Vampire – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Wie das Mycelgeflecht zahlloser Pilze durchzogen die Leben Anderer das ihre. Sie zapften ihre Energiequellen an, gruben ihr das Wasser ab. Wie Flechten oder Wurzeln, in denen Pilze mit Pflanzen Symbiosen eingingen, schienen sich solche Verkrustungen schon lange und unbemerkt ihrer bemächtigt zu haben. Sie, die Pflanze, wurde dabei aber langsam von den parasitischen Pilzen erstickt. Eine Symbiose wäre ein Geben und Nehmen gewesen, aber ihr gab niemand etwas zurück.

Einstmals hatte sie viel Energie gehabt, wolte Anderen gut tun, Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken, helfen und wertschätzend unterstützen. Ihre Vorräte durften angezapft werden, sie gab gerne etwas ab und stärkte dadurch die, die sich bedürftig gaben.

Aber irgendwann war sie leer. Die Parasiten hatten sie ausgesaugt und ihr keine Freiheit mehr gelassen, sich aus eigener Kraft zu regenerieren. Nichteinmal zum schlafen reichte ihre Energie. Vampire, dachte sie unwillkürlich. Ihr Lebenssaft war versiegt, traurig und vertrocknet hingen ihre welken Blätter herab.

Konnte sie bewirken, dass die Pilzgeflechte an ihren Wurzeln abstarben und verroteten? Konnte sie wieder zum Grundwasser durchdringen, um daraus neue Nahrung zu ziehen? Nie wieder würde sie sich jedenfalls darauf verlassen, im Gegenzug für ihren Altruismus etwas zurückzubekommen und Aufopferung als Kraftquelle missverstehen.

Dies ist mein zweiter Beitrag zur Etüdenrunde der 39. und 40. Kalenderwoche, zu der Ihr hier die Schreibeinladung mit allen Erläuterungen aus der Feder der lieben Christiane von „Irgendwas ist immer“ findet. Diesmal wurde meine eigene Wortspende ausgewählt, namentlich „Pilze“, „traurig“ und „schlafen“.

9 Gedanken zu “Vampire – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

  1. Melina/Pollys sagt:

    Irgendwie liefen beim Lesen parallel menschliche „Altruisten“ Wesen in meinem Geiste mit. Und ja, dies ist eine tiefgründige Geschichte, die man durchaus als Metapher betrachten kann. Es heißt ja auch schon in der Bibel ‚Liebe deinen Nächsten wie die selbst‘ – und wenn man das falsch versteht, kann einen das ganz schön an die Wand fahren (völlig ausgesaugt werden).

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    1. kommunikatz sagt:

      Ja, sogar, wenn mensch noch so genau weiß, dass Anderen helfen nur solange möglich ist, wie es einem selbst gut geht und mensch sich eben auch selbst würdigt und pflegt – trotzdem geraten die eigenen Bedürfnisse oft schneller in den Hintergrund, als mensch es merkt und dass es dann kontinuierlich bergab geht,bleibt auch oft zu lange im Verborgenen.

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    1. kommunikatz sagt:

      Das stimmt, ich kenne auch einen Haufen Leute mit solchen Erfahrungen, mich selbst eingeschlossen, wie sich vermutlich die Meisten schon gedacht haben. Aber es gehören immer Zwei dazu – die Ausnutzenden und die, die sich ausnutzen lassen. Die Ausnutzenden machen es manchmal gar nicht mit Absicht sondern ihre Persönlichkeitsstruktur ist einfach sehr auf Nehmen, im-Mittelpunkt-stehen und um-Aufmerksamkeit-buhlen gepolt. Manche sind Narzist*innen, Andere brauchen vielleicht wirklich aufrichtigen Zuspruch. Die altruistischen Gegenstücke können aber auch Grenzen setzen und müssen sich eben nicht ständig für die willfährige Rolle hergeben. Darüber hat jede einzelne Person die Macht und jede einzelne Person muss sich selbst ermächtigen, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich nicht aussaugen zu lassen. Das ist ganz schön schwer, wenn mensch denkt, für Andere da zu sein und ihnen gut zu tun, sei das höchste der Gefühle. Solange etwas zurückkommt und die Zuwendung nicht zur Einbahnstraße wird, ist das oft auch so, aber ist die Einbahnstraße einmal da, geht nur noch Reißleineziehen. Ich musste fast 40 Jahre auf diesem Planeten rumspringen, um das nicht nur zu kapieren sondern auch umzusetzen, aber ich hoffe sehr, dass ich es jetzt nachhaltig gelernt habe.

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