Unnützes Wissen – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Speisepilze mochte ich noch nie. Egal ob schlichte Champignons, edle Pfifferlinge oder rustikale Steinpilze, der Geschmack gefällt mir nicht und die Konsistenz finde ich oft geradewegs eklig. Den Artikel in der gestrigen Tageszeitung über Mythen und Weisheiten rund ums Pilzesameln las ich daher nur mit den abc.etüden im Hinterkopf. Und siehe da, ich habe etwas gelernt:

In Waldstücken mit forstwirtschaftlicher Aktivität, Spuren von Großgeräten und vielen aufgestapelten Baumstämmen wachsen keine Pilze. In der Nähe von Maisfeldern schlafen zu viele Nährstoffe im Boden, so dass Pilze dort ebenfalls nicht gedeihen. Ähnlich wenig Chancen haben sie in der Umgebung von Brombeersträuchern und Brennesseln – schade eigentlich, dort hätten sie ihre Ruhe. Auch Springkraut, diese hübsche aber alles überrennende invasive Pflanze mit ihrem penetranten duft und den von kleinen Sprungfedern weit durch die Gegend geschleuderten Samen, mögen Pilze nicht in ihrer Nachbarschaft. Besser sieht es aus, wenn es nahebei Moose und Flechten gibt.

Pfifferlinge, Steinpilze und Maronen tummeln sich besonders gern in Nadelwäldern mit Fichten und Kiefern. Das lässt vermuten, dass es mit diesen Pilzsorten in Zukunft bergab gehen wird, denn der Borkenkäfer rafft gerade alle Fichtenbestände dahin. Sommersteinpilze, die mir bis dato kein Begriff waren, lassen sich laut lokalem Käseblättchen bevorzugt in der Nähe von Buchen oder Eichen finden. Fliegenpilze wollen die meisten Menschen zwar nicht sammeln, als Indikator sind sie aber hilfreich. Sie haben die gleichen Ansprüche wie Steinpilze und wachsen daher an denselben Standorten.

Dass Pilze am besten direkt nach dem Regen sprießen, stimmt übrigens nicht. Die Zeitung empfiehlt, erst 10 bis 14 Tage später auf die Suche zu gehen – gibt es im Herbst wirklich so lange regenfreie Zeiten? Dank Klimakrise inzwischen schon, was traurig genug ist, aber bis vor ein paar Jahren hätte ich im Herbst nicht auf zwei trockene Wochen gewettet.

Dies ist meine dritte abc.etüde zu Christianes Schreibeinladung der 39. und 40. Kalenderwoche. Diesmal musste meine eigene Wortspende verwurstet werden: „Pilze“, „traurig“ und „schlafen“.

9 Gedanken zu “Unnützes Wissen – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

  1. puzzleblume sagt:

    Schön, noch eine Etüde mit „richtigen Pilzen“!

    Manche Pilze können ein bisschen fies sein im Mund, da sind die Empfindlichkeiten verschieden. Man denke nur an die schlabbrig-zähen chinesischen Mu-Err-Pilze, Judasohren bzw. Holunderpilze, die es in einer europäischen Variante hierzulande auch gibt.

    Ich erinnere mich, dass mein Vater die Schwämmchen der gegarten Pilze nicht mochte, weil sie so undefinierbar weich waren, während es dem Rest der Familie egal war, aber ihm zuliebe wurden sie deshalb von den älteren Pilzen, bei denen die Schwämme schon beim Auffinden weich waren, weggeschnitten. Waren Oma und ich allein, haben wir schlicht alles von den essbaren Pilzen gegessen, wo kein Tierchen drinnen gesessen hat.

    Ja, die regenärmeren Spätsommer- und Herbstwochen raffen auch die Pilze dahin, die Fliegenpilze unter den Birken der Umgebung sind schon vor ihren Bäumen gestorben und die Birkenpilze in meinem Garten schon längst vorher.
    Die empfindlichen hauchfeinen Fadenstrukturen im Boden oder in Holz, das Mycel der Pilze, ist zwar ausdauernd, kann auch zig Jahrzehnte alt werden, aber nur bei ausreichender Feuchte unter dem ganzen Jahr in der Tiefe des Substrats, in der sie leben.

