Money, it’s a crime

Geld ist destruktiv. Das kapitalistische System mit seiner immerwährenden Erwartung von Wachstum macht Menschen und Konzerne gierig und rücksichtslos. Für Diejenigen, die bereits mehr als genug Geld haben, ist noch mehr Geld zu verdienen offenbar viel reizvoller, als mit ihrem vorhandenen Geld etwas Sinnvolles anzustellen oder zu Gunsten unseres Lebensraums und des Klimas einfach mal auf die Ausbeutung des Planeten zu verzichten. Wenige, die längst im Reichtum schwimmen, vergrößern ihr Polster immer weiter, während die Armen mehr und ärmer werden, Natur vernichtet wird und vermeintliche „Ressourcen“ zur Neige gehen, die wir eigentlich besser nie angetastet hätten.

Aber es geht auch kleinteiliger und weniger pathetisch. Geld ruiniert seit Monaten meine Wäsche. Klingt komisch, ist aber so.

Es begann damit, dass meine Waschmaschine immer widerwilliger schleuderte. Die Trommel lief unrund, holperte und schlug bisweilen richtig heftig von innen an ihr Gehäuse. Ich machte mir Vorwürfe, weil ich bei meinen mittlerweile zwei Umzügen mit dieser Maschine nicht darauf bestanden hatte, eine Transportsicherung zu benutzen. Vermutlich war einfach die Federung der Trommel hinüber und bald würde sich das Lager des Motors verabschieden. Erschwerend kam hinzu, dass die waschmaschine im Keller oft herumgeschoben wurde und deshalb nie ganz stabil stand, weil ich nicht ständig die Füßchen neu justierte. Je wackeliger sie stand, desto weniger Bock hatte sie aber auf Schleudern. Irgendwann gewöhnte ich mir an, vor Beginn des Schleuderns jedes Mal in den Keller zu rennen, um meine Waschmaschine festzuhalten. Wenn ich sie so stabilisierte, schleuderte sie meist anstandslos. Kümmerte ich mich nicht mit dieser Hingabe um die Maschine, brach das Schleudern nach immer kürzerer Zeit ab, das ganze Waschprogramm blieb stehen und musste neu gestartet werden.

In den letzten Wochen machte plötzlich auch das Abpumpen Probleme. Erst dachte ich, die Wäsche käme wegen des halbherzigen Schleuderns so nass aus der Maschine. Irgendwann stellte ich jedoch fest, dass schlicht nicht mehr alles Wasser abgepumpt wurde. Nach manchen Waschgängen stand das Wasser so hoch, dass die Wäsche in der Trommel mit den unteren ein oder zwei Zentimetern noch in einer Pfütze lag – kein Wunder, dass sie klatschnass war, wenn ich sie rausholte. Vorgestern kulminierte das Ganze dann in einer vollen Ladung Wäsche, die ich in einer mittleren Überschwämmung der zum Glück mit einem Abfluss ausgestatteten Waschküche aus der komplett mit Wasser gefüllten Waschmaschine zog. Die Maschine hatte kein einziges Mal geschleudert sondern einfach nur immer wieder Wasser gezogen, ohne jedoch nennenswerte Mengen abzupumpen. Mehr Wasser passte einfach nicht mehr rein und das Waschmittel war nur stark verdünnt, aber natürlich nicht ausgespült worden.

An diesem Punkt war klar: Ein Reparaturmensch musste her. Eigentlich hatte ich mich schon seit Wochen darum kümmern wollen, es war aber im allgemeinen Chaos immer wieder untergegangen. Nun konnte ich aber nichtmal mehr Waschen, wenn ich die ganze Zeit neben der Maschine stehen blieb und sie im Zweifel festhielt oder neu startete. Das war schon seit Wochen unkomfortabel, aber eben auch nur das. Jetzt ging waschtechnisch gar nichts mehr – schlechte Idee für einen vierköpfigen und zwölfbeinigen Haushalt mit zwei flauschigen Mitgliedern mitten im Fellwechsel. Einen letzten Versuch, das Problem zumindest zu verstehen, wollte ich aber noch unternehmen.

