So fühlen sich Bäume an!

Seit einer gefühlten Ewigkeit bin ich Mitglied im Texttreff, einem Netzwerk von Texterinnen, Autorinnen, Journalistinnen, Übersetzerinnen,… also Frauen in den unterschiedlichsten Textberufen. Dieses Jahr habe ich mich endlich durchgerungen, am alljährlichen Blogwichteln teilzunehmen – dabei habe ich gleich einen richtigen Glücksgriff getan und eine ganz tolle textine, wie wir uns gegenseitig nennen, als Bereicherung für mein Blog zugelost bekommen.

Im Folgenden lest Ihr also einen Gastbeitrag von Silke Bicker, die sich zu Beginn ihres Artikels auch gleich selbst vorstellt:

Lea zog mich als Blogwichtel beim Netzwerk wortstarker Frauen. Dort nehmen wir beide daran teil und schenken dem zugelosten Blogwichtel einen Beitrag. Mein Name ist Silke Bicker, ich stehe freiberuflich auf zwei Standbeinen. Als Kommunikationsberaterin entwickel ich zusammen mit und für Dienstleistern ein maßgeschneidertes PR-Konzept und berate sie so, dass sie es am Ende selbst umsetzen können. Als naturpädagogisch versierte Autorin schreibe ich zu Landschaftsnutzung, Naturerlebnispädagogik und Umwelt für Unternehmen und Kommunen.

Bäume wahrnehmen und wiedererkennen

Im Winter gibt es in der Natur viel zu entdecken. In Bezug auf das Leben von kleinen Tieren, wie Eichhörnchen, Singvögeln und sogar Larven von Spinnen und Insekten sogar manchmal mehr als im Sommer. Das gilt auch für einige Lebewesen, die ihnen Verstecke und Nahrung bieten: Bäume und Sträucher. Im Winter tragen die meisten Laubbäume keine Blätter mehr. So sieht man ihren Wuchs, die Rinde auf Stamm und Ästen gut. Das gilt für Sehende wie für Blinde gleichermaßen. Denn die Rinde jedes Baumes ist speziell. Man kann ihn daran ebenso wie an seinem Wuchs sowie im Herbst an seinen Früchten und im Sommer an der Form seiner Blätter erkennen. Es gibt immer mehrere Hinweise, ob nun eine Birke oder eine Felsenbirne vor einem steht. Und ja, die zwei sind wirklich – für die Sehenden – einfach zu unterscheiden!

Übung: Baum ertasten in Dreiergruppen
Materialien: 1 Augenbinde (Tuch oder Schal) pro Team, ggf. Naturführer Bäume oder passende App.
Ort: Park mit dichter zusammenstehenden Bäumen, Wald, Waldrand oder ruhige Grünzone mit verschiedenen Bäumen

Es ist eine Übung, die ich als aktive Naturerlebnispädagogin gerne durchführte und ja, auch mit Tandems je einen Sehenden und Blinden. Für letztere ist vieles normal. Für die Sehenden bedeutet die Übung Kontrollverlust und Vertrauen aufzubauen.
Wenn ihr diese Übung ausprobiert, empfehle ich sie zu dritt auszuüben: Zwei Sehende und ein Blinder oder mehrere Blinde, die sich im Wald gut zurechtfinden.

In der Gruppe bilden sich Dreierteams – 2 Sehende, 1 Blinde/r. Jedes Team erhält ein Tuch, um die Augen jeweils eins der Sehenden zu verbinden. Der zweite Sehende sucht sich einen Baum aus, den die beiden Nicht-Sehenden untersuchen sollen, und führt sie beide zu ihm. Er achtet darauf, dass sie nicht hinfallen können. Dieser Sehende kann auch ein Kind sein, es kann diese Verantwortung tragen und wird daran innerlich wachsen. Diese Person kann die Blinden einzeln oder zusammen zu dem ausgesuchten Baum führen. Das kommt darauf an, wie viel sie sich zutraut und wie mobil die beiden zu Führenden sind.
Wenn das Team vor dem Baum steht, tasten die blinden Personen nacheinander ohne zu sprechen den Baum ab, schnuppern an ihm und umarmen den Stamm. So, dass derjenige mit den verbundenen Augen meint, ihn später sehend wieder finden zu können. Die sehende Person führt die beiden jetzt wieder zum Ausgangspunkt zurück, auf „verschlungenen“ Wegen ?? Das Tuch wird von den Augen entfernt und der „Jetzt-wieder-Sehende“ versucht den Baum zu finden. Die echt blinde Person unterstützt ihn dabei so gut wie möglich.
Was sich kompliziert liest, ist eigentlich ganz einfach. Und es passieren oft kleine Herausforderungen für den blinden Sehenden ebenso wie beim Wiederfinden des ertasteten Baumes.

Ach, und was sehr schön ist: Gebt euren Bäumen Namen: Ob Susi oder Langer Lulatsch. Der Hit ist, übrigens bei Kindern und Erwachsenen: man erinnert sich an sie, wenn man mal wieder in der Nähe ist! Und, wer jetzt mit den Augen rollt – ja, es ist ein Spiel für Kinder. Die mögen sowas als Abschluss der beschriebenen Übung. Aber auch Erwachsene können Bäume umarmen und ihnen Namen geben. Probiert es ruhig mal aus!

Baumleben erlauschen

Je nachdem, wie kalt oder warm es draußen ist, können auch Sitzkissen mitgebracht werden. Gerade im Winter hört man viele Tiere besser. Und Sehende sehen etliche natürlich aufgrund des fehlenden Laubes. Aber sie können sich ja mal mit geschlossenen Augen an einen Baum lehnen und lauschen. Ebenso, wie die Blinden. Wen hört ihr? Die Amsel, die sich den Schnabel am Ast wetzt? Tschilpende Spatzen, die sich viel zu erzählen haben? Keckernde Eichhörnchen? Sanftes Geraschel in den Zweigen? So eine Lauschaktion hat etwas Beruhigendes. Und danach könnt ihr euch austauschen, denn die Blinden haben bestimmt noch viel mehr wahrgenommen!

Mehr von und über Silke Bicker findet Ihr auf ihrer Homepage.

Meinen eigenen Blogwichtelbeitrag, mit dem ich den Autorenexpress der großartigen Nessa Altura bereichern durfte, lest Ihr hier in Nessas Blog.

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