Dia(b)log III: Was mich glücklich macht

Anscheinend war mein Dia(b)log-Aufruf eine gute Idee. Ihr springt jedenfalls prima darauf an und schickt mir wirklich gute und herausfordernde Fragen. Nach eigener Aussage spontan, aus dem Bauch heraus und nur auf den ersten Blick platt fragt mich nun Sunnybee, was mich glücklich macht. Eine schwierigere Frage hättest Du Dir kaum ausdenken können, meine Liebe 😉 An dem Problem doktere ich gefühlt schon mein ganzes Leben lang herum. Immer schon suche ich ein Hobby oder eine Aktivität, das/die mir gut tut und meine Akkus wieder auflädt. Wie aufmerksame Leser*innen dieses Blogs spätestens seit meiner Blogparade zu Entspannung und Stressbewältigung wissen: Diese Suche war bisher vergeblich. Etwas, das mich dauerhaft glücklich macht und mir zuverlässig neue Energie schenkt, habe ich noch nicht gefunden.

Fangen wir daher mal etwas kleiner an – Glück ist, wie alle Emotionen, ja eh nichts Dauerhaftes sondern jede Gefühlswallung vergeht nach, wie ich einmal las, spätestens 20 Minuten. Was danach bleibt, ist die schöne Erinnerung an das empfundene Glück, aber das eigentliche Gefühl ist dann vorbei. Sunnybee bezieht ihre Frage auf mich, meine Liebsten, meine Aufgaben in der Welt und die Welt überhaupt. Da die Welt an sich momentan kaum dazu angetan ist, mich irgendwie glücklich zu machen, meine Aufgaben darin sich in unbefriedigendem Kleinkram erschöpfen und ich den Glücksfaktor der gemeinsamen Aktivität mit vielen, tollen Menschen in der Klimagerechtigkeitsbewegung in letzter Zeit wegen meiner stark reduzierten Leistungsfähigkeit oder meines schon zu vollen Terminkalenders gar nicht mehr wahrnehmen kann, beginne ich mit meinem direkten Umfeld.

Alles, was mir dann einfällt, hat aber auch seine Kehrseiten. Es macht mich glücklich, wenn mein Partner und ich verständnis- und liebevoll miteinander umgehen, ohne dass irgendwoher eine Unstimmigkeit, ein Konflikt oder Vorwurf heraufzieht. Derartige (mini-)Gewitter gibt es aber im Verhältnis zweier so komplizierter Menschen leider ständig und die länger andauernden guten Phasen stechen daher wie kleine Oasen aus einer oft frustrierend grauen Wüste heraus. Glücklich macht mich meine Hündin Arzu, wenn sie sich ganz entspannt an mich kuschelt und ich ihr weiches Fell und ihren ruhigen Atem spüre. Dieses Glück fällt aber auch sehr schnell in sich zusammen, wenn ihre Entspannung zu tief wird und ihre kastrationsbedingte Inkontinenz dafür sorgt, dass ich schonwieder eine Sofadecke oder, wie heute Morgen um 6 Uhr, das Bettzeug bis hin zum Matratzenbezug durch die Waschmaschine jagen muss.

Glücklich macht es mich, wenn ich, ganz gegen meine Gewohnheit, einmal eine Nacht gut schlafe und mich morgens ausgeruht und fit fühle. Leider passiert das aber nur an gefühlten 5% aller Tage. Naja, Glück ist ja angeblich auch eine seltene Sache, insofern hat das vermutlich Sinn. Glücklich macht es mich aber auch, wenn ich einen erledigten Punkt von meiner to-do-Liste streichen kann. Das fühlt sich immer sehr befriedigend an, beinahe so wie die befreiende Leichtigkeit nach einem richtig großen Geschäft auf dem Klo. Wenn ich die Aufgabe dann auch noch zu meiner eigenen und idealerweise auch andererleuts Zufriedenheit umgesetzt habe und nicht nur Kacke dabei herausgekommen ist, bin ich umso glücklicher. Und es macht mich glücklich, wenn ich wieder einen nicht nachhaltigen Faktor aus meinem Leben eliminieren kann. Jedes unverpackte Stück Seife oder festes Shampoo, das ich kaufe und dann auch vertrage, macht mich ein bisschen glücklich. Jedes vegane Essen und jeder nicht klimaschädlich zurückgelegte Weg machen mich glücklich, wie überhaupt jeder Schritt zu einer klimaneutralen und umweltverträglichen Lebensweise.

Aber beschreibe ich hier wirklich Glück oder geht es mehr um Zufriedenheit? Ist Zufriedenheit vieleicht für mich schon das höchste der Gefühle und es wäre vermessen, mehr zu wollen und nach Glück zu streben. Sunnybee schreibt die wunderschönen Zeilen: „Ich glaube, ich habe eine Sehnsucht in mir, das zu stärken in uns und in der Welt sowie in unserem Handeln, was gut, freudvoll und voller Möglichkeit ist – ohne dabei die Augen vor dem zu verschließen, was Mühe, Schmerz und Trauer bereitet (auf der individuellen wie auf der Welt- und Klimaebene). Ganz im Sinn: wohin die Aufmerksamkeit fließt, dorthin fließt auch die Energie.“

Das ist absolut unterschreibenswert. Eigentlich habe ich diese Sehnsucht auch, nur liegt meine Aufmerksamkeit wohl momentan viel zu sehr auf negativen Dingen, wodurch auch meine Energie fast nur in diese Dinge und die meist nicht gerade konstruktive Auseinandersetzung mit ihnen fließt. Ich versuche zwar, die negativen Dinge irgendwie in eine positivere Richtung umzubiegen, habe dabei aber meist das Gefühl, kläglich zu scheitern. So endet letztendlich fast alles in Selbstzerfleischung. Den Energiefluss hin zu den frustrierenden, unschönen Dingen auszubremsen und umzuleiten, ist für mich zu einer kaum zu bewältigenden Aufgabe geworden. Die Welt verbessern zu wollen, bedeutet eben ersteinmal, sie mit all ihren schlechten und fatalen Aspekten wahrzunehmen. Entsteht dann das Gefühl, dagegen nicht genug tun zu können, einfach nicht genug Kraft zu haben, um diese Aspekte auch nur zu ertragen, geschweige denn, Lösungsansätze dafür zu finden, ist Glück in größerem Stil kaum noch denkbar.