Ich löste den Drehverschluss des Flusenfilters, aber obwohl die Maschine noch immer bis zum unteren Rand der Bullaugentür voll Wasser stand, kam mir nur ein übersichtliches Rinnsal entgegen. Flusen oder anderer Dreck waren auch nur in überschaubarer Menge im Filter. Einfach herausnehmbare Teile des Filters gibt es bei meiner Waschmaschine nicht, also tastete ich vor der Maschine hockend mit den Fingern das Innenleben der Filteröffnung ab. Plötzlich fühlte ich, wie an der oberseite Wasser durch eine kleine Öffnung tropfte. Das ergab Sinn, war schließlich noch sehr viel Wasser im Innenraum der Maschine. Aber was war das für eine Öffnung und wieso kam nur so wenig Wasser durch? Ich tastete gezielter und drückte etwas fester an der Stelle herum. Und auf einmal machte es „Pling“, ein rundes Loch tat sich auf und das Wasser aus der Maschine flutete erneut die Waschküche.

Ein Euro hatte sich in den vom Durchmesser her genau euromünzengroßen Wasserzulauf des Filters geklemmt und in Folge meiner Untersuchungen gelöst. Solange er exakt im Zulauf saß, war er von der Außenwand des Filters taktil nicht zu unterscheiden gewesen. Er hatte, wer weiß wie lange, genau in der Öffnung gesteckt und diese erst nur teilweise, irgendwann aber vollständig blockiert. Die Maschine konnte kein Wasser abpumpen, weil die Leitung dicht war. Ohne Abpumpmöglichkeit ging natürlich auch Schleudern nicht. Solange die Münze schräg saß und den Zulauf nicht ganz verstopfte, hatte meine Waschmaschine sich abgemüht, auch mit Restwasser in der Trommel die extraschwere Wäsche zu schleudern und so viel wie möglich doch irgendwie abzupumpen. Je mehr sich der Euro verkantet bzw. in das größenmäßig exakt passende Loch gefügt hatte, umso weniger Chancen hatte die Maschine aber. Seit die Münze weg ist, wäscht, schleudert und pumpt die Maschine wieder tadellos und statt mindestens 100 Euro für eine Reparatur auszugeben, habe ich sogar einen Euro gewonnen.

Es ist so eine Erleichterung, sich von kapitalistischem Balast zu befreien! 😉 Wenn schon meine Waschmaschine das derartig genießt, wie gut mag es erst der ganzen Welt tun? Und ganz nebenbei ist es großartig, dass sich nicht nur die Reparatur sondern vor allem die schon befürchtete Neuanschaffung erübrigt hat. Neue, barrierefrei bedienbare Haushaltsgeräte zu kaufen, ist für blinde Menschen wie mich heutzutage eine echte Herausforderung, wie Lydia kürzlich in einem sehr guten Blogbeitrag schilderte.

PS: für den Titel dieses Beitrags habe ich eine Zeile aus dem Lied „Money“ von Pink Floyd verwendet.

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4 Gedanken zu “Money, it’s a crime

    1. kommunikatz sagt:

      Vielen Dank Euch Beiden!
      Hm, offenbar bin ich nicht nur tatsächlich sondern auch sprichwörtlich ein bisschen (betriebs-)blind 😉 Bei welchen konkreten Dingen kam die Frage auf, wie ich diese ohne Sehen mache? Ich antworte gern, aber momentan ist mir die Unklarheit nicht klar 🙂
      liebe Grüße
      Lea

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  1. kommunikatz sagt:

    Geldwäsche Teil 2: Gerade purzelte mir aus der Trommel zwischen den frisch gewaschenen Klamotten ein Euro entgegen. Vermutlich war es der gleiche, der sich vorher den Weg in den Flusenfilter gebahnt hatte, nur dass er es diesmal nicht im ersten Anlauf aus der Trommel heraus geschafft hat – gut so 🙂 Ich hatte ihn, nachdem ich ihn zum ersten Mal aus der Maschine befreit hatte, einfach in die Hosentasche gesteckt und dort offenbar vergessen, obwohl ich sonst immer jede Hosen- oder Jackentasche penibel prüfe und entleere, bevor ich Kleidungsstücke in die Wäsche werfe. Diese Euromünze hat offensichtlich eine starke Affinität zur Reinlichkeit und ich bin ein Schussel.

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