Solidarität mit „Ende Gelände“ und zivilem Ungehorsam

Der Aachener Hambi Support, Fossil Free Aachen und weitere Gruppen der Aachener Klimagerechtigkeitsbewegung solidarisieren sich ausdrücklich mit der Kampagne „Ende Gelände“ und Aktionen des zivilen Ungehorsams. Gerade in der Aachener Region war bereits im vergangenen Herbst zu beobachten, wie Polizei und Landesregierung die Bewegung zu spalten versuchten. Anlässlich der angeblich aus Brandschutzgründen erfolgten und in Aufwand und Brutalität kaum zu überbietenden Räumung im Hambacher Wald wurde dies überdeutlich, nun wiederholt es sich mit Fridays for Future.

Die Aachener Polizei warnte mit offensichtlich falschen und anschließend kleinlaut korrigierten Behauptungen Schulen davor, Schüler*innen an Demonstrationen der Fridays for Future Bewegung teilnehmen zu lassen, weil sie sich so angeblich für illegale Aktionen instrumentalisieren ließen. „Ende Gelände“ betont jedoch in seinem Aktionskonsens Gewaltfreiheit, Sicherheit und Transparenz für alle Beteiligten. Die Zerstörung von Infrastruktur und eine Gefährdung von Menschen durch Aktionen der Kampagne werden in ihrem Konsens klar ausgeschlossen. Das demokratische Instrument des zivilen Ungehorsams gegen existenzielle Gefahren und Missstände hat bereits zu großen und wichtigen Veränderungen geführt. Dabei ist ziviler Ungehorsam keineswegs illegal sondern ein grundgesetzlich in Artikel 20 Absatz 4 verbrieftes Mittel demokratischer Meinungsäußerung.

Im September 2018 pilgerten massenhaft unbescholtene Bürger*innen und Familien in den Hambacher Wald, diskutierten mit vermummten Waldbewohner*innen über die Vorzüge der Anarchie und setzten deutliche, zivil ungehorsame Zeichen für Klimaschutz. Genauso werden auch in diesem Sommer zahllose Menschen ihre Stimme erheben, sich mit ihren Körpern in den Weg stellen und bei „Ende Gelände“ Flagge zeigen. Auch Familien, Kinder, Omas und Opas werden dabei sein, denn sie alle haben im letzten Jahr deutlich erlebt, von wem damals (wie heute) die Gewalt ausging.

Die Klimagerechtigkeitsbewegung, bestehend aus den Menschen vor Ort, Umweltverbänden, Bürger*innen-Initiativen und zahllosen anderen Organisationen, wehrt sich gegen falsche und fatale Weichenstellungen der Politik. Menschen haben bereits gemeinsam hunderte Kohlekraftwerke verhindert oder zum Abschalten gezwungen und verlangen den Ausstieg aus dem Kohleabbau. Sie fordern von der Politik jetzt rasches Handeln. „Demonstrieren reicht nicht mehr, der Kohleausstieg bleibt Handarbeit“, sagt eine Aktivistin, die ihre Teilnahme bei „Ende Gelände“ inklusive friedlichem Körpereinsatz schon fest eingeplant hat.

Schon seit dem Klimagipfel 2015 ist klar: Fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas haben ausgedient. Der Großteil dieser vermeintlichen Ressourcen muss im Boden bleiben, da ihre Verbrennung die Hauptursache des globalen Klimazusammenbruchs ist. Dieser verursacht schon heute Dürren, Hunger, Artensterben, Wetterextreme und Überflutungen. Bereits jetzt zwingen diese Entwicklungen Menschen zur Flucht, weil ihre Herkunftsregionen unbewohnbar werden.

Die Politik muss Klimaschutz und nachhaltigen Strukturwandel auf Bundes- und Länderebene umsetzen. Jedoch geben dort noch immer die Konzerne den Ton an, die von den fossilen Energien profitieren. Trotz der bereits heute unerbittlich spürbaren Klimaveränderung und gegen alle Proteste halten die Energieversorger unbeirrt an der Kohleförderung und -verstromung fest. Politisch wird dementsprechend nach wie vor viel zu wenig und oft das Falsche getan: Die geplante „Klimaabgabe“ für die dreckigsten Kraftwerke wurde auf Druck der Kohlelobby zurückgenommen und der Ausbau der erneuerbaren Energien soll noch weiter gebremst statt beschleunigt werden.

Die Aachener Klimagerechtigkeitsbewegung unterstützt und bestärkt „Ende Gelände“ und ruft alle Menschen vom 19. bis zum 24. Juni 2019 zur Teilnahme an den friedlichen Aktionen des zivilen Ungehorsams auf. Wer nicht selbst in die Grube, auf einen Kohlebagger oder Gleise klettern kann oder will, soll seine Solidarität anders deutlich machen, Menschen überzeugen und andere Protestaktionen unterstützen – in der Region bleibt das Thema immer aktuell. Zahlreiche Gruppen streiten mit den verschiedensten Mitteln für den Schutz unseres Klimas und gegen die größten Klimakiller wie beispielsweise RWE. „Jede und Jeder findet die richtige Protestform – und alles, was friedlich ist, ist aus unserer Sicht erlaubt“, so Lea Heuser von Fossil Free Aachen.

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