    Die meisten Pilzkörper der bekannten Speisepilze und ihrer giftigen Begleiter erscheinen im Spätsommer nicht auf das Signal „Regen“, sondern das der kälter werdenden Nächte, und es reichen Tau und feuchte Luft, um sie nicht vorschnell altern und schrumpfen zu lassen.
    Regen ist für die Vermehrungsorgane, die der Mensch Pilz nennt, tatsächlich nicht nötig. Das Mycel im Boden braucht bloss genug Feuchtigkeit und Platz, sich auszubreiten. Das würde den o.g. Zeitraum zwischen Regenfällen und Erscheinen der Pilze erklären.

    Konkurrenz von wurzelstarken Wildpflanzen, wie du sie aufgezählt hast, ist ihnen zu lästig, das kann man ja auch verstehen, die Fadengebilde können ihrerseits nicht drängeln. Auch wo viele Heidelbeeren den Waldboden bedecken, wachsen kaum Pilze.

    Gefällt 2 Personen

    1. kommunikatz sagt:

      Danke für diese tolle Ergänzung! Ich habe echt keine Ahnung und nur aus dem Zeitungsartikel abgeschrieben 🙂 Um den Beitrag zu Posten, habe ich Stunden und sehende Hilfe gebraucht, weil mir jetzt dieser beknackte Gutenbergeditor nicht mehr von der Seite weichen will. Hattest Du da nicht einen Trick entdeckt, den wieder loszuwerden? Wenn ich suche, finde ich nur das Classic Editor Plugin, aber das hilft ja nur, wenn ich WordPress auf einem eigenen Server betreiben würde – tu ich aber nicht…

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      1. puzzleblume sagt:

        Ich hatte das in einem Kommentar unter meinem Beitrag in Worten beschrieben, aber andererseits weiss ich nicht, ob es für dich ähnlich wiedergegeben wird.
        Ich habe einen WordPress Gratisblog, das Schlichteste überhaupt, ohne jegliche Plugins.

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      2. kommunikatz sagt:

        Ah, wieso hat Dein blog mir denn keine Mail mit der Antwort auf meinen Kommentar geschickt? Muss ich nachlesen, hab ich nicht mitgekriegt, sorry! Das löst dann vieleicht schon mein Problem. Habe auch die Simpelvariante des Gratisblogs, also dürfte da alles recht parallel aussehen. Danke und sorry!

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      3. puzzleblume sagt:

        Das weiss ich nicht, wieso du keine Kommentarmail bekommen hast. Kennst du die Funktion „meine Kommentare“ auf der Admin-Seite? Die verwende ich gern, weil man dann auch weitere Kommentare angezeigt bekommt, wo man weder die Kommentare noch den Blog abonniert hat.

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      4. kommunikatz sagt:

        Muss ich mir mal angucken. Bisher reichte es mir immer, bei Antworten auf meine eigenen Kommentare benachrichtigt zu werden, und das passiert normalerweise automatisch. Wenn ich mehr Benachrichtigungen zu allen Kommentaren zu einem bestimmten Beitrag wollte, habe ich halt das Ankreuzfeld markiert, dass es dafür meistens gibt. Wenn ich das defaultmäßig einstellen kann, ist das aber eine gute Sache. Gucke ich morgen 🙂 Danke Dir!

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  2. Christiane sagt:

    Das mit den Fliegenpilzen wusste ich noch … Als Kind habe ich viel und oft Pilze gesammelt, wenn auch nur wenige Sorten. Aber das ist inzwischen auch schon einige Jährchen her …
    Danke dir auf jeden Fall für die Auffrischung meines Pilzwissens, und genauso Puzzleblume für ihren Kommentar! 😀
    Liebe Grüße
    Christiane 😀

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