist sehr fein gearbeitet, auch wenn sie vermutlich nur in einer Form gegossen wurde. Bis hin zum Gesicht ist jedes Detail ertastbar und relativ realistisch, auch wenn sie kaum größer ist als das Gipskätzchen. Sie sitzt sehr katzentypisch, mit bis vor die Vorderpfoten gerolltem Schwanz auf einer rechteckigen Matte und schaut zur rechten Seite, vor ihren Pfoten steht ein orangefarbener Napf. Irgendwann hatte auch diese Katze mal dunkle Abzeichen auf Kopf und Rücken, ansonsten war sie meiner Erinnerung nach weiß. Wie viel von diesen Farben übrig ist, kann ich nicht beurteilen.

Verlassen wir nun die Schachtel mit den ganz alten Erinnerungen. Bei der nächsten Katze dieser Zimmerreise handelt es sich um ein Steiff-Tier, den kleinen Felix. Der echte, große Felix war ein stolzer Tigerkater, der schon da war, als ich geboren wurde. Der kleine Felix ist auch getigert, aber grau auf weißem Grund und nicht so dunkel und gelbbäuchig, wie der große Felix, der beinahe etwas Wildkatzenhaftes hatte. In dem Montessori-Kindergarten, den ich besuchte, war eigenes, mitgebrachtes Spielzeug verboten. Damals hatte ich die Ausnahmegenehmigung, meine kleine Plüschkatze zumindest ins Regal stellen zu dürfen, so dass sie im gleichen Raum war wie ich und mir beim spielen zuschauen konnte. Da diese Katze immer bei mir war, wurde ihr irgendwann mittels Rasenmäher durch meinen Vater der Schwanz amputiert, während ich im Sandkasten spielte und die Katze daneben auf dem Rasen lag. Meine Mutter nähte den Schwanz wieder an, aber jetzt hing er herunter statt aufrecht zu stehen. Die Nase der Katze war ebenfalls irgendwann mal kaputt, woraufhin meine Mutter oder meine Oma sie mit rotem Garn überstickte. Da wir damals regelmäßig die sog. Katzenwäsche machten, bei der alle Plüschtiere, nicht nur die Katzen, im Garten in einen Eimer mit Seifenwasser geworfen, ordntlich durchgeknautscht und anschließend ausgewaschen wurden, hält sich der Verdrecktheitszustand erstaunlicherweise in Grenzen – der Staub der letzten Jahrzehnte hat den kleinen Felix allerdings doch ziemlich stark ergrauen lassen, schätze ich.

Außerdem gibt es hier, praktischerweise unter dem kleinen Drachenbaum, noch zwei weitere Katzen wesentlich jüngeren Datums. Eine davon kaufte ich als Teenager Mitte der 1990er in einem Toscanaurlaub mit meinen Eltern. Ich glaube, sie kommt aus der Marmorstadt Carara. Sie liegt zusammengerollt, ist etwa so groß wie meine Handfläche + ausgestreckte Finger und besteht aus grauem Marmor. Es gab auch mal eine weiße Version der gleichen Figur, hoffentlich existiert diese noch bei meinen Eltern. Neben der Marmorkatze sitzt eine kleinere Bastetkatzenfigur aus – meiner Erinnerung nach – grünem Stein. Keine Ahnung, ob es Speckstein oder irgendein edleres Material ist. Wann und wo diese Katze zu mir kam, weiß ich nicht. Es kann sein, dass sie aus einem Museumsshop stammt – irgendwas mit Ägypten auf einer Städtereise irgendwo in Deutschland, ebenfalls vermutlich in den 1990er Jahren mit meinen Eltern.

Sehr viele weitere kätzische Altlasten habe ich nun sicher vergessen, aber eigentlich ist diese Zimmer-Zeit-Reise auch schon mehr als lang genug 😉 Und da sie ja sogar verspätet kommt, weil die Frist für die Buchstaben J und Ka bereits gestern ablief, poste ich sie jetzt mal schnell.

6 Gedanken zu “Katzen – eine Zimmerreise

  1. puzzleblume sagt:

    Schön, wie geliebt alle deine Katzen wirken. Ich habe durch deine Beschreibungen Ahnungen von der Beziehung zwischen Kinderhand und Kätzchen, auch wenn ich eine so haptische Beziehung von einem kleinen, hellblauen Plastikkrokofdil erinnere, das ich mit etwa drei Jahren so gern hatte, dass ich es dauernd mir mir herumtrug.

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    1. kommunikatz sagt:

      Genau, wie Dein blaues Krokodil waren alle diese kleinen Katzenfiguren für mich. Ich weiß gar nicht, ob ich sie alle gleichzeitig oder irgendwie nacheinander hatte, glaube aber tatsächlich, dass am Anfang von Allem Oranka stand. Die ist einfach auch ein totaler Kinderhandschmeichler, und ich hatte sie schon lange, bevor ich in den Kindergarten kam. Wahrscheinlich habe ich sie zusätzlich rundgelutscht, keine Ahnung – Einen Schnuller habe ich als Baby immer verweigert, vielleicht, weil ich auch da schon Oranka hatte 🙂

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      1. kommunikatz sagt:

        Wir scheinen Einiges gemeinsam zu haben 🙂 Dass ich an Oranka gelutscht habe, ist auch sehr unwahrscheinlich. Meine krankheitserregerparanoide Mutter hätte mich daran garantiert gehindert. Und inzwischen bin ich ihr durchaus sehr dankbar für die gute Hygieneerziehung, auch wenn ich Vieles stark relativiert habe. Jetzt, in Pandemiezeiten, ist es super, wenn mensch sich all diese schönen Grundregeln schon vor Jahrzehnten angewöhnt hat und das entsprechende Verhalten nicht plötzlich ad hoc aus dem Boden stampfen muss.

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      2. puzzleblume sagt:

        Es ist sicherlich nicht so einfach, aus einem übertriebenen Tun für sich später herauszufiltern, was tatsächlich sinnvoll ist, aber zu wissen, weshalb und bei welchen Gelegenheiten man auf sauberes Verhalten achten sollte, scheint manchen Menschen zuwenig mitgegeben worden zu sein.

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