Drempels – eine Zimmerreise

Die Zimmerreisen bei Puzzleblume sollen im Februar bei Gegenständen starten, die mit D oder E beginnen. Dazu würde mir Unzähliges einfallen, wenn ich nur genug Zeit zum Schreiben hätte. Aber fangen wir erstmal an.

Meine erste D-Zimmerreise beginnt nicht in einem Zimmer sondern auf meiner üblichen Gassirunde, ausgehend vom Wohngebiet Kronenberg im Aachener Westen, den Philippionsweg hinauf in Richtung Wald. Auf diesem Weg gibt es zwei Drempel, also diese Bodenwellen zur Verkehrsberuhigung. An dieser Stelle beruhigen sie keinen Verkehr, denn dort fahren überhaupt keine Autos. Der Weg geht etwas weiter den Hügel hoch nämlich in eine Art Feld- bzw. Waldweg über, außerdem fließt auf dem Weg – ja, Ihr lest richtig, auf dem Weg, wenn auch am Rand – ein kleiner Bach. Die zwei Drempel kanalisieren den Bach in Richtung eines Regenrückhaltebeckens.

Meine Hündin liebt es, durch den Bach zu stapfen und geradewegs ins Regenrückhaltebecken zu flitzen. Das tut sie meist aus eigener Motivation, aber spätestens auf mein fragendes Kommando „Splosh“ platscht sie, die durch und durch wasserliebende Labrador Retrieverin, sofort in die vom Wald herunterfließenden Minifluten.

Drempel bedeutet laut Wikipedia auf Mittelhochdeutsch Türschwelle, bezeichnet aber auch einen Teil einer Schleuse und das Mauerstück unterhalb einer Dachschräge. Im Niederländischen meint es die Art von Bodenwellen, die ich hier beschreibe – da ich im unmittelbaren Grenzgebiet zu den Niederlanden lebe, ist diese Bedeutung hier die gängigste. An den beiden Drempels am Philippionsweg steht ein Warnschild, damit niemand stolpert. Ich selber kann es nicht sehen, aber vor einiger Zeit beschrieb mir mal jemand, dass die zwei Wellen auf dem Schild so aussehen, als müsste unbedingt jemand Brustwarzen darauf einzeichnen. Oder vielleicht hat das sogar schon jemand getan. Jedenfalls muss es wohl ein lustiges Bild sein.

Früher, als ich klein war, noch bevor ich in den Kindergarten kam oder wenn ich mal nicht dort hin konnte, nahm meine Mutter mich mit zum Einkaufen. Auf dem Supermarktparkplatz gab es, dort tatsächlich, um die autos auszubremsen, ebenfalls zwei Drempels. Ich liebte es, im Auto darüberzufahren, und feuerte meine Mutter an, schneller zu fahren, damit es mehr wackelt und rumpelt. Dass das nicht der Sinn von Drempels ist, war mir damals nicht beizubringen. Dementsprechend enttäuscht war ich, dass die Bodenwellen im Zuge irgendeiner baulichen Umgestaltung des Parkplatzes einige Jahre später entfernt wurden.

Die Parkplatzdrempel am Supermarkt sind eine meiner frühesten Erinnerungen. Besonders toll fand ich es damals, wenn ich nicht in meinem Kindersitz auf der Rückbank sitzen musste sondern im Kofferraum des geräumigen Kombis darüber kutschiert wurde. Wie gesagt, je wackeliger und turbulenter, desto besser fand ich es. Außerdem war im Kofferraum fahren ja eigentlich verboten und somit etwas ganz Besonderes, wenn ich es mal durfte. Wenn meine Mutter die Einkäufe ins Auto ludt, bettelte ich, mich dazwischen setzen zu dürfen. Wir fuhren dann über den Parkplatz zur Ausfahrt, stoppten dort und ich musste für den Rest der kurzen Fahrt auf den Rücksitz umsteigen. Das war aber ok, Hauptsache ich hatte meinen Drempelspaß.

