Nachhaltigkeit im Alltag, Teil II

Und weiter geht es mit meiner Artikelreihe zu Nickels Blogparade im Brüllmausblog. In diesem zweiten Teil lest Ihr meine Gedanken zu den Nachhaltigkeitszielen 6 bis 11.

SDG6: Wasser und Sanitärversorgung für alle – Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten

Hier hat Unsereins vor allem die Möglichkeit, Ressourcen wie Wasser nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten und fröhlich zu verschwenden. Wasser ist wertvoll, wie wir in den zurückliegenden Dürresommern mindestens an unseren vertrocknenden Gärten und Straßenbäumen gemerkt haben dürften. Wasser sparen und sammeln lohnt sich. Regenwasser lässt sich für Vieles nutzen, sich ein paar Regentonnen auf die Terrasse zu stellen, ist also eine lohnende Angelegenheit, selbst wenn keine Aufbereitung möglich ist. Mit ist es natürlich noch viel besser, denn dann hat mensch einen unerschöpflichen Vorrat an Wasser in Trinkwasserqualität. Im Sommer 2018 haben wir angefangen, sogar das Waschmaschinenwasser zu sammeln und zum Gießen des Gartens zu nutzen. Das geht natürlich nur, wenn Waschmittel ohne aggressive Tenside und Duftstoffe verwendet wird, aber bevor alle Pflanzen vertrocknen und sterben, ist auch solches, benutztes Wasser alemal besser als gar kein Wasser. Unter unserem Waschbecken im Gästeklo befindet sich seit eben jenem Sommer ein Eimer. Den Syphon haben wir abmontiert und das Wasser vom Händewaschen fließt direkt in den Eimer, so dass es dann zum Spülen der toilette verwendet werden kann. Besser wäre natürlich ein Schlauch, der das Wasser vom Waschbecken direkt in den Spülkasten des Klos umleitet, aber das birgt so viele logistische Fallstricke, dass uns die Eimerversion bisher einfacher erschien. Jedenfalls ist Händewasch- und Zähneputzwasser definitiv noch super als Klospülung geeignet und es ist heller Wahnsinn, dafür sauberes Trinkwasser zu benutzen. Von so simplen Dingen wie Dusche ausmachen, während mensch sich einseift, Wasser beim Zähneputzen nicht laufen lassen etc. fange ich hier mal gar nicht an – Ihr seid ja nicht von gestern. Anreize für Wasserspeicher und -aufbereitungsanlagen wären wunderbar. Warum gibt es dazu noch kein Förderprogramm der KfW?

SDG7: Nachhaltige und moderne Energie für alle – Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und zeitgemäßer Energie für alle sichern

Genau, weg mit der Kohleverstromung, weg mit den AKWs, weg mit Erdöl und konsequenterweise auch Erdgas. Erneuerbare Energien müssen viel mehr ausgebaut und unterstützt werden, die Politik muss Anreize schaffen, dass möglichst auf jedem Dach Photovoltaik installiert wird und Haushalte ihr Wasser mit Solarthermie erwärmen. Momentan werden in diesem Bereich genau die falschen Weichen gestellt, indem alle Subventionen und Förderungen für derartige Technologien wegfallen und zahllose Sonnen- und Windunternehmen in den Ruin getrieben werden. Sonnen- und Windenergie wären auch die Rettung für zahllose Entwicklungsländer und abgelegene Dörfer in armen Regionen der Welt, denn mit einem kleinen Windrad oder ein paar Solarpanelen können da schon die Grundbedürfnisse der Menschen befriedigt werden, ohne ellenlange Leitungen zu irgendeinem grauenhaften Großkraftwerk ziehen zu müssen.

Wer hier regelmäßig mitliest, weiß, dass mein Bezug zu diesem Ziel eng ist. Ich protestiere mit Fossil Free Aachen, XR, dem Hambisupport und in unzähligen weiteren Gruppen und Kontexten gegen die fossilen und für die erneuerbaren Energien. Ich mache Öffentlichkeitsarbeit für diese Gruppen und themen, um die Botschaft in die Welt zu bringen und Menschen zum Umdenken zu bewegen. Meinen Strom beziehe ich seit über zehn Jahren von einem Ökostromanbieter, die geschenkten Solarpanele liegen leider noch immer im vorgarten und sind leider auch nach einem Jahr nicht auf dem Dach installiert, aber wir arbeiten dran.

