Fundraising: Schatzsuche und Beziehungspflege

Meine neue Position als Geschäftsführerin des Welthaus Aachen e.V. stellt mich vor so manche Herausforderung. Eine davon ist das Fundraising, also das Einwerben von Spenden und Sponsor*innen-Geldern. Andere Vereine oder Unternehmen haben dafür ganze Abteilungen oder zumindest eine hauptamtliche Person, die nichts anderes tut, als philanthropische Geldgeber*innen für ihre Organisation zu begeistern. Beim Welthaus bin ich die einzige Festangestellte mit mehr als einem Minijob – da fällt das Fundraising also eindeutig in meinen Aufgabenbereich, ist aber naturgemäß nur ein Thema unter vielen.

Ich bin Kommunikationswissenschaftlerin und halte mich in Öffentlichkeitsarbeit und Storytelling durchaus für erfahren. Dennoch fühle ich mich auf der Suche nach Geld fürs Welthaus ziemlich grün hinter den Ohren. Betteln war noch nie mein Ding – und ja, ich weiß, dass Fundraising eigentlich nichts mit Betteln zu tun hat. Es fühlte sich in der Vergangenheit für mich trotzdem so an – und sehr nötig war es zum Glück nie. Ich war immer in der komfortablen Situation, dass meine Vereine und Gruppen von irgendwoher genug finanzielle Mittel zur Verfügung hatten oder schlicht mit sehr wenig auskamen.

Beim Welthaus ist es nun so, dass die einzigen Einnahmen aus Mitgliedsbeiträgen und Mieten kommen. Die Vereine und Initiativen, die bei uns Mitglieder sind und/oder dauerhaft Räume mieten, sind das eine Standbein. Das Andere sind die Mieteinnahmen für unsere Aula, das Café Mundo und den Garten, die wir für Veranstaltungen, Treffen und Feste aller Art vermieten. Alle Beiträge und Mieten im Welthaus sind niedrig. Das liegt auf der einen Seite daran, dass es ziemlich unrealistisch wäre, für die Nutzung dieses architektonisch beeindruckenden aber recht ranzigen und sanierungsbedürftigen Schulgebäudes von 1951 mehr zu verlangen. Auf der anderen Seite ist uns klar, dass unsere Nutzer*innen eh nicht mehr zahlen können,, weil es sich fast durchweg um kleine und ihrerseits genauso finanzschwache Initiativen handelt wie das Welthaus selbst.

Die Mittel des Welthauses reichen so gerade für die Miete, die wir unsererseits an die Stadt Aachen zahlen, die laufenden Nebenkosten und unsere drei Minijobberinnen, die sich um Buchhaltung, Gebäudereinigung und die Buchungen von Aula, Café und Garten kümmern. Das Welthaus trägt sich selbst, aber es ist absolut auf Kante genäht. Größere Projekte wie unsere anstehende Digitalisierungsoffensive in Form einer LAN-Verkabelung des ganzen Hauses könnten uns ohne die ausgeprägte Eigeninitiative einiger Mitgliedsgruppen schon ruinieren.

Und dann komme auch noch ich. Meine Geschäftsführungsstelle wurde neu geschaffen, da meine Vorgängerin diese Aufgabe noch ehrenamtlich übernommen und ihren Lebensunterhalt mit einer halben Stelle bei einem anderen Arbeitgeber bestritten hat. Dieses Konstrukt funktionierte mehr als 20 Jahre lang, aber auf Langfristigkeit angelegt war es nicht. Um die Geschäftsführung zu verstetigen und auf stabilere Füße zu stellen, war die Schaffung einer hauptamtlichen Stelle mittelfristig unumgänglich. Da ich schwerbehindert bin und recht lange nur freiberuflich tätig war, also keine Festanstellung vorweisen konnte, erfülle ich genug Kriterien für eine Förderung meiner Stelle nach dem SGB II. Die Arbeitsagentur schießt also einen guten Teil meiner Lohnkosten zu – nur leider mit fallender Tendenz. Die auszugleichende Lücke wird also größer und der Druck steigt.

Insofern war von Anfang an klar, dass es eine meiner Aufgaben sein würde, Geld für mein eigenes Gehalt zu akquirieren. Stiftungen fördern aber nur Projektbezogen und schließen Personalkosten häufig von vornherein aus. Viele Großsponsor*innen fallen aus ideologischen Gründen flach – schließlich legt das Welthaus Wert auf Nachhaltigkeit, Fairnes und Viele hier sind auch deutlich globalisierungskritisch eingestellt. Also müssen Kleinspender*innen und nette Unternehmen her, nur woher kommen die denn? Wie finde ich diese Leute und wie spreche ich sie an? Wo und wie streue ich Aufrufe, Imagebroschüren oder -filme? Und woher bekomme ich sowas überhaupt ersteinmal?

Mit all diesen Fragen und Recherchen füllen sich momentan große Teile meiner Vormittage im Welthaus. Richtige Fortbildungen oder Seminare sind zeitaufwändig, logistisch kompliziert und vor allem ihrerseits ein Kostenfaktor. Außerdem weiß ich ja eigentlich schon Einiges. Zielgruppengerecht, motivierend und wertschätzend schreiben kann ich, Selbstdarstellung im Sinne von „Tu Gutes und sprich darüber“ ist für mich kein Problem, egal, ob es um mich selbst oder um einen von mir vertretenen Verein geht. Storytelling, das Menschen begeistert und mitreißt, muss ich vielleicht noch etwas üben, aber das Handwerkszeug dazu liegt in meiner mentalen Bastelkiste.

