Vollständiges Divestment aus Stromkonzern RWE beschlossen: Fossil Free Aachen gratuliert Städteregionstag

Die Städteregion Aachen macht in Sachen Klimaschutz endlich Nägel mit Köpfen und trennt sich von ihren rund 550.000 Aktien des Stromriesen RWE. Den Verkauf ca. eines Drittels ihrer RWE-Beteiligungen hatte die Städteregion bereits im Haushalt 2018 beschlossen, um mit den freiwerdenden Geldern Den sozialen Wohnungsbau und den Strukturwandel in der Region zu unterstützen. Ein zweites Aktienpaket sollte laut Haushalt 2019 veräußert werden. Bislang hat zwar keine einzige Aktie tatsächlich die Besitzerin gewechselt, aber das könnte sich nun zügig ändern. Neben der Bestätigung der früheren Beschlüsse und der Ausweitung auf sämtliche RWE-Aktien im Besitz der Städteregion wurde ein konkreter Zeitplan vorgelegt. Laut diesem sollen die letzten Aktien schon im kommenden Jahr verkauft werden.

Der frühere Städteregionsrat Helmut Etschenberg hatte sich noch massiv gegen das Divestment gesträubt. So war er schon seit 2016 zum Ziel einer Kampagne mit vielen öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Initiative Divest Aachen geworden, die sich später in Fossil Free Aachen umbenannte. Das Lieblingsargument der Divestment-Gegner*innen, vor Allem aus der SPD, ist der Einfluss, den Aktionär*innen auf den Konzern ausüben können. „Wir sind froh und erleichtert, dass laut eines Berichts der Aachener Nachrichten nun zumindest die gemeinsam mit den Grünen regierende CDU endlich verstanden hat, wie illusorisch dieser angebliche Einfluss ist“, erklärt Lea Heuser von Fossil Free Aachen. „RWE muss spüren, dass Klima- und Umweltzerstörung von den Menschen nicht mehr hingenommen werden – und sowas merkt ein Konzern nur am Geld.“

Der Stromkonzern RWE betreibt den gesamten Braunkohleabbau im Rheinischen Revier sowie zahlreiche, teils besonders alte und dreckige Braunkohlekraftwerke. Nachdem die Kohlekommission sich auf ein Ende der Kohleverstromung für das Jahr 2038 geeinigt hatte, sagte auch RWE Kraftwerksschließungen zu. Momentan steht der Konzern jedoch massiv in der Kritik, da er wider jede Vernunft dennoch weitere Dörfer umsiedeln will und bis an die Baumwurzeln des Hambacher Waldes baggert. Sowohl der Erhalt des Hambacher Waldes als auch der Dörfer war von der Kohlekommission noch als wünschenswert bezeichnet worden, jedoch schafft der Konzern weiter Tatsachen, indem er den Wald austrocknet und den Lebensraum der Menschen dem Erdboden gleich macht.

Braunkohlekraftwerke erzeugen nach CO2-Ausstoß pro Kilowattstunde den klimaschädlichsten Strom überhaupt. Ohne ihre unverzügliche Abschaltung ist eine Begrenzung der verheerenden Erderhitzung und des sich längst abzeichnenden Klimazusammenbruchs nicht mehr möglich. Fossil Free Aachen begrüßt daher die Entscheidung des Städteregionstags und wird wachsam die Umsetzung des Aktienverkaufs beobachten. Die Initiative kämpft seit vielen Jahren gemeinsam mit dem weltweiten Netzwerk 350.org für ein kommunales Divestment.

Divestment ist das Gegenteil von Investment und bedeutet hier, sich von Aktien der Kohle-, Erdöl- und Erdgas-Industrie zu trennen. Fossil Free ruft Institutionen und Einzelpersonen dazu auf, dem Beispiel vieler Kommunen und nun auch der Städteregion zu folgen und fossilen Energiekonzernen den gesellschaftlichen Rückhalt zu entziehen. „Investieren sie lieber in Erneuerbare Energien statt in die ewig gestrige Braunkohle, dann ist auch der Strukturwandel ein Kinderspiel“, so Heuser „Und wechseln sie vor allem endlich den Stromanbieter, falls nicht längst geschehen!“

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