Ein Stuhl im Bus

Beinahe eine abc.etüde: Hier das Ergebnis des gestrigen Schreibworkshops. Wir waren nur zu Viert, Jede musste einen Gegenstand, einen Ort und eine Redewendung in die Runde werfen. Diese wurden bunt durchgemischt und Jede suchte sich dann aus allen drei Kategorien jeweils ein Wort bzw. eine Wendung aus den Vorgaben der Anderen aus. Ich nahm, was übrig blieb, weil ich das Onlinetool zum Aussuchen nicht nutzen konnte. Meine Kurzgeschichte musste den Gegenstand „Stuhl“, den Ort „ASEAG Linie 2 um 17:30 Uhr“ (die ASEAG ist das Aachener Busunternehmen) und die Redewendung „Man lernt, was man tut“ enthalten. Teil der Schreibaufgabe war außerdem, aus der Perspektive des Gegenstands zu schreiben. Folgend lest Ihr das Ergebnis, das auf einer wahren Begebenheit beruht (mein Ex-Mann transportierte einmal einen Bürostuhl mit der Bahn von Aachen nach Bonn und bekam die Frage mit der Bequemlichkeit der Sitze tatsächlich zu hören)

Ein Stuhl im Bus

Er fühlte sich ziemlich fehl am Platz und verfluchte innerlich seinenBesitzer. Was sollte ein Stuhl im Bus? Er stand im Weg und alle glotzten blöd. Der Busfahrer hatte sich schon bitterlich beklagt, als sein Besitzer mit ihm im Schlepptau in die ASEAG Linie 2 eingestiegen war, pünktlich um 17:30 Uhr, mitten im dicksten Berufsverkehr.

Die anderen Fahrgäste amüsierten sich teilweise köstlich. „Sind ihnen die Sitze hier zu unbequem?“, fragte eine Frau. „Ja, außerdem will ich ein bisschen Achterbahn-Feeling“ antwortete sein Besitzer, der sich wiedermal für besonders witzig hielt. Er setzte sich auf ihn und rollte ein bisschen hin und her, schließlich war er ein Bürostuhl mit fünf Rollen – nicht so wahnsinnig bustauglich, wenn er ehrlich war.

An der nächsten Haltestelle wurde sein Besitzer übermütig und rollte den Mittelgang hinunter in Richtung Busfahrer. Dieser war nicht begeistert und motzte durch sein Mikrofon „Lassen sie bitte ihre akrobatischen Kunststückchen sein, sie verletzen sich, wenn ich gleich anfahre.“ Dem Stuhl war das alles sagenhaft peinlich und er grübelte, wie er dieser Situation ein Ende bereiten könnte.

Sein Besitzer kommentierte nur trocken mit den Worten „Man lernt, was man tut!“ und gab seinem fahrbaren Untersatz noch einen extra Schubs. Doch als sich der Bus tatsächlich wieder in Bewegung setzte, verlor er das Gleichgewicht und geriet ins Kippen. Sein Besitzer purzelte dem Busfahrer förmlich vor die Füße, während er durch die Bewegung des Fahrzeugs in die andere Richtung den Mittelgang hoch umkippte. „Sehen sie, das war echt eine dumme Idee“, stellte der Fahrer genervt fest und warf den glücklicherweise unverletzten Fahrgast bei nächster Gelegenheit samt Stuhl aus dem Bus.

Der Stuhl war erleichtert, der Besitzer weniger. Nun musste er den Stuhl doch zu Fuß nach Hause schieben. Das gefiel dem Stuhl allerdings deutlich besser als der wenig artgerechte Bustransport.

7 Gedanken zu “Ein Stuhl im Bus

    1. kommunikatz sagt:

      Es gab ja schon drei Begriffe, die auftauchen mussten, dafür keine Vorgabe zum Umfang, aber eine feste Schreibzeit von 15 Minuten. Auf einer Etüde zu den aktuellen Begriffen kaue ich schon seit Tagen herum, aber irgendwie fluppt es nicht. Kommt hoffentlich noch, ein bisschen Zeit ist übrig… Eine Kombination aus beiden Aufgaben war mir gar nicht in den Sinn gekommen, das war von den Etüdenwörtern her auch irgendwie nicht naheliegend genug 🙂 wobei die diesmal ja eigentlich relativ universell sind.

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      1. puzzleblume sagt:

        Ui, 15 Minutenist happig.
        Ich bin zwar bei den Etüden auch keine, die lange plant, sondern lieber mit den Wörtern herumwandert und sie bebrütet, aber dann in einem Rutsch schreibt, aber ich glaube, in einer Viertelstunde war ich noch nie fertig.

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      2. kommunikatz sagt:

        Dito 🙂 Ich brauche da auch immer Zeit zum Brüten, auch wenn das Schreiben selbst meist relativ flott geht. Ohne Korrekturschleife haue ich aber auch keine Etüden raus. Gestern rettete mich die Assoziation zu der wahren Begebenheit mit dem Bürostuhl meines Ex-Manns in der Bahn. Sonst hätte ich wohl auch gekämpft, aber so musste ich eben nicht vorher die Begriffe ausbrüten, weil die Geschichte schon da war 🙂 Ähnlich wäre es mit der im anderen Kommentarstrang geschilderten Ball+Hund-Story gewesen – übrigens mein aktuellster Ex 😉 Menschen aus dem eigenen Umfeld geben einfach die besten Geschichten her.

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  1. All English Matters sagt:

    Mein Hund liebt Bälle. Das ist aber eher ein Problem, wenn wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Wir fahren mit dem Bus durch die Stadt. Akiro hat einen roten Ball zwischen seinen Pfoten verschanzt, als er mich ansieht und grinst. Der Bus wird langsamer und sein Ball fängt an, in Richtung Vorderseite des Busses zu rollen. Einige versuchten, den Ball zu stoppen, aber er hatte zu viel Schwung gewonnen. Er prallte gegen die Windschutzscheibe und prallte zurück und traf einen Fahrgast, der auf seinem Bürostuhl den Bus herunterrollte.
    Und die Moral der Geschichte? Rollt euch nicht in Bussen herum, besonders nicht in Aachen.

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    1. kommunikatz sagt:

      ROTFL! Ohje, wunderbar 🙂 Du glaubst es nicht, der von mir gestern in die Runde geworfene Gegenstand (also bildlich gesprochen) war tatsächlich „Ball“ und eine andere Teilnehmerin des Workshops machte daraus eine Hundegeschichte 🙂 Aber hätte ich den Ball und den Bus als vorgabe erwischt, hätte ich vermutlich über Akiro geschrieben 😉 Habe solche Episoden ja oft genug miterlebt. Die Kombination aus Ball und Stuhl wäre natürlich die Krönung gewesen.

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