Nachhaltigkeit im Alltag, Teil I

Dieser schönen Blogparade von Nickel vom Brüllmausblog kann ich nicht widerstehen. Nachhaltigkeit ist ein so wichtiges Thema auf so vielen Ebenen meines Lebens, dass ich mich darüber hier ja ohnehin oft genug auslasse, nun tue ich es also mal fokussiert und strukturiert in einer kleinen, dreiteiligen Artikelreihe.

Für Viele ist Nachhaltigkeit eine hohle Phrase, die irgendwie alles und nichts aus dem Bereich Ökologie und Klimaschutz umfasst. Dabei ist Nachhaltigkeit eigentlich noch viel umfassender und zugleich viel greifbarer und konkreter. Mensch muss sich nur die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (englisch Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen anschauen. An diesen 17 Zielen möchte ich mich in meinen Beiträgen entlanghangeln und überprüfen, welche Rolle sie in unserem Alltag spielen oder welche Rolle wir dabei spielen können, sie in größerem Rahmen umzusetzen. Dazu gebe ich da, wo es möglich ist, auch praktische Alltagstips.

Ich gehe die Ziele hier Eins nach dem Anderen durch und kommentiere sie mit meinen Gedanken. Zu manchen Zielen fällt mir mehr ein, zu anderen weniger. Das Individuum kann auch nicht zu jedem Ziel gleich viel beitragen, schließlich richten sie sich eigentlich eher an Staaten, Regierungen, Wirtschaft und Industrie. Gleichermaßen wichtig sind aber alle Ziele. Lest nun hier meine Gedanken zu den Nachhaltigkeitszielen 1 bis 5.

SDG1: Armut beenden – Armut in all ihren Formen und überall beenden

Dieses Ziel mag erstmal irritieren, eigentlich ist aber ganz klar, dass es ein Aspekt nachhaltiger Entwicklung sein muss. Nachhaltigkeit hat etwas damit zu tun, dass es langfristig allen Menschen möglichst gut gehen soll, also muss Armut als Faktor, der dazu führt, dass es den Menschen nicht gut geht, abgeschafft werden. Ein gutes Leben für alle Lebewesen – das ist es wohl, was eigentlich alle Nachhaltigkeitsziele anstreben. Am Bereich der Armut und ihrer Bekämpfung zeigt sich aber, dass das gute Leben doppeldeutig ist. Es geht nicht nur darum, gut im Sinne von sorgenfrei und mit allen Gütern, die mensch braucht, zu leben, sondern auch darum, sich gut zu verhalten. Gut zu leben, indem Mensch seine Mitwelt pfleglich behandelt, nicht ausbeutet und nicht beschädigt, das ist genauso Teil eines guten Lebens. Möglich ist das aber nur, wenn es den Menschen zumindest gut genug geht, als dass sie diesen pfleglichen Umgang leisten und wahren können. Sind Menschen zu arm und aufs blanke Überleben reduziert, haben sie gar keine Möglichkeit, sich für das Wohlergehen ihrer Mitwelt zu interessieren. Dann sind sie nur mit sich selbst und ihrem Überlebenskampf beschäftigt. Armutsbekämpfung sorgt also gleichzeitig dafür, dass Menschen die Kapazitäten und Fähigkeiten bekommen, ihren Lebensraum wertschätzend und positiv zu behandeln.

SDG2: Ernährung sichern – den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern

Hier wird es nun etwas ausführlicher, dafür kann ich mich bei den Zielen 12 und 15 zu Konsum und Flächennutzung dann etwas kürzer fassen. Zur Erreichung von Ziel 2 kann Jede und Jeder von uns beitragen. Zu allererst einmal dadurch, dass wir weniger Lebensmittel verschwenden, dass wir nur so viel kaufen, wie wir essen können, dass wir vielleicht auch gezielt Reste verwerten. Reste verwerten kann heißen, die Reste im Kühlschrank aufzuessen, daraus spannende neue Ideen zu entwickeln und neue Gerichte zu erfinden, es kann aber auch heißen, weggeworfene Waren aus Supermarktcontainern zu retten.

Supermärkte werfen massenhaft essbare Lebensmittel weg, die kurz vor oder gerade am Mindesthaltbarkeitsdatum sind. Jetzt sagt aber schon der Begriff „Mindesthaltbarkeitsdatum“, dass diese Produkte mindestens bis zu diesem Datum, eher länger haltbar sind. Das englische „best before“ macht es noch deutlicher: Nur bis zu diesem Datum garantiert der Hersteller, dass das Produkt so schmeckt, wie es soll. Kaputt oder giftig sind aber die allerwenigsten Lebensmittel direkt nach Ablauf ihres MHD. Es lohnt sich also, wenn möglich, ab und zu mal die Sachen durchzuschauen, die Supermärkte entsorgen. Nur bei Fleisch und anderen definitiv verderblichen Lebensmitteln mit Kühlkette ist Vorsicht geboten, aber zum Stichwort Fleisch komme ich noch.

Neben der Resteverwertung ist natürlich auch wichtig, für welche Lebensmittel wir unser Geld ausgeben und welche Herstellerfirmen und Handelsstrukturen wir damit unterstützen. Ich beispielsweise finde es unausweichlich, keine Produkte aus Massentierhaltung zu kaufen, sei es nun Fleisch, Milch oder irgendein weiterverarbeitetes Produkt daraus. Auch Palmöl sollte, nicht nur in Lebensmitteln, ein No-go sein, weil für Palmölplantagen bekanntermaßen sehr oft unschätzbar wichtige und artenreiche Regenwälder abgeholzt werden. Ob mensch Produkte mit Kakao oder ähnlichen Zutaten konsumieren möchte, die sehr oft unter ausbeuterischen Bedingungen und durch Kinderarbeit geerntet und verarbeitet werden, kann auch jeder Mensch für sich selbst entscheiden.

