Dia(b)log II: Warum wir uns für den Klimaschutz einsetzen sollten

Und da ist sie, die erste echte, auf meinen Aufruf hin eingetrudelte Frage. Vielen Dank, lieber Simon! Es ist eine Frage mit mehreren Unterpunkten, was mir ermöglicht, mich mit meinen Antworten quasi daran entlangzuhangeln.

Mein Leser Simon fragt, warum wir uns für den Klimaschutz einsetzen sollten, wenn kurz gesagt doch längst alles verloren ist. Eine sehr berechtigte Frage, wie ich finde. Gerade mein derzeitiger ziemlich tiefschwarzer Pessimismus lässt mich selbst gelegentlich beinahe aufgeben und diese Frage stellen.

Also, warum sollten Menschen sich für den Schutz des Klimas und gegen den Klimazusammenbruch engagieren:
1. …wenn die Welt ohnehin am Ende untergeht?

Richtig, am Ende tut sie das zweifellos, aber wir als Bewohnerinnen und Bewohner dieser Welt haben zumindest noch ein Stück weit in der Hand, wann sie es tut. Wir können versuchen, den Untergang der Zivilisation und das Ende unseres Lebensraums so weit hinauszuzögern, dass wir und andere Lebewesen noch eine möglichst lange Schonfrist bekommen. Mehr ist ohnehin nicht mehr drin, allerdings sollten wir diesen quasi palliativmedizinischen Umgang mit unserem Planeten und seiner Atmosphäre doch noch umzusetzen versuchen, um das unweigerlich auf die Menschheit und alle anderen Lebewesen zukommende Leid so vielen von ihnen wie möglich zu ersparen. Langfristig halten wir den Untergang nicht auf, aber kurz- und mittelfristig können wir noch ein paar Leben als lebenswert erhalten und den zu schnellen Verlust von Lebensqualität für alle herauszögern.

2. …wenn die jetzigen Generationen die verheerendsten Folgen des Klimawandels gar nicht mehr erleben werden?

Wenn es den Lebewesen auf der Erde so lange wie möglich noch halbwegs gut gehen soll, müssen sich jetzt alle anstrengen. Es ist für mich kein Argument, dass wir selbst ja nichts vom Niedergang mitbekommen werden, weil wir dann längst tot sind. Auch, wenn ich selbst keine Kinder habe, gibt es einen Haufen von Menschen, die jünger sind als ich und für die ich mir wünsche, dass auch sie ein möglichst unbeschwertes und schönes Leben leben können. Hätte ich diesen Wunsch und diese Hoffnung nicht, würde ich jedes Mal verzweifeln und durchdrehen, wenn mir jemand begeistert von einer Schwangerschaft oder einem neugeborenen Kind erzählt, weil wieder jemand aus purem Egoismus oder reiner Gedankenlosigkeit für dieses neue Lebewesen jede Menge Leid erzeugt hätte. Wenn ich nun meinerseits egoistisch sage, nach mir die Sintflut, mir ist alles egal, weil ich selbst eh verschont bleibe, fühlt sich das sehr rücksichtslos und hart an. So bin ich nicht, dafür ist mir das Wohlergehen anderer Menschen zu wichtig, selbst, wenn es nur auf Zeit ist.

3. …wenn es keinen Grund gibt, warum die Menschheit (und überhaupt irgendetwas) weiter existieren muss? Für die Erde wäre es sogar das Beste, gerade wir würden sofort verschwinden.

Das stimmt, wir Menschen und all unsere zerstörerischen Aktivitäten sind ja der einzige Grund für den jetzigen Niedergang. Für die Erde und alle anderen sie bewohnenden Lebewesen wäre ein sofortiges Verschwinden der Menschen, all ihrer Erzeugnisse und Machenschaften der Hauptgewinn und eine riesige Chance. Wir sollten daher auch umgehend damit aufhören, uns noch weiter zu reproduzieren, denn wir tun dem Planeten und seinem Ökosystem definitiv nicht gut. Allerdings sind wir nun einmal da und damit greifen meine Argumente von oben: Lasst uns doch zumindest dafür sorgen, dass es noch so lange wie möglich einigermaßen vernünftig weiterlaufen kann, für uns und mit uns für alle anderen Lebewesen. Dem Planeten Erde selbst ist es völlig egal, was und ob überhaupt etwas auf ihm lebt. Der Planet kommt ohne uns, ohne Tiere, Pflanzen, Pilze oder Mikroorganismen super zurecht. Wenn alles kaputt und die Erde so weit aufgeheizt ist, dass kein Leben mehr möglich ist, wird sich irgendwann irgendetwas Neues entwickeln – fine by me, aber für die Welt, wie wir sie kennen, ist dann eben Schluss. Wenn Menschen schon mit dem eigenen Tod nicht klarkommen, sollten sie sich vielleicht über den Tod der gesamten, belebten und nichteinmal zur Gänze erforschten Welt etwas mehr Sorgen machen.

Ein Gedanke zu “Dia(b)log II: Warum wir uns für den Klimaschutz einsetzen sollten

  1. Sunnybee sagt:

    Liebe Lea,
    mir fällt gerade auch eine Frage ein zu deinem Aufruf, spontan, aus dem Bauch heraus und nur auf den ersten Blick platt: „WAS MACHT DICH GLÜCKLICH?“
    Ich glaube, ich habe eine Sehnsucht in mir, das zu stärken in uns und in der Welt sowie in unserem Handeln, was gut, freudvoll und voller Möglichkeit ist – ohne dabei die Augen vor dem zu verschließen, was Mühe, Schmerz und Trauer bereitet (auf der individuellen wie auf der Welt- und Klimaebene). Ganz im Sinn: wohin die Aufmerksamkeit fließt, dorthin fließt auch die Energie.
    Also, wenn du antworten magst: Was macht dich glücklich, auf dich, deine Liebsten, deine Aufgaben in der Welt, die Welt überhaupt bezogen?
    Herzlichen Gruß, Sarah

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.