Ganz generell scheinen Drempel in meinem Leben sehr positiv besetzt zu sein und seit fast 40 Jahren eine Kontinuität zu bilden, merke ich jetzt beim Schreiben. Als ich zwischendurch vom Schreibtisch aufstand, um einen verabredeten Spaziergang gemeinsam mit meiner Mutter zu machen, führte uns dieser natürlich auch zu den Drempels auf dem Philippionsweg. Momentan ist es dort streckenweise spiegelglatt, aber wer gut aufpasst oder Spikes unter den Schuhen trägt, ist ausreichend gewappnet. Meine Hündin hat ja von Natur aus Spikes in Form beachtlicher Krallen, nur gesplosht wurde heute angesichts der Minusgrade dann doch nicht.

22 Gedanken zu “Drempels – eine Zimmerreise

  1. puzzleblume sagt:

    Drempel – ein tolles Wort, das ich noch gar nicht kannte. Ich kann deine Kinderfreude daran nachfühlen, ich mochte das auch, oder wenn auf hügeligen, geraden Landstrassen die Bodenwellen so deutlich spürbar waren, dass man kurz ein Fluggefühl im Bauch empfinden konnte.

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    1. kommunikatz sagt:

      Danke für die Ergänzung 🙂 Der schlimmere Schlamm ist aber in dem anderen RÜckhaltebecken direkt bei Gut Hasselholz. Das am Philippionsweg trocknet ja meistens einfach nur aus. Oder werfe ich da jetzt was durcheinander?

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  2. Fjonka sagt:

    Du hast ganz viele Ideen zu D und E? Ich scheitere kläglich an diesen Buchstaben…. *g*
    Aber ich kenne ja offenbar auch ganz andere Worte- Drempel ist jedenfalls keines, das bisher meinen Wortschatz bereichert hätte *g* Für was diese Zimmerreisen alles nützlich sind!!! 🙂

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    1. kommunikatz sagt:

      Ohne die Nähe zu den Niederlanden wäre mir dieses Wort vermutlich auch fremd 🙂 Blogaktionen wie die Zimmerreisen finde ich immer total lehrreich und spannend, nicht nur wegen neuer Wörter sondern auch wegen der verschiedenen Ideen und Denkweisen der Menschen. Es gibt einfach so viele spannende Einblicke in die Leben Anderer und was sie so umtreibt.

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    1. kommunikatz sagt:

      Im Gegensatz zu „Drempel“ ist „sploshen“ allerdings eine Eigenkreation. Mein britischstämmiger Ex-Partner kommentierte das Geplansche unserer Hunde immer mit „splosh!“, woraus sich für meine Hündin eine Art Kommando entwickelte, weil sie das Wort mit der Aktion verknüpfte – sie ist halt ein Konditionierungsjunkie 🙂 und da „splosh“ so zur Bezeichnung einer Tätigkeit wurde, gibt es natürlich auch die Verlaufsform „sploshen“ und das Präteritum „gesplosht“ 🙂

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      1. kommunikatz sagt:

        Das weckt dann erst recht meinen Forscherinnengeist 🙂 mich interessiert immer sehr, woher ein Wort kommt und wie es sich bis zu seinem heutigen Gebrauch entwickelt hat, das ist bei Neologismen genauso spannend wie bei existierenden Wörtern 🙂 Ich habe dafür irgendwann mal den Begriff der experimentellen Etymologie geprägt, also für das frei assoziierende und kreativ ausprobierende Rückverfolgen einer möglichen Sprachentwicklung.

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      2. pflanzwas sagt:

        Wenn du sprachlich auch so interessiert bist, kennst du den Atlas zur Deutschen Alltagssprache? Die machen alljährlich eine Umfrage. Der Wortgebrauch von Nord bis Süd und Ost nach West für eine Sache ist schon beachtlich. Allein das Wort für Brötchen beispielsweise.
        https://www.atlas-alltagssprache.de/
        Experimentelle Etymologie gefällt mir 🙂 Ja, das ist ein spannendes Gebiet, daß mich auch fasziniert.

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      3. kommunikatz sagt:

        Der Atlas der Alltagssprache sagt mir was, aber ich habe bisher viel zu wenig darin gelesen. Ja, die deutsche Sprache ist halt auch nur ein Haufen diverser verwandter weil benachbarter Dialekte 🙂 da gibts eine krasse Vielfalt von Wörtern, Aussprache, Grammatik… 🙂

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