Leichtigkeit…

…fehlt schmerzlich. Ich fühle mich, als hätte mir ein Maffioso Betonschuhe verpasst und mich damit in einen hüfttiefen, schlammigen Tümpel geworfen. Nass, kalt, bewegungsunfähig, irgendwo zwischen unzufrieden und verzweifelt.

Ich komme nicht vom Fleck, kein Schrittchen. Der Beton zieht an mir, zieht mich runter, aber immer nur so tief, dass ein Teil von mir über Wasser bleibt und denkt, da muss doch etwas gehen. Ich muss doch etwas schaffen, denken, planen, anpacken, vorankommen. Aber es geht nicht. Nichts geht, nichts bewegt sich.

All die alten Strukturen, die toxischen Kleinigkeiten, die sich perpetuierenden Konflikte – nichts ist lösbar, solange ich in diesem Tümpel stecke und von allen Seiten erzählt bekomme, ich hätte es doch selber in der Hand und würde bloß alles verkehrt angehen. Wenn ich sie dann anbrülle, dass sie mich endlich in Ruhe lassen sollen und ihre guten Ratschläge für den Arsch sind, erzählen sie mir, sie hätten das nicht so gemeint, ich hätte es nur falsch aufgefasst. Ich bin immer Schuld, ich verstehe immer alles falsch – ist klar.

Betonschuhe sind kraftraubend. Schlammwasser ist lähmend kalt. Ignoranz und Paternalismus sind frustrierend. Mir fällt nichts mehr ein außer schreien. Und warten. Warten, bis es endlich aufzuhören beginnt. Bis endlich Schicht um Schicht sich löst, lüftet, zersetzt, sich mühsam abziehen lässt, abfriemeln wie Aufkleber aus Papier. Der Beton ist aus Pappmaché. So viele Schichten müssen weg, bevor ich wieder denken kann. Und noch viele mehr, um wieder fühlen zu können. Ein Monat noch.

7 Gedanken zu “Leichtigkeit…

    1. kommunikatz sagt:

      Ganz genau, dieser blöde Zwischenzustand, der sich vor allem wirklich nicht aus eigener Kraft auflösen lässt, weil dafür halt eine Rahmenbedingung geschaffen werden muss, die Termingebunden oder von jemand Anderem abhängig ist. In meinem Fall ist es Beides: Mein Ex muss ausziehen, aber eine Wohnung hat er halt erst zum 01.10.20. Und bis dahin geht all der Mist weiter, wegen dem wir uns schon vor drei Monaten getrennt haben… Und selbst danach geht noch Vieles weiter, denn da seine neue Bude winzig und möbliert ist, wird er ganz bestimmt auf Zeit spielen und all sein Geraffel hier lassen wollen, so lange es geht. Das haut aber nicht hin, meine baldige Mitbewohnerin möchte ja auch irgendwann einziehen und zwischendurch muss ich noch ein bisschen das Haus auf Vordermann bringen.

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  1. puzzleblume sagt:

    Die Grenzen der Kommunikationsmöglichkeiten zu erreichen ist schmerzhaft.
    Jeder Mensch befindet sich in seinem eigenen, durch das Leben und seine persönlichen Umstände erworbenen Verständiskosmos.
    Ein Vorstellungsvermögen darüber hinaus ist manchen schwerer möglich als anderen, weil es bedeutet, dass man seine sorgfältig gebaute Identität dazu ein Stück weit öffnen müsste, und umgekehrt, sich damit zu bescheiden, dass der andere dem nicht entspricht, zu akzeptieren, wann man jemandem nicht weiter zusetzen sollte, entweder gar nicht, oder erst nach einer gewissen Zeit des Nachdenkens und der Weiterentwicklung.
    Es entwickelt sich nichts, wo bedrängt wird, dann liegt der Schwerpunkt nur noch auf Einigeln, Abwehren, Schildkrötenpanzerbewohnen.
    Der von dir benannte, eigentlich nur wohlmeinende Paternalismus als Grund für Verzweiflung betrifft leider nach wie vor viele Menschen, sogar die mit weniger gravierenden Problemen wie du sie hast. Rebellion durch Verweigerung forciert den allerdings nur, denn Menschen, die so denken, verstehen nicht, was sie falsch machen, sondern empfinden dadurch nur einen noch stärkeren Druck, ihre Fürsorglichkeit durchzusetzen.
    Der Antrieb dazu ist der durch ihre eigene Geschichte verinnerlichte Kern ihres Wesens, das ebenso dadurch getriggert wird, und ihr Versagen zur Schuld macht, wie du umgekehrt in deiner Abwehrhaltung tiefer zu versinken drohst, wenn du diese Interessenkonflikte nicht bald wieder mit kaltem Verstand betrachtest.

