Sonne und Wind – eine abc.Etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

Schon seit dem letzten Sommer überspannte Mirkos Sonnensegel die Terasse. Längst war die kunstvolle Bemalung vom Wetter gebleicht und der Schriftzug „SUN“ sowie die gelbe Strahlesonne wirkten nun, im stürmisch-grauen Februar, beinahe höhnisch. Ein Freund hatte sich mit diesem und einem weiteren Segel für eine Klimaschutz-Demo viel Mühe gegeben. Das Zweite, zum Glück sicher verstaute Segel zierte eine Windturbine und das Wort „WIND“.

Nora fand es unfair, dass der Freund bei jedem Besuch mit ansehen musste, wie sein Kunstwerk immer mehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hin und wieder merkte sie vorsichtig an, dass Mirko das Segel sicherheitshalber abnehmen solle, damit es nicht kaputtging. Er hingegen fühlte sich nur gemaßregelt und kümmerte sich erst Recht nicht. Inzwischen reichte ein Blick aus dem Fenster, um Noras Laune nachhaltig zu ruinieren.

Mirko, eingemummelt auf dem Sofa sitzend, entging Noras frustrierter Gesichtsausdruck nicht. „Lass mich bloß mit dem scheiß Segel in Ruhe, ich habe Grippe!“ Jammerte er. Nora atmete deutlich hörbar aus. „Erzähl keinen Schwachsinn, das ist ein popeliger Schnupfen“. „Du bist gemein, es geht mir echt dreckig!“ „Wie es mir geht, interessiertkeine Sau“, schnaubte Nora. Das Segel, auf dem von unten nur „NUS“ zu lesen war, zerrte derweil im auffrischenden Wind am altersschwachen Kirschbaum, der eine seiner Ecken spannte. „Ich rede seit Monaten auf dich ein, wie auf eine tote Kuh, aber du wartest lieber, bis der Baum umfällt, oder was?“

Er verstand Noras Negativität nicht. Wieso konnte die dumme Nuss ihn nicht umsorgen, ihm Tee kochen, ihn einfach mal knuddeln? „Deine Nörgelei macht mich krank“, entfuhr es Mirko im quengeligsten Tonfall aus sseinem Repertoir. „Jetzt bin ich auch noch Schuld an deiner verdammten Männergrippe?“ blaffte Nora ihn an. Immer schaffte er es, sich zum Opfer zu erklären und Anderen die Verantwortung zuzuschieben. Dabei hatte sie doch extra nichts gesagt.

Dieser Text ist meine erste abc.Etüde. Es galt, die Wörter „Grippe“, „gebleicht“ und „knuddeln“ in einen maximal 300 Wörter umfassenden Text zu gießen Hier lest Ihr, was es damit auf sich hat.

Vielen Dank an die abc-etüden-Erfinderin Christiane für die tolle Inspiration und Alice für die Wörterspende! Ich gebs ja zu, ich schreibe nur mit, weil ich auch mal Wörter spenden will 😉

PS: Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen oder Gegenständen sind selbstverständlich kein Zufall sondern eine reine Frage von Inspiration.

5 Gedanken zu “Sonne und Wind – eine abc.Etüde (3 Begriffe in maximal 300 Wörtern)

  1. fundevogelnest sagt:

    Man kann es sich lebhaft vorstellen 🙂
    Sie werden merken- Etüden schreiben macht süchtig!
    Ps: Kann es sein, dass die Verlinkung zur Schreibeinladung (also nicht auf Christianes Blog allgemein) nicht geklappt hat? Ice dann wäre hier mehr Resonanz. Sonst einfach einen kleinen Kommentar bei Christiane hinterlassen. Dann läuft das schon.
    Gruß
    Natalie

    Gefällt 2 Personen

    1. kommunikatz sagt:

      Liebe Natalie,
      danke für den Hinweis. Eigentlich habe ich den Aufruf verlinkt, aber ich checke mal, ob da etwas schiefgelaufen ist. Ich hätte gestern auch gern sofort weitergeschrieben, aber neue Wörter gibts ja erst nächste Woche 🙂 Auch wenn ich krass kürzen musste, um unter den 300 Wörtern zu bleiben – es macht wirklich Spaß und dementsprechend besteht Suchtgefahr 🙂
      liebe Grüße
      Lea

      Gefällt 1 Person

  2. Christiane sagt:

    Da bin ich! 🙂
    Hi Lea, herzlich willkommen bei den Etüdenverrückten! Natürlich kannst du weiterschreiben – du musst nur bis zum Ende der Woche noch diese Wörter nutzen. Viele schreiben in dem Zeitraum mehr als eine Etüde, es ist halt eine Frage der Zeit und der Einfälle … Und um auf die Liste der potenziellen Wortspender zu kommen, musst du mindestens zwei Etüden pro „Saison“ geschrieben haben und dann meine Frage, ob du Wortspender werden möchtest, kräftig bejahen – dann speichere ich mir nämlich deinen Namen bzw. die Mailadresse, vorher nicht, DSGVO sei Dank 😦 😉
    Hör mal, dein Protagonist, das ist aber auch ein ziemlicher Totalausfall, oder? Oder haben die beiden „nur“ ein massives Kommunikationsproblem?
    Vergnügte Grüße
    Christiane nach dem Sturm 😀
    PS: Ja, es ist ein Virus, der sogenannte Etüden-Virus. Definitiv …

    Gefällt 1 Person

    1. kommunikatz sagt:

      Hallo Christiane,
      ja, mit dem Etüdenvirus bin ich definitiv infiziert 🙂 Besser als Grippe auf jeden Fall.
      Du darfst mich sehr gern als Wortspenderin speichern. Spätestens bei den nächsten Wörtern schreibe ich wieder mit. Zu den aktuellen fällt mir nicht mehr so viel ein und ich habe bis Ende der Woche auch nicht mehr genug Zeit, um meinem Perfektionismus zu fröhnen.
      Och, Nora und Mirko haben in erster Linie ein fettes Kommunikations- und allgemeines Frustproblem. Besonders geschickt verhalten sich ja Beide nicht und ich schreibe das mit der Ähnlichkeit zu real existierenden Personen nicht ohne Grund – ich kenne solche verkorksten Situationen sehr gut von innen und weiß, wie sehr Kommunikation schiefgehen kann, obwohl alle Beteiligten noch so gut Bescheid wissen und noch so edle Absichten und Ziele haben…
      liebe Grüße
      Lea

      Gefällt 1 Person

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