SDG8: Nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit für alle – dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern

In dem Punkt mit dem Wachstum widerspreche ich den UN. Wachstum ist nicht in alle Ewigkeit möglich, schon gar nicht nachhaltiges. Ungebremstes und fortwährendes Wachstum kann es nicht geben, weil sonst irgendwann alles aus alen Nähten platzt. Die Ressourcen der Erde werden nicht mehr, sie können nur umverteilt werden, was immer zu irgendwessen Ungunsten gehen muss. Wir brauchen vielmehr eine Abkehr von der Wachstumsideologie und eine Anerkennung der Tatsache, dass uns das Wachstum auf Dauer ins Verderben reißt. Wir leben längst in einer Zeit des Postwachstums, in der wir ein Weiterbestehen der notwendigen Strukturen anstreben müssen, ohne, dass dabei weiterhin irgendetwas wächst. Genau, wie die Weltbevölkerung nicht weiter wachsen darf, um noch halbwegs nachhaltig die Welt bewohnen zu können, darf auch die Wirtschaft nicht weiter wachsen. Umso wichtiger ist die menschenwürdige Arbeit, wobei natürlich auch diese nur so lange wichtig ist, wie die Welt auf Geld basiert. Solange jeder Mensch Geld verdienen muss, um im kapitalistischen System mitspielen und überleben zu können, muss auch jeder Mensch dieses Geld unter menschenwürdigen, motivierenden und angenehmen Bedingungen verdienen können. Jeder Mensch sollte eine Arbeit ausüben können, die Freude macht und damit ihre eigene Motivation generiert. Langfristig halte ich eine Abschaffung von Geld und ein völlig anderes Gesellschaftssystem allerdings für deutlich nachaltiger, als den vergeblichen Versuch, den Kapitalismus irgendwie nachhaltig umzubauen und grün anzumalen.

Da ich als Geschäftsführerin des Welthauses ja so ein bisschen in der Rolle der Arbeitgeberin stecke, lege ich natürlich großen Wert darauf, dass wir unsere Handvoll Mitarbeiter*innen fair bezahlen und ihnen genau die angenehmen und ihnen gerechtwerdenden Arbeitsbedingungen bieten können.

SDG9: Widerstandsfähige Infrastruktur und nachhaltige Industrialisierung – eine widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breitenwirksame und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen

Das ist nun wieder ein Punkt, auf den die und der Einzelne nur sehr indirekten Einfluss hat. Aber auch Infrastruktur, Konzerne, Industrie und Wissenschaft bestehen aus Menschen. Ihr arbeitet irgendwo und verdient Euer Geld damit, dass Ihr Rädchen in diesem Getriebe seid. Tragt Euren Teil dazu bei, hier für Nachhaltigkeit und Resilienz zu sorgen!

SDG10: Ungleichheit verringern – Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern

Chancengleichheit ist nicht nur zwischen den Geschlechtern und im Bildungssystem wichtig. Dazu gibt es eigene SDGs, aber Ungleichheiten gibt es auf so vielen weiteren Ebenen, dass es sich immer lohnt, für ihre Abschaffung zu kämpfen. Behandelt andere Menschen so, wie Ihr selbst behandelt werden wollt. Seid fair zueinander, lügt und betrügt nicht, beutet nichts und niemanden aus. Wenn Ihr Euch für benachteiligte Menschen einsetzt, egal ob in der Nachbarschaft oder auf der anderen Seite des Globus, tut es immer wertschätzend und aufrichtig. Ihr seid nicht die gnädigen Almosengeber*innen. Die, denen Ihr helft, egal, woher sie kommen, sind Menschen wie Ihr. Schaut nicht auf sie herab sondern zu ihnen auf, denn sie leisten oftmals so viel mehr als Ihr und haben schon so viel ertragen. Jeder herablassende, abschätzige oder auch wohlmeinend bemitleidende Umgang ist für sie eine Diskriminierung, auch wenn Eure Absichten noch so gut sind. Denkt über Euer Verhalten nach. Auch Ihr habt, wie ich, viele Klischees und Bilder im Kopf, die rassistisch, antisemitisch, neokolonial und schlicht überheblich sind, wenn Ihr mit Menschen umgeht, die sich wodurch auch immer von Euch unterscheiden. Macht Euch diese Mechanismen bewusst und legt sie ganz aktiv ad Acta.

SDG11: Nachhaltige Städte und Siedlungen – Städte und Siedlungen inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten

Setzt Euch dafür ein, dass Eure Stadt zu einem lebenswerten Ort wird. Schafft Begegnungsräume, sorgt für mehr Grün, bevölkert die Parks und erobert die Straßen zurück. Kämpft gegen die Vorherrschaft der immer riesiger werdenden Autos und holt Euch den Lebensraum zurück, der Euch gehört. Reclaim the Streets!

Anfang verpasst? Hier gehts zu Teil I

Und hier gehts weiter zu Teil III.

2 Gedanken zu “Nachhaltigkeit im Alltag, Teil II

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