Teil IX und das Ende des ayurvedischn Selbstversuchs

Es wird zeit, dass ich berichte, wie es mit meinem skeptischen Selbstversuch weiterging. Denn der Titel lässt es schon vermuten – es ging weiter und nun ging es auch erstmal zuende.

Seit meinem letzten Beitrag nahm ich weiter die Mittel Dhanwantaram Ghritham und Dhanwantaram Gulika, also das Ghee und die Tabletten mit den weitgehend gleichen Wirkstoffen. Das Ghee hatte meinem Eindruck nach eine leicht abführende Wirkung – klar, ein Teelöffel geschmolzene Butter eine Stunde vor dem Frühstück tut eben etwas. Für eine Weile tolerierte ich das aber, zumal es nicht wirklich schlimm oder extrem war. Auch insgesamt schlug mir das Ganze aber irgendwie auf die Verdauung. Obwohl es eigentlich auch genau diesen Bereich hätte verbessern sollen, fühlte ich mich oft unterschwellig unwohl. Es waren nur Tendenzen, von denen ich nicht sagen kann, ob sie überhaupt mit den ayurvedischen Mitteln oder doch eher mit meinem allgemein angeschlagenen psychischen Zustand zusammenhingen, aber irgendetwas war nicht ideal.

Nach zwei oder drei Wochen nahm ich eines Morgens das Ghee, hatte aber keine Zeit oder Lust, anschließend zu frühstücken. Es gab Kaffee und eine Tasse Hafermilch mit Honig und ein wenig Leinöl, ab und an einen Krümel der Dhanwantaram-Tabletten, mittags dann eines der berüchtigten scharfen Linsencurries meines Partners. Etwa eine Stunde nach dem Essen wurde mir übel und ich gab alles wieder von mir. Danach fühlte ich mich schwach und müde, aber nachdem ich mich für eine Stunde hingelegt hatte, war alles wieder gut. Solche Kapriolen schlägt mein Magen sonst nie – ich hatte mich bis dahin seit beinahe 20 Jahren nicht mehr übergeben. Mein Partner vertrug das Essen anstandslos und es war auch definitiv nicht zu alt oder verdorben. Mein Magen könnte auch auf die Schärfe empfindlich reagiert haben, aber normalerweise habe ich damit nie Probleme. Was letztendlich der Auslöser war, weiß ich nicht, aber der Vorfall machte mich misstrauisch gegen die ayurvedischen Mittel. Vielleicht waren sie auf quasi nüchternen Magen nicht im Sinne meines Körpers, und wenn das so war, waren sie auch mit gefülltem Magen sicher nicht optimal. Vielleicht hatte es auch eine völlig andere Ursache gegeben, die ich nicht kenne, aber die Verunsicherung war nun da.

Das Ghee nahm ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr, die Tabletten nur noch für ein oder zwei Tage. Größere Verdauungsprobleme tauchten nicht mehr auf, richtig gut fühlte ich mich aber auch nicht. Also ließ ich auch die Tabletten weg, um zu testen, wie es mir ganz ohne die Mittel ginge. Das tendenzielle Unwohlsein ließ nach, was mich in der Entscheidung bestärkte, auf die Mittel zu verzichten. Als ich weitere drei Wochen später wieder mit der Heilpraktikerin sprach, bestätigte sie mir, dass ich richtig entschieden hatte. An den Mitteln selbst könne es aus ihrer Sicht zwar so direkt nicht gelegen haben, aber eine Wechselwirkung mit einem meiner anderen Medikamente oder meinem Allgemeinzustand sei denkbar. Sie war auch mit meiner Einschätzung einverstanden, dass es besser sei, zunächst keine Mittel mehr einzunehmen. Ich wollte erst meine allgemein vor allem psychisch schlechte Verfassung in den Griff bekommen, bevor ich herumexperimentierte und irgendwann gar nicht mehr wuste, was nun welchen Einfluss worauf ausübte. Dass es keinen Sinn hat, bei zu großer Unsicherheit oder Skepsis Mittel einzunehmen, hatte sie ja schon vor einer ganzen Weile geäußert – dass ich erstmal andere Baustellen aus dem Weg räumen will, akzeptierte und unterstützte sie nun ebenfalls.

Der Versuch kann also als beendet gelten. Vielleicht werde ich mich weiterhin von der Heilpraktikerin, der ich auch freundschaftlich verbunden bin, beraten und ab und zu massieren lassen. Das ist sicherlich hilfreich und wohltuend. Aber die Experimente mit weitestgehend wirkungslosen, dafür aber nicht gerade billigen Mittelchen erscheinen mir immer nutzloser. Alles, was mir seit dem Start dieses Versuchs geholfen hat, hatte nichts mit Ayurveda im engeren Sinne zu tun. Die Gespräche mit der Heilpraktikerin taten gut und brachten mich teilweise auf hilfreiche Ideen oder Vorgehensweisen, aber die ayurvedischen Mittel selbst veränderten gar nichts oder beeinträchtigten sogar mein Wohlbefinden. Meine Schlafstörungen, die der ursprüngliche Anlass für den Selbstversuch waren, haben sich Dank Johanniskraut und nun sogar ohne dieses dank der Lockdown-Entschleunigung gebessert. Dabei hat die ayurvedische Behandlung aber keine oder höchstens eine äußerst indirekte Rolle gespielt. Das kann ich wegen zeitlicher Korrelationen zwischen der Besserung und der Johanniskrauteinnahme sowie dem Lockdownbeginn ruhigen Gewissens behaupten.

Mein Fazit ist daher, wie ich auch im Verlauf des Versuchs schon vermutete: Ayurvedische Medikamente sind ähnlich wirkungslos oder -arm wie Mittel aus dem Bereich der TCM und viele andere alternativmedizinische Präparate. Die Homöopathie treibt es auf die Spitze: Außer einem Placebo-Effekt gibt es keine nachweisbare Wirkung. In vielen Richtungen der Alternativmedizin kann es einzelne hilfreiche Mittel geben, wenn zufällig mal ein tatsächlich wirksamer Pflanzenbestandteil verwendet wird, aber außer solchen vereinzelten Lichtblicken ist die erfahrungsbasierte Medizin nur ein Haufen von Anekdoten und Aberglauben.

Die hilfreiche Seite einer solchen Behandlung, die gründliche Anamnese mit ausführlichen Gesprächen und das dadurch entstehende Gefühl, wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden, die individuellen Ratschläge und in den einzelnen Lehren systematisierten Verhaltensregeln sind kein ausreichendes Argument dafür, jede Menge Geld bei einer Heilpraktikerin zu lassen und den eigenen Körper mit zweifelhaften Substanzen zu belästigen. Danke, das wusste ich eigentlich auch schon vor dem Selbstversuch, jetzt kann mir auch niemand mehr vorwerfen, ich hätte es nicht zumindest ausprobiert.

So begann der Selbstversuch.
Und hier geht es zum vorigen Teil.

2 Gedanken zu “Teil IX und das Ende des ayurvedischn Selbstversuchs

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