Tatsächliches Licht und hypothetischer Schatten des Bloggens

Die liebe Lizzi von lizziswelt.com hat sich wieder eine schöne Blogparade ausgedacht. Sie fragt nach den Höhen und Tiefen der Bloggerei, also den Lichtblicken und dunklen Ecken des Blogger*innen-Daseins.

Wie meine Karriere als kommunikatz und Bloggerin begann, habe ich schon in anderen Beiträgen beschrieben. Mein Blog ist seit seinen Anfängen im Jahr 2016 ein wildes Konglomerat aus Pressemitteilungen, Berichten, Lyrik, Kurzgeschichten, Reflexionen und privatem Rumgeheule – und das beschreibt es bei Weitem nicht vollständig. Ich breite hier alles aus, was ich für wichtig halte. Weil berufliche und private Themen für mich nie klar zu trennen sind, fließen sie auch hier im Blog eng verwoben zusammen. Schreiben ist mein Ventil und meine einzige funktionierende Entspannungsstrategie. Ich kann es nur, wenn ich Zeit und Muße habe, aber wenn ich es schaffe, auch nur einen Funken davon festzuhalten, kann ich mich vollständig in einem kreativen Prozess versenken und mich darin mit neuer Energie aufladen. Bloggen ist für mich therapeutisch höchst wertvoll, denn durch das Aufschreiben meiner Gedanken ordnen sie sich oft erst so, dass ich mit ihnen umgehen kann. Sie formen eine Struktur, die erst durch den Text, in den ich sie gieße, sicht- und spürbar wird.

Dass ich gerne schreibe, wusste ich immer schon. Allerdings fehlte mir die Motivation dazu, solange es keine Möglichkeit der Veröffentlichung gab. Nur für mich selbst zu schreiben, fühlte sich sinnlos an – wenn ich mir die Mühe schon machte, wollte ich auch andere Menschen daran teilhaben lassen. Schließlich mag ich meine Texte und finde es zu schade, sie nur für die Tonne zu verfassen. Das Blog zu starten, war trotzdem kein Selbstläufer – als Person mit wenig Selbstvertrauen musste ich erst die Erfahrung machen, dass ich kontinuierlich genug Inhalt produzieren kann. Den Beweis habe ich inzwischen geführt, mein Selbstvertrauen ist gewachsen und ich habe Gefallen daran gefunden, meine Gedanken zu teilen. Es ist längst nicht mehr nur die heilsame Wirkung für mich selbst sondern immer mehr auch mein Wunsch, anderen Menschen Anregungen zu geben, gute Wege aufzuzeigen und hilfreich zu sein. Das gelegentliche, positive Feedback zu meinem Geschreibsel und die dadurch entstehenden Kontakte genieße ich sehr.

So viel zu den Lichtblicken und positiven Auswirkungen meiner Bloggerei. Die Schattenseiten sind etwas schwerer in Worte zu fassen. Einerseits ist da natürlich die Kehrseite des oben Beschriebenen: Tief in Gedanken einzutauchen, sie auszuwalzen und zu durchdringen, ist nicht immer angenehm. Oft stoße ich unterwegs auf Erkenntnisse oder Ideen, die zwar wahr und wichtig sind, die ich aber vielleicht lieber verdrängen würde. Das geht nicht mehr, sobald ich sie einmal gedacht und aufgeschrieben habe. Wie jede Therapie fördert auch das Bloggen manchmal unangenehme Wahrheiten und Traumata zu Tage – was aber im Endeffekt doch gut ist, da es mir viele Lern- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten eröffnet, die ich ohne solchen hochgespülten Schlamm aus meiner Vergangenheit oder den Tiefen meiner Psyche nicht hätte. Meine radikale Ehrlichkeit ist für mich selbst der Schlüssel zu mehr Klarheit und gibt dadurch dem Schreiben eigentlich erst seinen Sinn.

