Die Einschläge kommen näher

Die Frage ist mal wieder virulent: Heißt es eigentlich „der Virus“ oder „das Virus“? Laut Duden geht Beides und da ich ja grammatikalische Geschlechter problematisch finde, nehme ich hier gerne das am besten zum Charakter eines Virus passende Neutrum.

Das neuartige Coronavirus also – Coronaviren an sich gibt es ja schon Reihenweise – es sorgt für Hamsterkäufe und scheint schon die halbe Bevölkerung in Panik versetzt zu haben. Dabei gelten genau die gleichen Hygiene- und Verhaltensregeln wie in jeder Erkältungs- und Grippesaison. Händewaschen,nachdem mensch öffentliche Verkehrsmittel benutzt, Gegenstände angefasst oder jemanden per Handschlag begrüßt hat – Letzteres sowie Umarmungen etc. sollten wir in nächster Zeit wohl besser ganz vermeiden. Mundschutz und Atemmasken bringen, wie ich höre, eher wenig. Wenn überhaupt, sollten Infizierte sie tragen, um niemanden anzustecken. Wer noch nicht infiziert ist, verhindert es dadurch auch nicht. Abstand zu Menschen halten scheint der einzig effektive Schutz zu sein – also in Zukunft doch lieber wieder zur Arbeit laufen statt den Bus zu nehmen.

Vor ein paar Tagen dachte ich noch, all das Drama ist weit genug von mir entfernt. Dann kamen die Nachrichten über das auf unklarem Weg infizierte Ehepaar aus Erkelenz im Kreis Heinsberg und die Gefahr weiterer auf einer Karnevalssitzung im benachbarten Gangelt oder in dem Kindergarten, wo die Frau arbeitete, infizierter Personen – nach aktuellem Stand sind es immerhin schon mehrere Karnevalist*innen und vier Kinder. Inzwischen gibt es zwei Fälle in der Städteregion Aachen, genau gesagt in Würselen, und einen Fall in der Stadt Aachen. Bei dem Aachener Fall handelt es sich um eine Frau aus Gangelt, die aus anderen Gründen in einem Krankenhaus behandelt wurde und dort wohl entsprechende Symptome entwickelte. Sie ist nun isoliert. So weit, so gut. Das Krankenhaus, in dem die Frau sich befindet, ist weniger als einen Kilometer von meinem Zuhause entfernt, es liegt, wenn ich den Bus nehme, genau auf halber Strecke zu meinem Arbeitsplatz. Die Frau selbst, das Krankenhauspersonal oder Leute, die sie vor ihrer Isolation im Krankenhaus besuchten, könnten gut irgendwann im Laufe der letzten Wochen neben mir im Bus gesessen haben. Ich fühle mich gesund, vielleicht hat der Haufen einen Bus früher oder später genommen – ich fahre nicht zu den Stoßzeiten und normalerweise ist mein Bus relativ leer.

Trotzdem fühlt sich das Ganze schon ganz schön bedrohlich an. In Panik verfalle ich nicht, aber Schutzmaßnahmen halte ich definitiv – nicht nur für mich als Angehörige einer Risikogruppe – für angebracht. Ich meide Menschenansammlungen, gebe niemandem mehr die Hand und lehne Umarmungen und andere körperliche Nähe ab. Obwohl meine Hautärztin mich kürzlich noch wegen meiner trockenen Hände rüffelte, ich solle diese nicht so oft waschen – gerade jetzt werde ich von dieser Routine ganz sicher nicht abweichen. Mein Immunsystem hat in den letzten Monaten ziemlich gelitten und ich möchte es nicht ausgerechnet jetzt mit so einem Hammer konfrontieren. Ich las, dass Frauen sich mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit infizieren als Männer und dass das möglicherweise dadurch erklärbar sei, dass Frauen meist ein stärkeres Immunsystem hätten. Supi, dieser Vorteil qua Geschlecht betrifft mich wohl nicht… Stärken darf ich mein Immunsystem wegen meiner Autoimmunerkrankung auch nicht – das könnte MS-Schübe triggern.

Das Nachvollziehen der Infektionsketten, Ausfindigmachen und Testen von Kontaktpersonen scheint bisher ja recht gut zu funktionieren. Sorgen macht mir nur das Verhalten der nicht in diesem Raster erfassten Menschen – wie beispielsweise des Paares aus Erkelenz – während der Inkubationszeit. wenn diese, wie allgemein kolportiert, zwei wochen beträgt, haben infizierte Personen viel Zeit, vor dem Auftreten erster Symptome und bevor sie überhaupt von ihrer Infektion wissen, am öffentlichen Leben teilzunehmen und das Virus unkontrolliert weiterzuverbreiten. Ich las aber auch schon, dass die Inkubationszeit möglicherweise länger sein kann – also noch mehr Zeit. Angesichts der Tatsache, dass den Berichten zufolge rund 80% der Infektionen nur zu leichten Symptomen führen, ist auch bei einem Ausbruch der Krankheit nicht garantiert, dass Menschen aufmerksam genug sind, sich sofort aus freien Stücken in Quarantäne zu begeben. Und angeblich sind manche Infizierten ja sogar völlig symptomfrei – verbreiten können sie die Krankheit aber trotzdem. Das sind für mich die Unwägbarkeiten und Angstfaktoren, auch wenn ich eben hoffe, mich durch die genannten Maßnahmen ausreichend schützen zu können.

Einen Vorteil hat es: Vielleicht komme ich endlich mal wieder mehr zum Schreiben, wenn ich jetzt mehr zu Hause sitze. Und vielleicht sorgt der Ausnahmezustand für einen etwas pfleglicheren, rücksichtsvolleren und geduldigeren, kurz gesagt einen positiveren und bestärkenderen Umgang innerhalb meiner Bezugsgruppe.

5 Gedanken zu “Die Einschläge kommen näher

  1. kommunikatz sagt:

    Heute Morgen war ich Dank Unausgeschlafenheit und knapper Zeit viel zu kaputt und wackelig, um wirklich zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Und wie zum Hohn war natürlich heute der Bus recht voll und der mir gegenübersitzende Herr laberte dauernd auf mich ein – na herzlichen Glückwunsch. Aber naja, vermutlich ist es jetzt sicherer als vor zwei Wochen, weil jetzt alle etwas aufmerksamer sind und die wirklich gefährdeten Personen dank Kontaktermittlung aus dem Verkehr gezogen sein dürften – so hofft mensch jedenfalls…
    Das Café Mundo im Welthaus bekommt jetzt von mir mal gleich seine eigene Flasche Sterilium – hatte ich schon vor dem Corona-Drama besorgt, jetzt hat es richtig Sinn.

    Liken

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