Uuups Aquensis – Was wäre, wenn unter dem Aachener Dom Braunkohle läge?

IMG_4791Am Samstag, dem 14. Dezember 2019 protestiert die Aachener Klimaschutzbewegung mit einer szenischen Aktion gegen die Haltung der katholischen Kirche zum Braunkohleabbau im Rheinischen Revier. Ab 10:45 Uhr wird auf dem Aachener Münsterplatz am Spatzenbrunnen, Spitzgässchen am Domhof, gegenüber der Ungarnkapelle des Aachener Domes die Gleichgültigkeit des Bistums zu Kirchenentweihungen und -abrissen in den von Umsiedlung bedrohten Dörfern aufs Korn genommen. Initiiert wurde die Aktion von der Aachener „Hambi Support-Gruppe.

Die Performance soll auf das Verhalten des Aachener Bistums aufmerksam machen, das in eklatantem Widerspruch zur päpstlichen Enzyklika „Laudato si“ aus dem Jahre 2015 steht: Was wäre, wenn Braunkohle unter dem Aachener Dom läge und dieser für die Profitinteressen von RWE weichen müsste? Dieses Szenario wird durchgespielt, um die moralische Fragwürdigkeit des Verhaltens der katholischen Amtsträger zu verdeutlichen. So wird eine fiktive Erklärung des Aachener Bischofs Helmut Dieser verlesen und das Lied „Urbs Aquensis“ in einer neuen Textfassung zum Vortrag gebracht. Da der Braunkohletagebau auch vor den Verstorbenen nicht Halt macht, wird außerdem die Umbettung Karls des Großen in Szene gesetzt, wobei Überraschungen nicht ausgeschlossen sind …

IMG_4779Das rheinische Braunkohlerevier ist der größte Emittent von Treibhausgasen in Europa und trägt dadurch massiv zur menschengemachten Klimazerstörung bei. Die zuständigen Kirchengremien, insbesondere das Bistum Aachen, unterstützen diese Zerstörung durch die leichtfertige Entwidmung von Kirchengebäuden in den Dörfern, die dem Braunkohleabbau im Weg stehen. Würden sie die Entwidmung verweigern, hätte RWE größte Schwierigkeiten, diese Kirchen – teilweise bedeutende Baudenkmäler – zu zerstören. „Die katholische Kirche wäre diesen Akt der Courage nicht nur der Schöpfung im globalen Sinne schuldig, sondern auch den dörflichen Gemeinschaften, die durch Zwangsumsiedlung massiv beeinträchtigt oder zerstört werden“, kommentiert Hambi-Supporter Rüdiger Haude.

IMG_4840„Aber die Kirche lässt ihre Gemeinden vor die Hunde gehen und kassiert lieber ein paar Millionen als „Kaufpreis“ für die Gotteshäuser von dem Kohlekonzern“, ergänzt eine weitere Teilnehmerin der Aktion. Die Zertrümmerung des „Immerather Doms“ Anfang 2018 ist den Menschen der Region noch in trauriger Erinnerung. Als eines der nächsten Gotteshäuser soll – neben den beim Hambacher Tagebau liegenden Kirchen von Manheim und Morschenich – unter anderem die neogotische Kirche in Erkelenz-Keyenberg ‚dran glauben‘. Erst vor wenigen Tagen ging das unwürdige Benehmen der dortigen Kirchenleitung gegenüber ihrer altgedienten Küsterin durch die Presse: Diese hatte das Gebäude einigen Klimaschützer*innen geöffnet; daraufhin wurde ihr, wenige Wochen vor ihrem Ruhestand, der Kirchenschlüssel abgenommen. „Es ist völlig rätselhaft, was ein solches Verhalten mit der biblischen Botschaft oder mit der Umweltethik des gegenwärtigen Papstes zu tun haben soll!“, ärgert sich Rüdiger Haude.

IMG_4818Mit einem Infostand begleiten die Aktiven ihre Aktion, um Passantinnen und Passanten über den Hintergrund des Protests zu informieren. Hier stehen sie auch Medienvertreter*innen gerne Rede und Antwort.

 

Ein Video der absolut gelungenen und toll durchgeführten Aktion gibt es hier.

 

Mehr Fotos sind hier zu finden.

 

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