Das fremde Souvenier – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Die Temperatur lag knapp über dem Gefrierpunkt und es regnete in Strömen. Sie massierte ihre kalten Finger, während der Regen von der Krempe ihres Hutes tropfte. Eigentlich war es ein lederner Sonnenhut, der ihr vor Jahren in einem Second-Hand-Laden aufgeschwatzt worden war. Bei Regenwetter bewährte er sich aber immer wieder. Laut einem papierenen Aufkleber in Form einer Tierhaut, der längst nicht mehr existierte, hatte dieser Hut ursprünglich einer Daniela gehört. Der Nachname hatte auch auf dem Etikett gestanden, aber sie hatte ihn längst vergessen. Vielleicht hatte diese Daniela den Hut von einer Afrikareise mitgebracht – dort jedenfalls schien er herzukommen.

Selbst war sie nie so weit gereist und hätte erst Recht kein Souvenier erstanden, für das ein mutmaßlich geschütztes Tier sein Leben lassen musste. Aber da sie den Hut gebraucht, wenn auch vom Zustand her wie neu, gekauft hatte, empfand sie ihre eigenen anfänglichen Bedenken gegen dieses höchst nützliche Kleidungsstück inzwischen als haltlos.

Nach guter Tradition werden, wie Christiane in der Einladung zu dieser Runde schreibt, die Wörter im Break immer vom inzwischen bloglosen Etüdenerfinder Ludwig Zeidler oder von ihr selbst gespendet. Diesmal haben sie sich zusammengetan und sich Für die Textwochen 14/15 des Schreibjahres 2021 gemeinsam folgende Wörter überlegt: „Sonnenhut“, „haltlos“ und „massieren“.
Ich habe daraus meine bisher kürzeste abc.etüde gebastelt – eine zusammenhanglose Miniatur mit realem Vorbild, denn diesen Hut besitze ich wirklich. Und weil Hut mit H anfängt, kann ich die Etüde auch gleich noch bei Puzzleblumes Zimmerreisen einreichen, die sich nach dem aktuellen Aufruf um Gegenstände mit den Anfangsbuchstaben H oder I drehen sollen.

13 Gedanken zu “Das fremde Souvenier – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

  1. Christiane sagt:

    Kurz, aber dennoch prima. Ich habe den Hut sehr deutlich vor Augen, und finde, diese (irgendwie) Sachetüde passt sehr gut zu den Wörtern. 😁👍
    Und schlechtes Wetter ist hier auch 😁🌧️
    Abendgrüße und danke! 😁🍷🥨👍

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  2. puzzleblume sagt:

    Beim Stichwort Lederhut habe ich einen vor Augen, wie er meinem Ex Ende der 70er gehörte: braunes Leder und sein Mittel der Wahl bei jedem Wetter, die Form mit dem umstochenen Rand und einem verstellbaren Kinnband soll damals auf Märkten in der Türkei sehr beliebt gewesen sein. Der Hut war in jedem gemeinsamen Urlaub dabei und das Wasser lief prima ab.

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    1. kommunikatz sagt:

      Bei meinem Hut ist die Krempe nicht gebogen sondern ganz flach, insgesamt ist die Form recht schlicht und ein Kinnband gibts leider nicht, was bei Wind ziemlich unpraktisch ist. Ich glaube, das Leder ist relativ hell, aber da müsste ich jetzt einen seenden Menschen fragen, um das zu verifizieren. Mir wurde jedenfalls gesagt, das sei ein typischer Hut, wie er irgendwo in Afrika (ja, das ist extrem unkonkret, ich weiß) häufig getragen und auch an Tourist*innen verkauft wird – kann sogar sein, dass auf dem verlorengegangenen Etikett der Herkunftsort vermerkt war. Aber gemerkt habe ich mir leider nichts Genaueres.