Und dann natürlich auch hier das Klima. Es ist ja nicht nur die Massentierhaltung, die Fleisch und Milchprodukte zu problematischen Lebensmitteln macht. Der Methanausstoß von Kühen ist immens, es trägt also massiv zur Vermeidung von Treibhausgasen bei, weniger Rindfleisch und Milchprodukte zu kaufen. Wenn genug Menschen sich gegen diese in der Produktion horrend verschwenderischen und aufwändigen Lebensmittel entscheiden, wäre dem Klimaschutz und einer deutlich ökologischeren Flächennutzung (Ziel 15) schon gewaltig gedient. Denn irgendwann kommt das Signal der Verbraucher*innen bei den Konzernen an und zwingt sie zum Umbau ihrer Angebote. Wenn niemand mehr Rindfleisch und Käse haben will, lohnt es sich für Unternehmen nicht mehr, den Markt damit zu überschwämmen – Angebot und Nachfrage eben.

SDG3: Gesundes Leben für alle – ein gesundes Leben für alle Menschen jeden Alters gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern

Ähnlich wie die Armutsbekämpfung ist auch dies ein Ziel, das eher von der Politik erreicht werden kann als vom einzelnen Menschen. Allerdings können auch wir gegenseitig aufeinander achten und unser Wohlergehen fördern. Wir können uns impfen lassen und damit den Herdenschutz für anfälligere Menschen und Diejenigen, die sich nicht impfen lassen können, lückenlos aufrecht erhalten. Nur so können gefährliche Infektionskrankheiten eingedämmt und langfristig ausgerottet werden. Wir können, wenn wir einmal krank sind, versuchen, Andere nicht anzustecken. Wir können versuchen, Andere nicht zu stressen oder zu verärgern. Wir können uns selbst pfleglich und achtsam behandeln, um unsere eigene Gesundheit zu schützen, was uns wiederum ermöglicht, besser und effektiver für Andere da zu sein. Und, wenn wir die finanziellen Möglichkeiten dazu haben, können wir Organisationen durch Spenden unterstützen, die sich überall in der Welt für Gesundheit und Wohlergehen der Menschen einsetzen. Die Ärzte ohne Grenzen sind nur ein Beispiel unter vielen. Ich kenne Menschen in Medizinberufen, die beispielsweise kostenlose Behandlungen für Geflüchtete oder Obdachlose anbieten. Jeder Mensch hat auf irgendeiner Ebene Möglichkeiten, sich für Gesundheit und Wohlergehen zu engagieren.

SDG4: Bildung für alle – inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern.

Anfang der 0er Jahre ging ich für kostenfreie Bildung auf die Straße, beriet meine Kommiliton*innen im Sozialreferat des AStA zu Ausnahmeregelungen der damals gerade eingeführten Studiengebühren, schrieb Informationsbroschüren und führte Lobbygespräche. Ein freier Zugang zu allen Stufen von Bildung für jeden Menschen, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, finanziellem oder sozialem Status und ein durchlässiges, nicht selektirendes Bildungssystem war aus meiner Sicht immer schon ein Ziel, für das es sich zu kämpfen lohnt. Jede*r von uns kann darüber hinaus zu guter Bildung beitragen, eigenes Wissen weitergeben und sich daran erfreuen, wie positiv und produktiv es von Anderen aufgenommen wird. Jeder Mensch kann für gerechte, offene Bildungsmöglichkeiten für alle eintreten oder Organisationen unterstützen, die das tun.

Viele Stellschrauben hat allerdings auch hier die Politik in der Hand. Nur auf Deutschland bezogen könnte ich ganze Romane schreiben. Das Dreigliedrige Schulsystem ist in sich schon viel zu selektiv und produziert so das glatte Gegenteil von Chancengleichheit. Jede Lehrerin und jeder Lehrer, die oder der es innerhalb dieses Systems schafft, Schüler*innen dennoch gleichwertig, wertschätzend, bestärkend und inklusiv mit Wissen und Fähigkeiten auszustatten, hat meine volle Hochachtung. Nur durch ihren Einsatz können auch die zukünftigen Generationen lernen, sich dann auch auf allen Ebenen nachhaltig zu verhalten.

SDG5: Gleichstellung der Geschlechter – Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen

Die Formulierung der UN sagt eigentlich schon alles, nur schränkt sie das Thema etwas zu sehr auf binäre Geschlechter ein. Ohne Gleichstellung und gleiche Rechte für alle Geschlechter ist Nachhaltigkeit nicht möglich. Mir fallen da gleich die Stichworte Wohlergehen und Gesundheit aus Ziel 3 ein: Wer aufgrund seines oder ihres Geschlechts diskriminiert, gequält, verstümmelt oder mit sonstiger Repression überzogen wird, bleibt dabei sicher nicht gesund und glücklich. Menschen werden geschädigt, traumatisiert und aus der Geselschaft ausgeschlossen, nur wegen ihres Geschlechts. Ob es genitalverstümmelte Frauen aus Afrika oder in der U-Bahn zusammengeschlagene Transmenschen aus Deutschland sind, ist fast egal – Teilhabe ohne Angst und Leiden ist nicht möglich, ein produktiver und hilfreicher Teil der Gesellschaft zu sein, genauso wenig. Wie bei der Armut aus Ziel 1: Wer um das blanke Überleben kämpfen muss, kann sich nicht um die anderen Aspekte von Nachhaltigkeit scheren. Und wer, wie in Ziel 4 geschildert, keinen Zugang zu Bildung hat, bleibt ebenfalls auf der Strecke.

 

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4 Gedanken zu “Nachhaltigkeit im Alltag, Teil I

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