Andererseits wittere ich in meinem authentischen, offenen und unverstellten Stil auch ein Einfallstor für Trouble. Je mehr ich von mir preisgebe, desto angreifbarer mache ich mich – denke ich. Aber ist das so oder spiele ich mit so offenen Karten, dass gar keine Angriffsfläche mehr übrig bleibt? Wer keine Geheimnisse hat, muss sich um deren Enthüllung auch keine Sorgen machen. Wer vom eigenen Denken und Handeln überzeugt ist, ist selbst im Falle eines Angriffs stark genug in dieser Überzeugung – oder? Natürlich bin ich froh, dass die unangenehmen Gestalten sich nicht für mich interessieren und ich nicht beschimpft oder verunglimpft werde. Gerade wenn ich wenig Zeit oder schlechte Laune habe, kann ich auf Trolle bestens verzichten. Aber irgendwie wäre es auch ein netter Beweis meiner Bedeutsamkeit, wenn mir mal jemand widersprechen würde oder ich die Chance hätte, meine Positionen zu diskutieren und zu verteidigen. Außer einem recht sachlich argumentierenden RWE-Mitarbeiter hat mich aber noch niemand auf diese Probe gestellt – schade eigentlich!

Für die Reichweite meines Blogs spricht es jedenfalls nicht, dass ich mich bisher nie Angriffen ausgesetzt gesehen habe. Niemand hat je versucht, mich zu diffamieren, dabei biete ich massenhaft Angriffsflächen. Allein die Tatsache, dass eine Frau sich im Internet kontrovers und klar positioniert, führt in sozialen Medien meist schon zu Beschimpfungen und unsachlichen Angriffen. Ist diese Frau dann auch noch behindert, politisch links, solidarisch mit unter mindestens verbalem Beschuss stehenden Bewegungen und steht sie öffentlich zu illegalen Verhaltensweisen, wäre aus meiner Sicht eigentlich viel mehr Gegenwind zu erwarten. Warum gibt es den nicht? Bin ich so uninteressant? Liest wirklich niemand mein Blog, die oder der anders denkt als ich? Ist meine Strahlkraft so gering, dass die ganzen Trolle und Knallköppe nichts von mir mitbekommen? Und sollte ich mich nicht eigentlich freuen, dass die Spinner*innen dieser Welt mich in Ruhe lassen? Doch, ich solte und ich tue das auch. Aber unterschwellig warte ich immer auf den Shitstorm, der doch irgendwann mal kommen muss, je mehr ich quasi provoziere.

Ich bin sehr gespannt auf die anderen Beiträge zu dieser Blogparade. Wie gesagt, ich wünsche mir definitiv keinen Haufen Trolle herbei, der mich pisackt und mir den letzten Nerv raubt. Aber ich möchte gern wissen, welche Erfahrungen andere Blogger*innen in dieser Hinsicht machen und wie sie damit umgehen, wenn sie doch einmal unter Beschuss geraten. In Lizzis Blogparadenaufruf deutet sie beispielsweise an, dass sie es nicht nur mit positivem Feedback sondern auch mit Unangenehmerem zu tun hat. Vielleicht bin ich einfach nur, wie in so Vielem, ein Glückskind und das Leben verschont mich mit derartigem Ärger. Vielleicht hat mein Leben auch außerhalb des Bloggens genug Schattenseiten und das Bloggen ist eine durchweg positive Sache. Eure Erfahrungen werden für mich, die ich in meiner abgeschirmten und unbekannten Blogblase sitze, sehr erhellend sein. Unbegrenzte Narrenfreiheit habe ich jedenfalls sicher nicht, irgendwann kommt das dicke Ende.

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Ein Gedanke zu “Tatsächliches Licht und hypothetischer Schatten des Bloggens

  1. Lizzi sagt:

    Hi Kommunikatz,

    ein echt toller Beitrag! Gefällt mir sehr – vor allem, weil ich mich besonders im lichten Teil sehr oft wiedererkenne.
    Aber auch die Kehrseite kann ich gut verstehen – ich warte zwar nie auf einen Shitstorm, aber ich kenne zum Beispiel die unterschwellige Erwartungshaltung auf viele unterschiedliche Kommentare. Da denke ich auch oft, wieso eigentlich kaum jemand etwas auf meinem Blog kommentiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in allem recht habe… aber Feedback bekomme ich vorwiegend über andere Kanäle, darum fehlt es mir nicht ganz. Demnächst kommt mein Beitrag zu meiner Blogparade bzw. es werden wahrscheinlich zwei, wo einmal das Licht und einmal der Schatten seinen eigenen Auftritt bekommt… dann erzähle ich ein bisschen von den Düsterlingen, die mich so umschwirren… glaub mir jetzt schon, das will kein Mensch 🙂

    Herzlichen Dank fürs Mitmachen und liebe Grüße aus Lizzis Welt!
    Lizzi

    Gefällt 1 Person

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