Ayurveda – Teil VIII des skeptischen Selbstversuchs

Lange ist es her, dass Teil VII meiner Ayurveda-Reihe erschien. Bestimmt hat auch niemand mehr an eine Fortsetzung geglaubt, weil die ganze Sache in sämtlichen Köpfen längst der Coronakrise zum Opfer gefallen ist. In meinem Kopf war das aber nicht der Fall, denn irgendwie fühle ich mich sowohl dem Projekt „Selbstversuch“ als auch meiner Heilpraktikerin verpflichtet, die ja immerhin eine langjährige Bekannte und beinahe Freundin von mir ist. Kurz vor Beginn des Lockdown traf ich sie noch zufällig in der Stadt. Vielleicht wäre mein Ausflug in die Welt des Ayurveda ohne diesen Zufall tatsächlich eingeschlafen oder hätte länger auf Eis gelegen. So kam es aber dann vor Kurzem doch wieder zu mehr e-Mail-Kontakt und einem Telefonat.

Begonnen hatte ich den Selbstversuch wegen meiner ausgeprägten und stark beeinträchtigenden Schlafstörungen, für die ich ums Verrecken keine vernünftige Lösung fand. Also probierte ich es irgendwann auch mit unvernünftigen Lösungsansätzen 🙂 Das vielversprechendste ayurvedische Mittel Aswagandha konnte ich wegen seiner möglicherweise immunsteigernden Wirkung und meiner Autoimmunerkrankung nicht einnehmen. Es gab aber ein paar andere Mittel, die mir meine Heilpraktikerin ans Herz legte, um innere Ruhe, Balance und Wohlbefinden zu unterstützen. Diese nahm ich ein, ohne viel Veränderung zu bemerken.

Was mir aber spürbar gut tat, waren die Zuwendung und die ausführlichen Gespräche mit meiner lieben Bekannten. Diese hätte ich möglicherweise auch auf freundschaftlicher Ebene haben können, ohne dafür massenhaft Geld in die Hand zu nehmen, aber ich wollte durchaus den ayurvedischen Ansatz kennenlernen, ihn ausprobieren und dafür die Expertise der Spezialistin nutzen. Und wenn ich ausdrücklich Wert auf eine Expertise lege, bezahle ich auch dafür – sie lebt schließlich davon und ist genauso eine Soloselbstständige, wie ich es als Texterin einmal war und nebenbei noch immer bin. Sie hat mich auch schonmal für eine textliche Dienstleistung bezahlt, also läuft es umgekehrt logischerweise genauso offiziell und wertschätzend ab.

Schon letzten Dezember hatten wir uns Gedanken ggemacht, wie es mit meiner Behandlung weitergehen könnte. Weil ich mich lange nicht kümmerte, da ich mit anderem Chaos zu beschäftigt war, passierte dann lange nichts – bis die Coronamaßnahmen begannen und es mir durch die allfällige Entschleunigung und Reduktion meines Alltags plötzlich einfach so besser ging. Auch meine Schlafprobleme gingen deutlich zurück, so dass ich inzwischen fast jede Nacht durchschlafe und auch dann, wenn Arzu mal nachts raus will, anschließend wieder schnell einschlafen kann. Weitermachen wollte ich aber trotzdem. Da Präsenztermine wegen des Lockdowns momentan natürlich keine Option sind, fallen Massagen, Einläufe und Dergleichen flach und ich bin auf die Einnahme weiterer Mittel zurückgeworfen. Eigentlich hatte ich das nicht vor sondern wollte mich auf die wirklich wohltuenden Massagen konzentrieren. Mit lediglich wackeliger Überzeugung verstand ich mich dann aber doch dazu, zwei neue Mittel zu bestellen, die die Heilpraktikerin mir empfahl.

Es handelt sich um Dhanwantaram Ghritham und Dhanwantaram Gulika. Die teilweise Namensgleichheit ist kein Zufall, beide Mittel enthalten die gleichen Wirkstoffe. Ersteres ist aber ein medizinisches Ghee, basiert also auf ayurvedisch gereinigter Butter – womit es natürlich leider nicht vegan ist. Zweiteres sind Tabletten. Die Wirkstoffe sind diverse Kräuter, keine Schwermetalle oder sonstige Seltsamkeiten – darauf weist die Heilpraktikerin mich inzwischen immer extra hin. Wobei das mit den Seltsamkeiten wohl Ansichtssache ist. In der Zutatenliste des tablettenförmigen Mittels steht an letzter Stelle „Civet cat semen“, also das Sperma von Zibetkatzen. Netterweise steht in Klammern dahinter, dass die meisten Hersteller auf diesen Inhaltsstoff verzichten.

