Das verräterische Netz – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Zur Vorgeschichte gehts hier: Teil 1,
Teil 2, Teil 3 und Teil 4.

„Diese verdammten Affen“, dachte Dana. Alle schienen unter einer Decke zu stecken. Vielleicht würde das Internet Klarheit bringen. Sie kannte den Nickname ihrer Ex-Affäre und recherchierte. In einem vor frauenfeindlichen Sprüchen strotzenden Forum der Incel-Bewegung stieß sie auf eine Unterhaltung zweier Männer: Einer davon unter dem Namen ChemicalBrother78 war mit erdrückender Wahrscheinlichkeit ihr Ex, der andere nannte sich mr.stalker und machte in seinen Postings die gleichen Tippfehler wie ihr Chef. Der Thread stammte aus den letzten Wochen und enthielt genug Anspielungen, um sich selbst und ihren Arbeitsplatz darin wiederzuerkennen.

Die armen, verschmähten Incels tauschten sich darüber aus, wie böse sie war, weil sie mit dem Einen nicht mehr und mit dem Anderen gar nicht ins Bett wollte. Sogar in der öffentlichen Forumsdebatte klang der Plan an, ihr mittels eines vorgetäuschten Unfalls eins auszuwischen. Die Screenshots mailte sie sofort nebst einiger erklärender Sätze an die Betriebsrätin und in Kopie an Harald. Schließlich sollte er wissen, warum er einen Alarm ausgelöst hatte. Außerdem brauchte sie Verbündete.

Wochen lang passierte nichts und Dank ausgedünnter Anwesenheit im Labor begegnete sie ihrem Chef nur selten. Wenn sie ihn traf, tat sie so, als sei nichts gewesen, obwohl sie ihm gerne an die Gurgel gegangen wäre. Sie fühlte sich blockiert und wartete ängstlich auf die nächste Katastrophe. Nach eineinhalb Monaten stand die Betriebsrätin plötzlich in der Teeküche neben ihr. „Dana, ich habe gute Nachrichten“, eröffnete sie. „Du bekommst einen neuen Vorgesetzten. Wir konnten Chris tatsächlich nachweisen, gemeinsam mit einem Geschäftspartner Jagd auf dich gemacht und dadurch das gesamte Labor in gefahr gebracht zu haben. Er fliegt wegen Betriebsschädigendem Verhalten und Mitarbeitergefährdung raus.“ „Wow, da habt ihr echt gute Arbeit geleistet! Danke. Und wer wird jetzt auf seine Stelle befördert?“ „Harald, er ist unser langjährigster Mitarbeiter und war bisher immer zuverlässig und integer. Ihr werdet miteinander zurechtkommen.“

Endlich komme ich dazu, Christianes Schreibeinladung zur nächsten Runde der abc.etüden zu folgen. Die Wörter für die Textwochen 06/07 des Schreibjahres 2021 stiftete zum ersten Mal Torsten mit seinem „Wortman„-Blog. Sie lauten:
„Affe“, „neu“ und „blockieren“.

9 Gedanken zu “Das verräterische Netz – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

    1. kommunikatz sagt:

      Das hoffe ich auch, da läge halt das Fortsetzungspotential. Aber ich habe , wie gesagt, keine Lust. Gibt Spannenderes zu schreiben. Vielleicht habe ich mir das Ende auch zu faul gemacht und jeder Mensch mit Ahnung von Chemie und innerbetrieblichen Abläufen eines Labors schlägt die Hände überm Kopf zusammen – egal 🙂 Es ist letztendlich halt doch nur eine Etüde.

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    1. kommunikatz sagt:

      Witzigerweise finde ich das eine der logischsten und naheliegendsten Ideen überhaupt, wenn ich jemanden im Netz recherchieren will. Aber ich bin sehr computer- und internetaffin (als Nutzerin, nicht hinter den Kulissen) hatte 1997 mit 16 meinen ersten Internetzugang und soziale Umgangsformen in Mailinglisten, Chats und foren kommen mir oft natürlicher vor als Konventionen im physischen Kontakt 🙂 kurz: ich bin komisch.

      Gefällt 2 Personen

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