Nachbarschaft, wieder ein Realitätsschnipsel – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Die Nachbarsfamilie hat etwas zu feiern. Keine Ahnung, ob es ein Kindergeburtstag, ein Familientreffen oder einfach nur eine Grillparty (bisher ohne Grill) ist, jedenfalls ist es auf der Terrasse jenseits der Trennmauer ganz schön lebhaft. Die Kids der ganzen Nachbarschaft bevölkern den Garten und hüpfen auf dem Trampolin rum, die Erwachsenen – ahja, gleich gehts wohl doch los – diskutieren lautstark darüber, wer wann welche Stücke toten Tieres auf den Grill legt.

Nach vier Tagen Krankenhaus ohne Frischluft hinter nicht zu öffnenden Fenstern genieße ich meine Terrasse. Jetzt stinkt es zwar nach Grillerei, aber das ist mir gerade lieber, als bei dem herrlichen Wetter weiter in geschlossenen Räumen zu hocken. Oft würde ich grillende Menschen samt ihrer stinkenden Utensilien liebendgern in ihre Geräteschuppen sperren, zwischen Rasenmäher, Spaten und anderem Gartenwerkzeug eingepfercht. Aber heute bin ich tolerant, ich habe ja gezwungenermaßen auch selbst in den letzten Tagen gesündigt – kein Fleisch, aber massenhaft tierische Produkte wie Käse, weil so ein Standardkrankenhaus sich mit veganen Patient*innen leider auch heute noch schwertut.

Als meine Haare noch kupferfarben waren und das sich unter dem Henna ausbreitende Grau mich noch nicht wie Pumuckel aussehen ließ, aß ich ja sogar selber noch Fleisch. Inzwischen ergraue ich in Würde, ernähre mich vegan und die Welt versinkt trotzdem im Chaos. Retten kann ich wohl vorerst nur noch mein eigenes Wohlergehen. Aber da bin ich dran, glaubt mir!

 

Hier gehts zu Christianes schreibeinladung:

Das aktuelle Spielzeug, die Wörter für die Textwochen 24/25 des Schreibjahres 2020, schenkte uns Susanne vom Blog „books2cats„. Sie lauten „Geräteschuppen“, „kupferfarben“ und „feiern“.

 

7 Gedanken zu “Nachbarschaft, wieder ein Realitätsschnipsel – eine abc.etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

  1. Christiane sagt:

    Gartenpartys bei meinen ausländischen Nachbarn habe ich hier auch en masse, und der Grill spielt in allen grillfähigen Monaten dabei eine wichtige Rolle. Glaub mir, selbst für eine fleischfressende Pflanze wie mich sind derartige Gerüche oft eine Zumutung …
    Schön, dass du wieder zu Hause bist!
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Liebe Christiane,
      meine Nachbarn sind einfach nur sehr gesellig, ohne jeglichen Migrationshintergrund 🙂 Tatsächlich ist mir meine Umgebung fast ein bisschen zu biodeutsch, auch wenn sich das nicht aufs ganze Viertel sondern nur auf meinen Straßenzug bezieht. Ich mag Vielfalt, ich mag sogar die Geräuschentwicklung spielender Kinder und feiernder Erwachsener. Nur den Grill könnten sie etwas häufiger außer Betrieb lassen.
      Ja, wieder zu Hause zu sein, tut gut. Auch wenn ich hier natürlich sofort wieder Diskussionen darüber an der Backe habe, was für ein kapitalistisches Arschloch ich doch bin, weil ich mit meinem Ex-Partner vor Jahren einen offiziellen Mietvertrag gemacht habe, um mich steuerlich und uns Beide rechtlich abzusichern. Ihm passt mein Vorschlag zu seiner finanziellen Entschädigung für all seinen Einsatz für mein Haus nicht, aber er macht auch keinen Gegenvorschlag sondern wirft mir vor, ihn unter Druck zu setzen, egal, wie oft ich ihm sage, dass ich alles ohne Druck und Konflikte abwickeln will und ihm selbstverständlich erst kündige, wenn er eine neue Bleibe sicher hat, allein schon, um ihm doppelte Mietzahlungen zu ersparen. Und natürlich bekommt er Geld für all die Arbeit, die er ins Haus gesteckt hat, gar keine Frage. Nur, weil ich gefragt habe, wie seine Wohnungssuche läuft, weil ich ja schließlich auch planen muss, bin ich jetzt, keine 24 Stunden nach meiner Rückkehr aus dem Krankenhaus, schon wieder in der Schusslinie… Dabei überschlage ich mich schon die ganze Zeit mit Dank an ihn für seine Unterstützung etc.pp. – was erwarten manche Leute eigentlich?
      liebe Grüße
      Lea

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