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      1. puzzleblume sagt:

        Ja, die Krempe war bei dem auch flach, gut eine Hand breit, würde ich aus der Erinnerung meinen, der Oberkopf oval, und der Rand der Krempe mit einem c. 2 mm schmalen Lederband umstochen, das im sogenannten Überwendstich durch kleine Löcher gezogen wurde. – Für den Namen des Stichs habe ich extra gegoogelt, weil der so einfach ist, dass er auf Webseiten mit Stick-Anleitungen nicht mal erwähnt wird. Insofern habe ich mich jetzt für den „Hut“ zu bedanken, denn ich erinnere mich zwar daran, dass uns in der Grundschule die Handarbeitslehrerein damit geplagt hat, dass wir ein Nadelbuch herstellen mussten, mit verschiedenen Musterstichen auf der Aussenhülle, aber an die meisten Namen erinnere ich mich nicht mehr.
        Dass es ein Touristenstück war, davon bin ich auch bei dem von mir beschriebenen ziemlich überzeugt, und ich weiss es zwar nicht, aber nehme an, dass es ursprünglich auch nur die Naturfarbe hatte, wie früher manche Ledertaschen, die man im Hilfe-durch-Handel- bzw. 3.Welt-Laden kaufen konnte.

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      2. kommunikatz sagt:

        Dann war der wirklich recht ähnlich wie mein Hut, bis auf das Halteband und die Tatsache, dass meiner nicht ganz oval sondern vorne doch angedeutet spitz zulaufend ist, also oben am Kopf. Die Krempe hört sich gleich an, wobei ich von solchen Stichen überhaupt gar keinerlei Ahnung habe, was ich wohl mal ändern sollte 🙂

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      3. puzzleblume sagt:

        Inwieweit man mit einer starken Sehbehinderung selbst sticken könnte, kann ich mir kaum vorstellen, aber die Vielfalt der verschiedenen Sticharten müsste haptisch unteressante Unterscheidbarkeiten bei Textilien ermöglichen, so dass man sich da vielleicht Nutzen holen könnte.

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      4. kommunikatz sagt:

        Genau, das ist die Idee. Selbst würde ich das eher nicht hinkriegen, bin ja schon froh, dass ich halbwegs ordentlich mit der Hand nähen kann, aber für Mehr als kleine Reparaturen reicht das nicht. Sticken ist da sicher eine höhere Kunst, aber ertasten lassen sich gestickte Muster sehr gut.

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  3. All English Matters sagt:

    Daniela hätte sich nicht wundern dürfen, wo ihr Hut geblieben war. Es war ein gut gemachter Leder-Reithut, den sie auf einer Safari in Südafrika gekauft hatte. Jemand hatte ihr erzählt, dass er aus Löwenfell gemacht sei. Woraus auch immer er gemacht war, er erinnerte sie an wilde Zeiten in der sengenden Hitze. Ihr eigener Schweiß hatte seine Spuren auf der Krempe hinterlassen.
    Leider wurde Daniela bei der Ankunft auf dem Flughafen Köln/Bonn von Zollbeamten aufgehalten. Ihr Hut wurde beschlagnahmt und landete in einem Kleiderstapel, der schließlich an Oxfam gespendet wurde. Für die sengende Hitze gemacht, wurde sie schließlich zu einer Winterregenmütze für einen glücklichen neuen Besitzer in Aachen, Deutschland.
    Was Daniela betrifft, so ist sie irgendwo im verregneten Deutschland zu Hause. Sie kann nicht rausgehen, da sie keine Hut hat.

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  4. All English Matters sagt:

    Daniela should not have wondered where her hat hat gone. It was a well made leather riding hat, which she’d bought while on safari in South Africa. Someone had told her it was made of lion skin. Whatever it was made of, it reminded her of wild times in the searing heat. Her own sweat had left its mark on the brim.
    Unfortunately, Daniela was stopped by customs officers when arriving in Köln/Bonn airport. Her hat was confiscated and landed in a pile of clothing, which was eventually donated to Oxfam. Made for the searing heat, it finally became a winter rain hat for a lucky new owner in Aachen, Germany.
    As for Daniela, she’s at home somewhere in rainy Germany. She can’t go out as she has no hat.

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    1. kommunikatz sagt:

      Danke für die Fortsetzung – sehr schön 🙂 Aber es war nicht Oxfam sondern die Wabe 😉 Bei Oxfam warst Du ja meist allein drin, weil wir da die Hunde nicht mitnehmen durften und ich dann immer draußen mit ihnen gewartet habe. Ich danke Dir, dass Du mich damals zu diesem Hut überredet hast!

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