Elisa – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Triggerwarnung: Hier geht es um einen verdammt gruseligen und bis heute nicht wirklich aufgeklärten Unfall oder Mord, wobei ich die Unfall-These plausibel finde und weitergesponnen habe. Wer in die Quellen tiefer eintaucht, sollte bitte nicht zu zart besaitet sein! Das meine ich ernst, mich hat die Story echt fertiggemacht.

Elisa war lange durch LA gestreift und genoss die Befreiung vom engen Korsett ihres Universitätsalltags. Es ging auf Mitternacht zu. Sie hatte sich in der Hotelbar noch einen Drink gegönnt und konnte sich noch nicht entschließen, schlafenzugehen. Morgen würde sie zu ihrer nächsten Station aufbrechen. Das altehrwürdige Cecil Hotel war viel zu interessant, um es nicht noch einmal ausgiebig zu erkunden.

Sie tänzelte über den Flur und blieb nach einer rechtsdrehenden Pirouette vor dem Spiegel am Aufzug stehen. Spielerisch flirtete sie mit ihrem Abbild. Ein Hotelgast näherte sich, sie drückte den Aufzugknopf und tat so, als würde sie warten. Der Aufzug kam, sie stieg ein und erinnerte sich an ein Spiel, von dem sie gelesen hatte. Drückte man die Knöpfe in einer bestimmten Reihenfolge, eröffnete sich eine andere Dimension. Sie drückte alle Knöpfe, aber als minutenlang nichts passierte, verließ sie die Kabine wieder.

Wegen der vielen Eindrücke der Reise hatte sie mehrmals vergessen, ihre Medikamente zu nehmen. Egal, sie fühlte sich gut. Nichts würde diese manische Phase ausbremsen, sie hatte Lust auf Abenteuer. Ein Schild am Fenster wies auf den Zugang zur Feuertreppe hin. Elisa war fasziniert, schließlich wollte sie hoch hinaus. Sie kletterte aus dem Fenster dem Hoteldach entgegen. Angst war ihr in diesem Zustand fremd.

Reflexartig steuerte sie auf dem Dach einen der großen Wassertanks an und stieg die Revisionsleiter hinauf. Sie schob den schweren Metalldeckel zur Seite. Das von der Sonneneinstrahlung des Tages aufgeheizte Wasser dampfte ihr in der kalten Februarnacht einladend entgegen. Wie in Trance streifte sie ihre Kleider ab. Sie passte gerade so durch die Tanköffnung. Daran, ob und wie sie vom Wasser aus den Rand der Öffnung wieder erreichen sollte, verschwendete Sie keinen Gedanken. Sie ließ sich einfach hineingleiten und legte sich rücklings auf die stille, geschützte Wasserfläche. Da war sie, die andere Dimension.

Die Wörter für Christianes Schreibeinladung zu den Textwochen 18/19 des Schreibjahres 2021 stiftete die von mir hochgeschätzte Nina Bodenlosz vom „Bodenlosz-Archiv„. Sie lauten „Korsett“, „rechtsdrehend“ und „dampfen“.
Meine Etüde dazu ist von einem realen Fall inspiriert, auf den ich erst vor ein paar Tagen beim Stöbern durch alte Hoaxilla-Folgen stieß. Die absolut gruselige Geschichte beschäftigt mich seitdem fast pausenlos und musste dringend irgendwie kreativ verarbeitet werden.

13 Gedanken zu “Elisa – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

  1. Christiane sagt:

    Das erinnert mich an Floating, ich glaube, die haben auch mal Werbung mit der „anderen Dimension“ gemacht. Auf jeden Fall scheint mir das eine ziemlich abgefahrene Geschichte zu sein, und ich denke, ich werde bei dem Podcast gerne mal vorbeischauen.
    Gruselig? Springt auf mich noch nicht so über, aber mysteriös und voller Fragen ist der Fall bestimmt … 🤔😉
    Danke dir! 😀
    Nachmittagskaffeegrüße mit Regen und Sturm 😁🌧️🌷☕🍩👍

    Gefällt 2 Personen

    1. kommunikatz sagt:

      Ja, so richtig kommt der Grusel tatsächlich erst im Hoaxilla-Podcast durch, wobei auch der Wikipedia-Artikel über den Fall schon nicht ohne ist. Es ist einfach alles sehr mysteriös und es gab wohl auch einen Haufen unterschiedlichster Verschwörungstheorien rund um diese Geschichte.

