Ayurveda VII – mehr on- und offtopic-Gedanken zur Indischen Heilkunst

Endlich geht es weiter. Mein Wiedersehen mit der Heilpraktikerin ist schon wieder ein paar Tage her und auch meinen Neurologen konnte ich endlich zu Aswagandha interviewn. Das ayurvedische Mittel, das mir eigentlich beim Schlafen helfen sollte, steht ja im Verdacht, das Immunsystem zu triggern, was angesichts meiner MS-Erkrankung keine gute Idee wäre.

Genau so sah es auch mein Neurologe. Die bisherige Studienlage ist aus seiner Sicht zu dünn, so dass er sich über die Wirkung aufs Immunsystem zu unsicher ist. Er riet mir daher von der Einnahme der Tabletten ab. Daran halte ich mich gerne, schließlich strebe ich Verbesserungen meines Zustands an und keine weiteren MS-Schübe.

„Verbesserung“ ist aber ein gutes Stichwort. Ja, mein Schlaf verbessert sich zunehmend, ich träume beinahe wieder jede Nacht und wache nur noch selten Stunden vor meinem Wecker auf. Wenn ich mal mitten in der Nacht wach werde, weil meine Blase, mein Partner oder die Hunde mich wecken, ist das anschließende Einschlafen nach wie vor oft schwierig, aber längst nicht mehr so aussichtslos wie noch vor ein paar Monaten. Mit Ayurveda hat das allerdings wahrscheinlich nur indirekt zu tun. Während meine Heilpraktikerin in Indien ihre Eltern besuchte und sich weiterbildete, habe ich in Absprache mit ihr keine neuen Mittel eingenommen, nur weiter auf einige der Ernährungsvorschriften geachtet, die mir ohnehin zur Routine geworden waren oder die eher meinem Streben nach Veganismus geschuldet sind.

Was mir sehr hilft, ist eine kleine Kanne Johanniskraut-Tee vor dem Einschlafen und der Verzicht auf Tabak. Zigaretten habe ich nie geraucht, allerdings bestanden meine Gute-Nacht-Joints bis vor Kurzem ganz klassisch aus gleichen Teilen von Tabak und Cannabis. Seit ich den aufputschenden, stimmulierenden und ohnehin viel zu ungesunden Tabak weglasse, hat mein Schlaf sich um ein Vielfaches verbessert. Auswirkungen auf meinen Gesamtzustand werde ich wohl erst nach einer ausreichend langen Zeit der Erholung bemerken, aber zumindest stehe ich morgens nun etwas fitter und besser gelaunt auf. Und so eine kleine Pfeife ist eigentlich auch viel stilvoller als ein Joint.

Da im Ayurveda der Gesamtzustand eines Menschen, also die ganze körperliche Verfassung, die Verdauung und das Wohlbefinden im Fokus stehen, nehme ich diesen ersten Lichtblick nun aber nicht zum Anlass, mit dem Selbstversuch aufzuhören. Wenn sich etwas an meinem Zustand verbessert, kann das durchaus mit einer Langzeitwirkung der bisherigen ayurvedischen Interventionen zusammenhängen, auch wenn ganz klar zusätzlich andere Faktoren im Spiel sind. Um weiter an einer Verbesserung meines Wohlbefindens und meiner psychisch noch ziemlich miesen Verfassung zu arbeiten, lege ich mein Wohl und Wehe daher auch weiterhin gerne ein Stück weit in die Hände meiner trotz aller Skepsis durchaus geschätzten Bekannten. Sie tut mir gut, allein durch ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung. Auf mich kommen Ölmassagen und ja, auch der angekündigte Einlauf zu. Weitere Mittel zur Einnahme will sie mir ebenfalls vorschlagen, die mein Wohlbefinden steigern und meinen Körper mehr ins Gleichgewicht bringen sollen.

Im Rahmen ihrer ayurvedischen Weiterbildung in Indien hat sie sich übrigens auch weiter über die angebliche Unschädlichmachung von Schwermetallen in ayurvedischen Medikamenten schlau gemacht. Es handelt sich dabei um ausgeklügelte und für jedes Schwermetall unterschiedliche Prozeduren mit Milch, gereinigter Butter und weiteren Dingen, mit denen die Metalle gemischt und auf verschiedenste Art behandelt werden. Es klang kompliziert und hoch wissenschaftlich, sie wirkte überzeugt und sagte, genau deshalb sei es so wichtig, seine Mittel von vertrauenswürdigen und geprüften Händler*innen zu beziehen, da diese Methoden eben auch korrekt angewandt werden müssten und dabei sicherlich vielfach Schindluder getrieben oder bloßes Halbwissen als Grundlage genommen werde. Ich achte trotzdem weiterhin penibel auf die Inhaltsstofflisten. Mir kommt das alles nicht stichhaltig vor und ich will mich auch durch Mittel aus vertrauenswürdigen Quellen lieber nicht vergiften.

Ich bin weiterhin neugierig und gespannt. Solange Ayurveda mir gut tut und ich wachsam bleibe, fühle ich mich sicher. Wer das blöd findet, darf das tun, aber ich lasse mir meine erkundungsreise nicht nehmen.

PS: Braucht jemand eine Packung Aswagandha-Tabletten aus vertrauenswürdiger Quelle, aus der nur eine einzige Tablette entnommen wurde?

 

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Und hier gehts zur Fortsetzung.

 

5 Gedanken zu “Ayurveda VII – mehr on- und offtopic-Gedanken zur Indischen Heilkunst

  1. Daniela v. Buchvogel sagt:

    Auf jeden Fall hört sich dein Versuch spannend an. Ich glaube, allein schon das Hinhören, was einem selbst gut tut, hilft schon viel. Johanniskraut, Cannabis und die richtige Ernährung sind sicherlich gute Bausteine. Ich weiß von vielen, denen Johanniskraut hilft. Für mich selbst war dieses Mittel aber leider nichts. Ich bin davon ganz unruhig geworden.
    LG
    Daniela

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  2. kommunikatz sagt:

    Zu viel Johanniskraut ist übrigens auch keine gute Idee. Das gilt nicht nur für Frauen, die hormonell verhüten (Johanniskraut kann die Wirkung von Pille etc. aushebeln und zu ungewollten Schwangerschaften führen). Auch die Sonnenempfindlichkeit der Haut wird gesteigert und, was ich jetzt ganz konkret erleben durfte, es kann Magen-Darm-Beschwerden verursachen. Nachdem ich in den letzten Wochen vermehrt Blähungen, leichten Durchfall und Unwohlsein hatte, habe ich nun ein paar Abende auf meinen Johanniskraut-Tee verzichtet. Geschlafen habe ich trotzdem erstaunlich gut – vielleicht ist der Knoten schon geplatzt – und die Verdauungsbeschwerden sind wieder weg. Mal sehen, wie ich weitermache. Kleinere Mengen, also nur eine Tasse Tee am abend statt zwei, oder eben mal gar kein Tee, wenn ich auch ohne schon ausreichend müde und nicht zu niedergeschlagen bin, das sollte als Maßnahme reichen.

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