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    1. kommunikatz sagt:

      Sehr wahr und schön formuliert! Es ist eine Zwickmüle, und je näher einem die paternalistisch agierenden Menschen sind bzw. je länger ihre Rolle besteht und je selbstverständlicher ein gewisser Paternalismus sich aus dieser Rolle heraus ergibt, desto schwerer ist es, Verständnis dafür zu wecken, dass noch so gut gemeinte Hilfsangebote und Interventionsversuche auch bedrängen, erdrücken und schlicht nerven können. Ich will einfach nicht, dass mir ständig reingeredet wird und alle alles besser zu wissen meinen als ich selbst. Egal, ob das meine Eltern sind, die sich von dieser Rolle noch immer nicht trennen können, obwohl ihr kleines, hilfloses, behindertes Kind inzwischen fast 40 ist, oder mein Ex, der noch nie das Recht hatte, mich zu bevormunden, der es aber zum teil so subtil gemacht hat und auf dessen Unterstützung ich ja auch oft angewiesen war, dass er jetzt nicht akzeptieren kann, dass er in meinem Leben nichts mehr zu bestimmen hat. Ich brauche eine unendliche Geduld mit Alledem. Eigentlich dachte ich immer, ich sei unendlich geduldig. Aber irgendwann wird wohl auch der längste Geduldsfaden instabil…

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  2. Und sonst so? sagt:

    Dicke Schichten brauchen ihre Zeit, bis sie sich aufgelöst haben. Und das ist manchmal gut, weil darunter oft etwas ganz Neues und Wunderbares zum Vorschein kommt. Das Abstreifen des alten Kokons allerdings kann arbeitsintensiv sein und viel Kraft kosten. Innehalten und neue Kraft tanken für die Befreiung ist häufig schwer. Ich bin sicher, du schaffst das, und wenn ein paar Schichten abgetragen sind, wird es immer leichter gehen. Gib nicht auf, fühle dich wie ein Schmetterling auf dem weg in die Freiheit!
    Liebe Grüße und eine hoffentlich positiv beginnende nächste Woche!👋

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    1. kommunikatz sagt:

      Danke Dir! 🙂 Ja, Du hast so Recht und ich freue mich so sehr auf dieses Schmetterlingsgefühl, wenn der Kokon irgendwann löchrig wird und abfällt. Aber vor dem langen und anstrengenden Weg bis dahin habe ich eben auch Angst, denn ich habe ziemlich klar die vielen, arbeitsintensiven Schritte dieses Weges vor den sprichwörtlichen Augen – und das sind sicher längst nicht alle nötigen Schritte sondern bloß der kleine Teil, den ich jetzt schon absehen kann. Also wird der Berg noch größer sein, obwohl er mir jetzt schon unüberwindlich vorkommt… Aber ich mache weiter. Manchmal muss das Negative halt raus, damit dann auch die nächsten Quatschgeschichten wieder Raum bekommen können und ich einen Vorgeschmack der tatsächlichen Leichtigkeit wahrnehmen kann.

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