Dhanwantaram Ghritham, also das Ghee, wird laut meiner Recherche üblicherweise neben seiner Funktion als Medizin auch zur Vorbereitung einer Panchakarma-Behandlung verwendet. Das ist die Entschlackung und Ausleitung von Giftstoffen, die ich bereits letzten Herbst mit dem Mittel Ashtavargam Kashayam Choornam und dem Ingwer-Koriander-Trunk hinter mich gebracht habe, obwohl ich nicht an Schlacken glaube. Als Medizin wird Dhanwantaram Ghritham bei allen möglichen Indikationen eingesetzt. Dazu gehören Ödeme, Abszesse, Hämorrhoiden, Anemie, Vergiftungen, Diabetes, Gicht, Erkrankungen der Milz sowie Hauterkrankungen und Psychosen. Außer den Hämorrhoiden habe ich nichts von Alledem. In Öl- statt Ghee-Form wird die gleiche Kräuterzusammensetzung auch gegen neurologische Beschwerden angewendet, was bei mir wiederum Sinn ergäbe. Diese stehen aber bei der Ghee-Variante nicht in der Liste der Behandlungsfelder. Dhanwantaram Gulika, die Tablettenvariante mit den gleichen Inhaltsstoffen, hat als Anwendungsgebiet u.a. Atemwegs- und Bronchialbeschwerden. Das wird in Zeiten von SARS-CoV-2 schon nicht verkehrt sein.

Gefragt, warum ich diese Mittel nehmen soll, antwortete mir die Heilpraktikerin, im Ayurveda ginge es weniger um einzelne Symptome oder Beschwerden sondern grundsätzlich mehr um das gesamte Befinden und Gleichgewicht von Körper und Psyche. Die Mittel brächten Ruhe, Entspannung und mehr Gelassenheit. Dagegen konnte ich nichts sagen, denn das alles brauche ich nach wie vor dringend. das wiederum deckt sich auch mit dem erklärten Ziel einer Panchakarma-Kur, Körper und Geist intensiv zu reinigen.

Ich nehme nun also morgens 30 Minuten nach meinem Schilddrüsenmedikament einen knappen Teelöffel des Ghees in geschmolzener Form und trinke dazu warmes Wasser. Das Ghee riecht und schmeckt, wie mensch es sich vorstellt, nach ranziger Butter. Das Choornam-Pulver war aber ekliger, also alles halb so wild. Eine Stunde später darf ich dann frühstücken, wobei ich dafür nicht exakt auf die Uhr gucke.

Über den Tag verteilt nehme ich dann ca. alle zwei Stunden ein Sechstel einer Dhanwantaram Gulika Tablette. Da die Tabletten verhältnismäßig winzig sind, ist es fast unmöglich, sie in sechs Teile zu zerkrümeln. Zum Glück müssen die Krümel nicht gleich groß sein und es wäre wohl auch nicht schädlich, sie nur zu halbieren und jeweils zwei Hälften über einen Tag zu verteilen. Die Aufnahme durch den Körper werde durch möglichst viele, kleine Dosen aber verbessert. Die Tabletten schmecken, trotz ihrer Winzigkeit, intensiv erdig. Der Geschmack erinnert mich an den Duft von Vetiver, wobei das vermutlich dadurch verstärkt wird, dass ich die Tablettenkrümel in einem Plastikdöschen aufbewahre, das vor langer Zeit einmal mit einer Probe irgendeines naturkosmetischen Pflegeprodukts befüllt war und vermutlich dessen Duft gespeichert hat.

Die beiden Mittel werde ich nun einen Monat lang einnehmen. Angefangen habe ich erst gestern, viele Erfahrungswerte habe ich also noch nicht. Ernährungsvorschriften gibt es diesmal angenehmerweise keine, außer den zeitlichen Abständen, die zwischen der Einnahme der ayurvedischen Mittel, anderer Medikamente und Mahlzeiten eingehalten werden sollen. Ich werde im Verlauf des Experiments weiter berichten – ab jetzt auch wieder in kleineren Zeitabständen, versprochen!

Den vorherigen Teil dieser Reihe findet Ihr hier.

Hier geht es zur Fortsetzung.

Und wie alles begann, lest Ihr hier.

5 Gedanken zu “Ayurveda – Teil VIII des skeptischen Selbstversuchs

  1. Myriade sagt:

    Der naturwissenschaftlich denkende Teil meines Hirns weigert sich zu glauben, dass ein Heilmittel gezielt für so Unterschiedliches wie Ödeme, Abszesse, Hämorrhoiden, Anemie, Vergiftungen, Diabetes, Gicht, Erkrankungen der Milz sowie Hauterkrankungen und Psychosen hilfreich sein kann … Aber es geht natürlich nichts über Ausprobieren 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Das ist es ja, liebe Myriade. Ich glaube im Grunde auch nicht dran, wollte aber einfach mal gucken, was passiert. Wie ich es im ersten und auch im fünften Teil der Reihe schrieb: Manchmal ist mensch so ratlos, dass auch unsinnige Methoden plötzlich ein gangbarer Weg zu sein scheinen – und nachdem ich mit meinen Schlafstörungen so gar nicht weiterkam und der Leidensdruck zu groß wurde, habe ich mich an meine Bekannte und ihr Angebot erinnert, mich mal ayurvedisch zu beraten, wenn ich Bedarf hätte. Den hatte ich dann und bin aus Neugier so zu sagen am Ball geblieben. Aber glauben tu ichs immernoch nicht, es bleibt ein Experiment und ich glaube auch nicht, dass ich am Ende anders denken werde.
      liebe Grüße
      Lea

      Gefällt 1 Person

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