      Gefällt 1 Person

  2. puzzleblume sagt:

    Ich verzichte darauf, die Basis deiner Etüde zu ergründen und nehme sie als die sinnliche und mysteriöse, mit ihrer entrückten Stimmung vor dem möglicherweise drohenden Verhängnis gerade noch nicht zu sehr belastende Momentaufnahme, die dir so gut gelungen ist.

    Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Danke 🙂 Genau so war die Warnung auch gemeint. Nur in die Hintergründe sollte sich eben nur vertiefen, wer Thriller und Horror mag – was ich normalerweise gar nicht tue sondern nur versehentlich bei Hoaxilla reinschlittere, die oft solche Theen verarbeiten.

      Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Meiner auch, absolut. Das schöne am Hoaxilla-Podcast ist, dass sie so ziemlich jede Verschwörung perfekt entlarven, erklären und die Dinge auf Fakten und Plausibilität herunterbrechen. Eigentlich habe ich in einer Etüde das zusammengefasst, was mir nach etwas zu viel Beschäftigung mit dem Fall am wahrscheinlichsten vorkam. Ich hoffe, da klingt nichts nach Verschwörung.

      Gefällt 1 Person

      1. kommunikatz sagt:

        Ich wollte ihre Bipolare Störung bzw. die mutmaßlich manische Episode illustrieren. Vermutlich agierte sie aus ihrer eigenen Perspektive durchaus planvoll, aber was dabei herauskam, wirkte in der Tat recht wirr. Und es bleibt eben auch Spekulation, da der Fall eben nie aufgelöst wurde.

        Gefällt mir

  3. Anhora sagt:

    Wahaa! Eine solche Geschichte muss ich sofort selbst zu Ende spinnen (natürlich geht es irgendwie gut aus, und wenn es nur ein schmerzloses Absinken im Delirium ist), sonst krieg ich das nicht aus dem Kopf. Für diese hier brauch ich vielleicht ein paar Anläufe.
    Toll erzählt jedenfalls! 🙂

    Gefällt mir

    1. kommunikatz sagt:

      Danke! Ja, so ungefähr ging es mir damit auch. Und das Ende habe ich genau mit dem Hintergedanken offen gelassen, dass dann doch Jede*r den eigenen Bedürfnissen folgen kann. Wobei der tödliche Ausgang der Geschichte leider einer der wenigen verbrieften Fakten an dem Fall ist.

      Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Danke, Du bestätigst mir, dass das Stilmittel einigermaßen gelungen ist. In der ganzen, rätselhaften Geschichte ist ein feststehendes Faktum, dass Elisa manisch depressiv war und, wie ja auch in der Etüde erwähnt, in den Wochen vor ihrem Tod ihre Medikamente nicht oder zumindest nicht regelmäßig genommen hat. Daher ist eine für mich sehr plausible annahme, dass sie wegen der Untermedikation in eine Phase der Bipolaren Störung gerutscht ist – und da erschien mir aufgrund des Aufzugvideos einer Überwachungskamera, das es ebenso nachgewiesenermaßen gibt, die Manie deutlich wahrscheinlicher als eine depressive Episode mit tatsächlicher Suizidabsicht. Für mich war es ein Unfall, weil sie sich überschätzt und den Realitätsbezug komplett verloren hat, aber das ist alles Spekulation. Ich hätte auch gern noch weitere Etüden zu Deinen spannenden Wörtern geschrieben, aber in letzter Zeit bin ich kreativitäts- und selbstorganisationstechnisch eine absolute Niete, wie die ziemlich dünne Aktivitätin meinem Blog es ja auch leider zeigt…

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.