Gesundheit – ein Blogparadenbeitrag

Artur Thomalla ruft zur Gesundheits-Blogparade auf. Da mache ich doch auch mal mit, denn ganz aus Versehen oder Zufall ist mein Blog ein bisschen zur Gesundheits-Plattform geworden.

Erst veröffentlichte ich meine noch immer auf Wiedervorlage liegende Artikelreihe zu medizinischem Cannabis und schrieb auch ansonsten immer wieder über meine MS-Erkrankung, dann startete ich meinen ayurvedischen Selbstversuch, mit dem ich meine Schlafstörungen bekämpfen wollte. Momentan kümmere ich mich mit Hilfe einer Psychotherapeutin und des Antistresspakets meines lieben Bloggerkollegen Markus von einfachmeditieren.net um meine psychische Gesundheit und mein Stressmanagement. Auf seine Webseite stieß ich im Mai 2019 durch meine Blogparade zu Entspannungsstrategien und Stressbewältigung. Über meine Blindheit schreibe ich auch oft, allerdings ist das keine Krankheit sondern eine Behinderung, deren nie geklärte Ursache bloß möglicherweise eine schon vor meiner Geburt ausgeheilte Erkrankung war. Auch die MS werde ich nie besiegen, da es sich um eine unheilbare, chronische Krankheit handelt. Es geht daher hier, anders als im Aufruf zur Parade vorgeschlagen, nicht um die Überwindung einer bestimmten Erkrankung, sondern eher um den Umgang mit Krankheit im Allgemeinen.

Eigentlich habe ich gar keine Übung im Kranksein. Ich will immer funktionieren und möglichst alles schaffen, was Menschen ohne chronische Krankheit oder Behinderung tun. Solange mir meine Psyche und mein Schlafrhythmus dabei keinen Strich durch die Rechnung machen, klappt das normalerweise auch. Fieber habe ich annähernd nie, den letzten Magen-Darm-Infekt hatte ich vor 20 Jahren. Ein oder zwei Erkältungen pro Jahr – damit hat es sich meistens, was Standard-Krankheiten anbelangt. Meine Schilddrüsenunterfunktion habe ich durch die Substitution von Schilddrüsenhormonen gut im Griff, außerdem nehme ich Vitamin B12, Vitamin D und Eisen, wenn ich da mal wieder in einen Mangel rutsche. Um das zu überwachen, lasse ich einmal im Jahr ein ausführliches Blutbild machen – damit behalte ich den Überblick und bekomme mit, ob mir etwas fehlt.

Ich gehöre zu den Menschen, die bei Erkältungen und Dergleichen auf das eigene Immunsystem vertrauen und keine Medikamente nehmen. Der alte Spruch stimmt einfach: Mit Medikamenten dauert eine Erkältung zwei Wochen, ohne Medikamente dauert sie 14 Tage. Erkältungsmedikamente bringen nichts, betäuben höchstens Symptome und sorgen so dafür, dass mensch sich nicht ausreichend schont und dem Körper keine Gelegenheit zur Selbstheilung gibt. Wachsen sich Husten und Schnupfen mal zum echten grippalen Infekt aus, handhabe ich es genauso, nur dass dann mehr lindernde Helferlein zum Einsatz kommen. Tee aus Salbei und Ingwer mit viel Honig, Dampfbäder zum Inhalieren und vielleicht mal eine Salbe mit Ätherischen Ölen, außerdem Hustenbonbons zum Lutschen und viel Ruhe, das wars. Den Rest macht der Körper ganz von alein.

Vielleicht ist mein Immunsystem wirklich ein bisschen hyperaktiv. In Bezug auf die MS, die auf Angriffen des Immunsystems gegen die Isolierschichten der eigenen Nervenbahnen beruht, wird mir das gelegentlich zum Fallstrick. Ansonsten ist die körpereigene Abwehr sehr hilfreich, denn sie verteidigt mich offenbar effektiv gegen alle viralen und bakteriellen Eindringlinge. Bakterielle Entzündungen scheint sie nicht ganz so gut im Griff zu haben – zwei Kehlkopfentzündungen und mehrere Gehörgangsentzündungen in den letzten zehn Jahren waren ganz schön ätzend. Die Gehörgangsentzündungen hatte ich mir durch falsche Ohrenpflege und regelmäßiges Schwimmen in gechlortem Schwimmhallenwasser aber selbst eingebrockt. Da ich inzwischen um meine Fehler weiß, kann ich diese seither vermeiden und habe schon lange wieder kontinuierlich gesunde Ohren.

Seit einigen Jahren lasse ich mich gegen Grippe und seit Neuestem auch gegen Lungenentzündung impfen. Früher, als Freiberuflerin im Homeoffice, hatte ich so wenig Kontakt zu anderen Menschen, dass ich eine Impfung unnötig fand. Heute, wo ich regelmäßig Bus fahre und im Welthaus täglich auf die unterschiedlichsten Leute treffe, fühle ich mich als Angehörige der Risikogruppe der chronisch Kranken mit einer solchen Impfung einfach sicherer. Auch dass mein Partner und andere enge Bezugspersonen geimpft sind, ist mir unter dem Aspekt des Herdenschutzes wichtig. Weder ich noch jemand Anderes soll Personen anstecken, die sich selbst aus irgendeinem Grund nicht impfen lassen können. Ihr könnt Euch denken, dass ich auch ansonsten einen vollständigen Impfschutz gegen alle üblichen Krankheiten habe und diesen penibel aktuell halte.

