Tag der Befreiung

Heute vor 75 Jahren endete der zweite Weltkrieg mit der Kapitulation des Naziregimes. Manche empfanden das Kriegsende damals nicht als Befreiung sondern sahen nur eine militärische Niederlage. Es brauchte Richard von Weizsäcker, der 1985 als Bundespräsident erstmals den Begriff der Befreiung prägte und damit einen neuen gesellschaftlichen Konsens begründete. In den vier Jahrzehnten zwischen 1945 und 1985 hatten die Deutschen ihre Geschichte mehrheitlich erfolgreich verdrängt, sich vom Aufschwung einlullen lassen und oftmals jegliche Erinnerung unter den Teppich gekehrt – zu unangenehm und beschämend war all das gewesen, zu eng war fast jeder familiäre Hintergrund damit verquickt.

Es hat lange gedauert, bis die heute übliche Erinnerungskultur Einzug hielt und bis „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ im Bewusstsein der Mehrheit ankam. Und heute sind diese Worte erschreckenderweise schon wieder dabei, aus dem Bewusstsein Vieler zu verblassen. Rechtspopulist*innen, Verschwörungstheoretiker*innen und viele, sich für unpolitisch haltende, in Wahrheit aber hauptsächlich denkfaule Menschen sind der Meinung, es wäre doch nun endlich genug mit all dem Erinnern. Erinnern könne mensch sich schließlich gar nicht an etwas, wo mensch nicht dabei gewesen sei, so dass mensch auch keine Verantwortung dafür tragen könne.

Um Verantwortung geht es auch nicht. Natürlich hat kein nach dem Ende des Krieges geborener Mensch irgendeine Schuld an den Greueltaten Hitlers und seiner Gefolgschaft. Die Verantwortung für die Zukunft und dafür, dass sich nichts von Alledem jemals wiederholen darf, tragen aber wir alle. Wir müssen dafür sorgen, dass die Stimmung nie wieder in eine derart menschenverachtende Ideologie kippt, dass ganze gesellschaftliche Gruppen nie wieder zu Sündenböcken erklärt werden, dass die Entmenschlichung von Menschen anderen Glaubens, anderer Überzeugung, anderer Herkunft oder anderer Fähigkeiten nie wieder um sich greift. Das können nur wir heutigen Menschen und nicht unsere Vorfahren aus der Vergangenheit.

Lasst uns alle diese Aufgabe annehmen, das Gedenken wach halten und unseren Mitmenschen immer wieder ins Gewissen reden, wenn wir an ihnen ungute Tendenzen bemerken. Gerade jetzt, in der Coronakrise, ist eine Zeit vieler unguter Tendenzen. Die „jüdische Weltverschwörung“ wird für das Virus verantwortlich gemacht oder Mitmenschen werden als angebliche Verbreiter*innen der Krankheit rassistisch beleidigt. Verirrte und verblendete C-Promis drohen mit Bewaffnung und Abtauchen in den Untergrund.

Lasst uns all das nicht unwidersprochen hinnehmen. Die Welt ist in der Realität irre genug, da brauchen wir nicht auch noch Leute, die vollkommen jegliche Bodenhaftung verlieren, egal, ob sie Trump, Naidoo, Jebsen oder Hildmann heißen.

Leider kann ich heute keine diesjährigen Trägerinnen oder Träger des Aachener Friedenspreises verkünden, die sich gegen all das stark machen oder Frieden und weltumspannenden Gemeinschaftssinn vorleben. Bislang hat der Verein noch nichteinmal welche Gewählt, da wir wegen der Coronakrise noch keine Mitgliederversammlung an- und umsetzen konnten. Geplant ist nach aktuellem Stand, dass die Mitgliederversammlung am 01.09.20 stattfinden wird. Dies ist der Antikriegstag, an dem sonst immer der Preis verliehen wird. Dann werden wir Preisträger*innen und endlich auch einen neuen Vereinsvorstand wählen – verliehen wird der Aachener Friedenspreis dann am 10.12.20, dem internationalen Tag der Menschenrechte. All das steht aber unter Vorbehalt, da natürlich auch wir nicht wissen, wie sich die Pandemie bis zum Jahresende entwickeln wird. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, tue das also am Besten auf der Homepage des Aachener Friedenspreis e.V.

Und wer mehr über Verschwörungstheorien, Coronaquerfront und neurechten Wahnsinn lesen möchte, findet u.a. bei der GWUP und den Volksverpetzern zahlreiche lesenswerte Artikel.

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