Vermeintlicher Dachschaden zum aussitzen

Von meinem Haus gab es lange nichts Neues. Jetzt passierte mal wieder etwas, das mich erst in eine leichte Panik versetzte, sich jedoch bei näherem Hinsehen als erstaunlich entspannt herausstellte.

Es begann mit einer feuchten Stelle in einer Ecke der Badezimmerdecke. An dieser Stelle verläuft das Abluftrohr der Kanalisation, es führt in einer Rigipsverkleidung als Verlängerung des Fallrohrs nach Oben, macht dort einen Knick, geht durch ein unter höchsten Strapazen von meinem Vater gebohrtes Loch (nachdem der Installateur dazu nicht in der Lage gewesen war) hoch auf den Dachboden, macht dort noch einen Knick und leitet die Abluft durchs Dach nach außen.

Dass die Feuchtigkeit an der Decke irgendetwas mit diesem Rohr zu tun hatte, war aufgrund der Position relativ klar. Wie jedoch ein Lüftungsrohr zu einem Wasserschaden führen konnte, erschloss sich mir nicht. Ich dachte, vielleicht ist das Dach um das Rohr herum undicht, es regnet rein und läuft außen am Rohr herunter. Da auch die Dachpappe weiter oben Feuchtigkeitsspuren aufwies, hielt ich aber auch einen Schaden an einer ganz anderen Stelle für möglich, wo vielleicht der Wind eine Dachpfanne abgehoben hatte und deshalb Regenwasser eindrang. Ein Gespräch mit dem Dachdecker meines Vertrauens zeigte mir, dass es viel simpler war – seine Ferndiagnose, die er stellen konnte, weil dieses Problem wohl klassisch ist, wurde vor ein paar Tagen durch einen Ortstermin bestätigt.

Folgendes war passiert: Das Abluftrohr war auf dem Dachboden über dem Badezimmer nicht abgedichtet, wie der Dachdecker bereits am Telefon vermutet hatte. Es war nichteinmal richtig angeschlossen und die beiden Teile des Rohrs an der Knickstelle steckten nicht stabil ineinander – entweder hatte der tendenziell nur mittelmäßig fähige Installateur Mist gebaut, oder beim Verlegen der Dachbodendämmung war zu fest daran herumgeruckelt worden. Dadurch stieg Dampf und Dunst aus dem Kanal auf und kam aus der undichten Stelle heraus, kondensierte im Winter an der kalten Dachpappe und lief daran herunter bis in die Steinwolledämmung auf dem Boden. Dort sammelte sich das Kondenswasser – über die Zeit eine ganze Menge – und sickerte nach und nach in die Stahlbetondecke hinein, bis diese durchfeuchtet war, was als Wasserfleck mit Ansätzen von eventuellem Schimmel im Badezimmer sichtbar wurde. Schon letzten Sommer hatte ich mich gewundert, warum es auf dem Dachboden immer so nach Kanalisation stank – jetzt ergab das Sinn.

Das Rohr ist jetzt in Ordnung, auch das Dach haben die Jungs, die es schon vor drei Jahren auf Vordermann gebracht hatten, nochmal in Augenschein genommen und mir sogar die Dachrinnen saubergemacht. Was an der ganzen Episode aber besonders nett ist: Ich muss bzw. kann jetzt gar nichts weiter tun außer abwarten. An dieser Stelle hat die bevorstehende Sommerhitze ihr Gutes: Unterm Dach wird es so warm, dass Dämmung und Decke ganz von allein schnell trocknen werden. Im Herbst, wenn die Feuchtigkeit weg ist, kann ich bzw. irgendein hilfsbereiter sehender Mensch dann die Stelle im Badezimmer wieder in Ordnung bringen. Da das Übeltäter-Rohr jetzt dicht ist, wird das Problem nicht mehr auftreten. Schäden, die sich einfach aussitzen und durch Zuwarten regulieren lassen, sind mir die Liebsten 🙂

Fazit: Trau keinem Installateur im „Böhse Onkelz“-T-Shirt…

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