Das, was ich nie loswerden werde, also die MS und die Blindheit, kann ich nur managen. Die Blindheit ist dabei unproblematisch, denn sie ist konstant und ich gleiche sie so weit wie möglich durch den Einsatz diverser Hilfsmittel aus. Ich nutze den Langstock, meine Führhündin und am Computer Braillezeile, Sprachausgabe und Scanner. Neben ein paar weiteren kleinen Alltagshelfern und einem gewissen Assistenzbedarf bei manchen Verrichtungen war es das auch schon. Die MS ist veränderlicher und unberechenbarer. Neben einem Medikament, das ich zur Herabsetzung der Schubhäufigkeit einmal wöchentlich intramuskulär spritze, meiner Selbstbehandlung mit Cannabis und Stoßtherapien mit Cortison bei akuten Schüben kann ich auch hier nur Symptome managen. Das heißt, im Sommer bei warmen Temperaturen muss ich mir wegen Erschöpfung, geminderter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit umso mehr Assistenz für jeden Kleinkram suchen und die Anforderungen an mich selbst massiv zurückschrauben. Ich muss darauf achten, mir generell nicht zu viel zuzumuten, mir Pausen zu gönnen und mein Stresslevel niedrig zu halten.

Ich versuche bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit, achtsam und rücksichtsvoll mit mir selbst umzugehen, oftmals gegen unbeabsichtigte Widerstände und Hürden aus meinem Umfeld. Es ist nach jedem Rückschlag wieder schwer zu akzeptieren, dass ich neu aufbauen muss, was ich sowohl körperlich als auch psychisch seit dem letzten Schub erst wieder mühsam aufgebaut und dann durch den neuen Schub schlagartig abgebaut habe. Aber so ist es nuneinmal mit einer schubförmig verlaufenden Krankheit – mensch weiß nie, was als Nächstes kommt, und vor allem, was davon bleibt. Bisher sind meine Einschränkungen durch konkrete MS-Schübe bis auf ein Gleichgewichtsproblem alle wieder weitestgehend verschwunden. Das kann aber mit jedem neuen Schub anders sein, denn irgendwann fangen die Läsionen in den Myelinschichten der Nervenbahnen doch an, die Leitfähigkeit der Nerven zu sehr zu beeinträchtigen und führen dann zu bleibenden, neurologischen Schäden. Diese Schäden können alles betreffen, wofür Nervensignale gebraucht werden, also wirklich absolut alles, was im menschlichen Körper passiert.

Ob ich irgendwann motorisch, sensorisch, kognitiv oder in meiner körperlichen Belastbarkeit weitere Abstriche machen muss, weiß ich nicht. Dass ich Abstriche machen müssen werde, ist aber klar. Ich werde mich überaschen lassen, was mich wann und in welcher Reihenfolge heimsucht – mehr kann ich nicht tun. Der größte Fehler, den ich machen könnte, wäre, eine ständige Angst vor dem nächsten Schub und konkreten Symptomen zu entwickeln. Auch, wenn mir klar ist, wie unkalkulierbar meine Krankheit mich beeinflussen kann, hat es keinen Sinn, darüber zu spekulieren und sich über ungelegte Eier zu ängstigen. Glücklicherweise habe ich mir eine gewisse Gleichgültigkeit und einen gesunden Fatalismus angeeignet. Irgendwas wird kommen, irgendwas wird schiefgehen, aber solange ich darüber nichts Näheres weiß, mache ich mich nicht verrückt.

Schon in der Schule habe ich, wenn die Klassenarbeit einmal geschrieben und abgegeben war, nicht mehr über den Inhalt und die resultierende Benotung spekuliert. Mein Einfluss war vorbei, ich hatte alles getan, was ich konnte, jetzt waren Andere am Zug und ich brauchte mir keine Sorgen mehr zu machen. So gehe ich auch mit den unplanbaren Folgen der MS um. Ich habe darauf keinen Einfluss, also mache ich mich auch nicht jeck, wie wir in Aachen sagen. Diesen Rat gebe ich allen Menschen mit ähnlich unberechenbaren Krankheiten und eigentlich allen Menschen, deren Leben nicht immer planbar ist: Lasst Euch durch zukünftige Ereignisse, die Ihr weder vorhersehen noch steuern könnt, nicht aus der Ruhe bringen. Gelassenheit und Ruhe sind für Euer Wohlbefinden so wichtig, dass Ihr sie niemals durch Dinge gefährden lassen dürft, die Ihr nicht in der Hand habt. Sonst macht Ihr Euch durch den inneren Stress, den solche Ängste auslösen, nur kranker, als Ihr seid, denn Ihr fühlt Euch schlechter und Stress beeinträchtigt die Fähigkeit Eures Körpers, seine eigenen Abwehrkräfte zu aktivieren. Das hilft niemandem – nicht Euch selbst und auch nicht Denjenigen, für die Ihr verantwortlich seid und da sein wolt.

3 Gedanken zu “Gesundheit – ein Blogparadenbeitrag

  1. kommunikatz sagt:

    Boah, ich hätte nicht so jubeln sollen. Erstens begann das Jahr 2020 für mich mit dem Anflug einer Lungenentzündung – mehr dazu im Beitrag „2019 – gut, dass es vorbei ist“ und den Kommentaren darunter. Und zweitens bekomme ich gerade mit voller Breitseite meine familiäre Disposition für Bindegewebsschwäche zu spüren: Hämorrhoiden – aua 😦 Ich schmiere jetzt meinen Hintern mit entsprechender Salbe ein und merke auch schon eine gewisse Linderung, aber ehrlich gesagt wäre ich jetzt langsam mal froh über etwas Entspannung an der Gesundheitsfront.

    Liken

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