Immer wieder hinter die eigenen Ansprüche und Wünsche zurückzufallen und mit dem Aufrechterhalten des eigenen Funktionierens beinahe schon ausgelastet zu sein, lässt nicht viel Raum für hohe Ziele. Um Glück empfinden zu können, muss sich der düstere Nebel lichten, der seit Monaten meine Psyche lähmt. Und dafür müsste ich mich wahrscheinlich erstmal effektiv entspannen und all die negativen Gedanken loslassen, die mich in diesem Nebel festhalten. Bis ich diesen Dreh raus habe, behelfe ich mir mit Feierabendjoints, um zumindest abends für ein paar Stunden nicht zu verzweifeln.

PS: Das liest sich nicht nur depressiv, ich fühle mich auch so und bin dabei, mir in diesem Punkt Hilfe zu organisieren. Nur, falls sich jemand fragt…

4 Gedanken zu “Dia(b)log III: Was mich glücklich macht

  1. Sarah („Sunnybee“) sagt:

    Liebe Lea,
    danke für deine Antwort – erst jetzt komme ich dazu, sie zu lesen. Danke für deine Offenheit. Ja, das Glück… ich staune immer wieder, wie es zuweilen gerade dort auftaucht, wo ganz Unspektakuläres geschieht (z.B. die ehrliche Freude meiner Nachbarin, dass ich sie und ihre kleine Tochter zum Geburtstag meines Sohnes einlade. Da blitzt auch bei mir für einen Moment tiefe Freude auf!) Und ansonsten merke ich ganz deutlich: zumindest für mich ist der Weg zu Zufriedenheit (und zu Glücksmomenten?) der, wirklich ECHT zu sein. Bringt mir etwas auf Dauer zuviel Kummer/ Unbehagen/ Groll/ Langeweile/ Ärger etc. – dann lasse ich es! Hier konsequent zu sein ist manchmal wirklich auch nicht leicht – aber mein Weg zum Glück:-)
    Herzlichen Gruß, Sarah

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    1. kommunikatz sagt:

      Liebe Sarah,,
      stimmt, die kleinen und vielleicht auch manchmal größeren Glücksmomente bewusst wahrzunehmen und so die positiven, Energie gebenden und glücklich machenden Dinge einfach für sich selbst einzusammeln und wertzuschätzen, ist wohl der beste Weg. Solche Momente gibt es immer, mensch muss sie nur entdecken und auskosten. Und auf die Dinge zu verzichten, die das Gegenteil bringen, ist genauso wichtig – sofern es eben geht und es sich nicht um unausweichliche Verpflichtungen handelt.
      Blöd wird es, wenn zum Genießen der Glücksmomente die innere Leere schon zu ausgeprägt ist. Momentan ist das bei mir meistens der Fall – genießen, egal was, ist richtig schwierig geworden, weil ich einfach ziemlich deprimiert und alle bin. Aber das kriege ich wieder auf die Reihe, hoffentlich habe ich die nötige Hilfe dazu schon gefunden. Deine Frage war auf dem Weg der Selbsterkenntnis jedenfalls ein sehr hilfreicher Zwischenschritt und ich möchte Dir dafür nochmal ausdrücklich danken!
      liebe Grüße
      Lea

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  2. kommunikatz sagt:

    Doch, mit Arzu kuscheln macht glücklich 🙂 Nachdem ihre Inkontinenz immer schlimmer wurde, habe ich vor ein paar Wochen wieder angefangen ihr das Medikament Caniphedrin zu geben und es wirkt wahre wunder. Sie tropft nicht mehr und darf deshalb auf ausdrückliche Einladung durch uns Menschen auch wieder ins Bett. Wenn sie einfach reinhüpft, ohne zu fragen, gibts allerdings nach wie vor Brexit, das einwandfrei funktionierende Rauswurfkommando 🙂 etwas Order muss ja schon sein.
    Caniphedrin habe ich ihr in unserer Anfangszeit schonmal gegeben, dann aber nach und nach ausgeschlichen, weil es auch ohne ging. Das Zeug ist nicht harmlos, es ist eine Amphetamin-Vorstufe und wird von Apotheken wegen der Missbrauchsgefahr durch Menschen sehr ungern abgegeben. Mein Hund ist also jetzt dauerhaft auf Speed, allerdings macht sie nicht den Eindruck, irgendwie dadurch beeinträchtigt zu sein. Von den möglichen Nebenwirkungen ist nichts zu merken (schade eigentlich, eine wäre gezügelter Appetit gewesen 😉 ) und die erwünschte Wirkung ist mit durchschlagendem Effekt eingetreten. Die Dosis ist auch inzwischen wieder sehr gering, wirkt aber noch ausreichend. Ihr selbst geht es damit garantiert besser, denn auch eine Hündin möchte nicht dauernd in Pfützen ihrer eigenen Pisse liegen oder danach stinken.
    Hachja, so schön, und pünktlich zu ihrer winterlichen Plüschigkeit steht dem Kuscheln nichts mehr im Weg 🙂

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