Ein Hoch auf die Telefondesinfizierer(*innen)!

Schon Douglas Adams wusste es: Telefone sind ein Gesundheitsrisiko. Als er 1979 sein „Per Anhalter durch die Galaxis“ schrieb, gab es noch verkabelte Wählscheibentelefone. Die öffentliche Variante davon wurde aber von so vielen Menschen angefasst, dass er in seinem Buch als Teil der völlig sinnlosen Bevölkerungsklasse B auf dem Planeten Golgafrincham den Berufsstand der Telefondesinfizierer*innen erfand. Diese wurden als so überflüssig angesehen, dass sie gemeinsam mit allen anderen Angehörigen der Klasse B (Filmproduzent*innen, Frisör*innen, Unternehmensberater*innen und Versicherungsvertreter*innen) mit dem Raumschiff Arche B in den Weltraum geschossen wurden. Die offizielle Begründung war eine Evakuierung des ganzen Planeten, eigentlich wollte man sich aber nur der unnützen Esser*inen entledigen. Die Arche B strandete auf der prähistorischen Erde, ihre Passagier*innen verdrängten die ehemals hier lebenden Höhlenmenschen und bildeten den Ausgangspunkt unserer heutigen Zivilisation.

Die übrigen Bewohner*innen von Golgafrincham starben in der Folge an einer Seuche, die sich aufgrund der nicht desinfizierten Telefone verbreitete. An diese, wenn auch nur fiktive, Begebenheit muss ich jedes Mal denken, wenn ich mein Smartphone aus der Tasche ziehe. Klar, das Ding fasse nur ich an, nicht unzählige fremde Leute, weil es ja nicht festinstalliert in einer öffentlichen Telefonzelle hängt. Dennoch nehme ich es in allen möglichen Situationen in die Hand, in denen ich vorher vielleicht auch Türklinken, Haltestangen, Treppengeländer oder Verpackungen angefasst habe. Keime und Viren schmiere ich also lustig von einem Gegenstand auf den anderen. Coronaviren – nicht nur die neuartigen – freuen sich.

Ich desinfiziere jetzt also regelmäßig mein Telefon und sehe das als eine gewisse Form der Huldigung an den großartigen Autor des Anhalters. Wie schnell so ein Klassiker doch wieder an Aktualität gewinnt! Das gilt zweifelsohne auch für den guten Rat „Don’t panic!„.

Ansonsten ist der Stand der Dinge wie folgt: Das Aachener Welthaus ist für alle Aktivitäten mit Publikumsverkehr geschlossen. Die bei uns ansässigen Gruppen dürfen, wenn nötig, zwar in ihren Räumen arbeiten, aber alle Veranstaltungen, Sitzungen, Treffen und Sprechstunden müssen ausfallen. Wir alle sind es uns selbst und den Anderen schuldig, die Verbreitung von SARS-CoV-2 zu bremsen. Dass es 60 bis 80% von uns über kurz oder lang irgendwan einmal erwischen wird, ist unausweichlich und sogar sinnvoll, weil nur so eine Grundimmunisierung der Bevölkerung erreicht wird. Nur dann kann die Infektionswelle gestoppt werden, solange es keinen Impfstoff gibt. Wir müssen „nur“ verhindern, dass die am stärksten gefährdeten Menschen zu diesen 60 bis 80% gehören. Also Alte, Vorerkrankte, Immungeschwächte und ihre direkten Bezugspersonen sind zu schonen. Und die Ausbreitung darf nicht zu schnell gehen, denn wenn zu viele Menschen gleichzeitig an schweren Verläufen von Covid-19 erkranken, sind Italienische Zustände und das Problem der Triage nicht mehr weit.

Dafür sind wir alle in der Pflicht, Abstand zueinander zu halten und möglichst alle Sozialkontakte in Innenräumen auf das Allernötigste zu beschränken. Und selbstverständlich immer schön das Telefon desinfizieren! sonst sind wir bald ausgerottet, genau wie die unseeligen Einwohner*innen von Golgafrincham.

6 Gedanken zu “Ein Hoch auf die Telefondesinfizierer(*innen)!

  1. fundevogelnest sagt:

    Du ahnst nicht wieviel Lebenszeit ich schon damit verbracht habe, Eltern unserer Patienten im Kinderkrankenhaus dazu anzuhalten ihre Smartphones zu desinfizieren bevor sie ihre frühgeborenen oder kranken Kinder besuchen — ich glaube mindestens die Hälfte davon hält einen für bekloppt.

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  2. kommunikatz sagt:

    Doch, ich kanns mir vorstellen. Schon erstaunlich, wie schwer solche logischen Kleinigkeiten für wie viele Menschen zu sein scheinen. Dass sie es nicht von sich aus tun oder es ausnahmsweise einmal vergessen, ist ja noch verzeihlich, aber dass sie den Sinn nicht verstehen oder einsehen, wenn mensch es ihnen erklärt, tut schon weh.

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  3. Tom sagt:

    Ich hab noch nie so viele Menschen mit Waschzwang gesehen wie jetzt. Die einzigen Kranken, die ich hier erlebe – abgesehen von den HP-Süchtigen! Manche packen sich auch ganz in Plastik ein. HP abkochen, das ist am sichersten!

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