Das Welthaus braucht außerdem vermeintlich so banale Dinge wie einen Imagefilm, ein Spendenformular oder leicht auffindbare Daten des Spendenkontos und viel mehr aktuelle, persönlich ansprechende Infos auf seiner Webseite. Wie praktisch, dass ich Menschen kenne, die tolle Videos produzieren können, mich mit technischen Hintergrundinfos und strategischen Tips versorgen und gemeinsam mit mir an neuen Ideen herumspinnen. Ich denke, Ihr dürft gespannt sein, wie die baldige, öffentliche Charmeoffensive des Welthauses aussehen wird. Auf jeden Fall wird sie nicht nur aus einem schönen Image sondern auch aus der Ansprache von, Kommunikation mit und pflege der Beziehungen zu Spender*innen auf unterschiedlichen Kanälen bestehen – schließlich suche ich nicht nur einen materiell-finanziellen Schatz sondern vor allem die menschlichen Schätze, die ihn zu geben bereit sind und sich für Ökologie, Nachhaltigkeit, Eine Welt und Migration, Mobilität, Inklusion, Nachbarschaftlichkeit und all die vielen Themen des Welthauses begeistern lassen.

PS: Seid Ihr solche Schätze? Oder kennt Ihr noch ein paar gute Quellen zu Fundraising-Strategien und -Tools? Schreibt mir eine e-Mail an kommunikatz@web.de oder einen Kommentar unter diesen Artikel!

10 Gedanken zu “Fundraising: Schatzsuche und Beziehungspflege

  1. Sunnybee sagt:

    Liebe Lea, sehr informativer und interessanter Artikel, danke! Und ich stimme dir zu: wenn man weiß, wofür man „klappert“, braucht man sich nicht komisch vorkommen! Hast du schon mal an einen Paypal-Spendenaufruf im Rahmen eines entsprechenden Blogartikels gedacht? Lydia von lydiaswelt, deren Blog ich auch regelmäßig lese, hat so schon mal innerhalb eines Monats ca 600€ an Spenden für Blindenlangstöcke gesammelt, die sie Schüler/innen in Togo spenden will. Diesbezüglich kann das Internet offensichtlich auch eine ganz positive Dynamik entwickeln!… Soweit als spontane Idee. Lieben Gruß, Sarah

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    1. kommunikatz sagt:

      Hallo Sarah,
      danke fürs Lob und Mitdenken! Ein Spendenaufruf über mein Blog geistert
      in meinem Kopf herum, aber ich muss noch überlegen, wie ich das mache,
      zumal für so einen Aufruf oder ein Crowdfunding ein konkretes Projekt
      natürlich auch viel besser wäre als ein ganz pauschales „Hilfe, wir
      brauchen Geld!“ 😉 Blindenlangstöcke für Togo, die einzelnen,
      benachteiligten Menschen in ihrem Alltag sehr direkt helfen, sind viel
      anschaulicher und animierender als so ein allgemeines
      Haus-am-Laufen-Halten, auch wenn hier natürlich auch eine Menge
      wichtiger und sinnvoller Dinge passieren, die unsere Mitgliedsgruppen
      nur tun können, wenn das Haus als laufender Betrieb zur Verfügung steht.
      Insofern werde ich das Ganze noch ein bisschen mit Inhalt und Leben
      füllen müssen, damit sich Leute etwas darunter vorstellen können. Ein
      guter Start wäre dafür das Welthausvideo, das mir zwar schon im Kopf
      herumschwebt aber eben noch nicht gemacht wurde.
      Aber guter Reminder, ich schreibe meinem Filmer-Bekannten jetzt gleich
      mal eine Mail.
      liebe Grüße
      Lea

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      1. Sunnybee sagt:

        Oder wie wär‘s mit „W-LAN fürs Welthaus?“ Auch konkret, für jeden verständlich und denjenigen, die dich – und euch – unterstützen wollen, vielleicht auch ein paar Euro wert?🙂
        Ich würde auch da sagen: einfach MACHEN und ausprobieren – mehr als schiefgehen kann‘s ja nicht! Ich habe kürzlich einen Artikel über den Weg zu privatem und beruflichen Erfolg
        geschrieben, den du, glaube ich, auch schon gelesen hast, oder? https://mutter-und-sohn.blog/2019/02/23/grabe-dort-wo-wasser-ist-5-schritte-zu-beruflichem-und-privatem-erfolg/ Ich glaube fest daran, mit wenig Aufwand viel erreichen zu können. Einfach anfangen! Ein tolles Video, und „perfekte“ PR etc. kann sich daraus immer noch entwickeln!🙂
        Lieben Gruß nach Aachen,
        Sarah

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      2. kommunikatz sagt:

        Hallo Sarah,
        Du hast absolut Recht, mit Motivation und einem guten Netzwerk von
        Leuten geht fast alles, und wer nicht wagt, der nicht gewinnt – sagt
        schon eine angestaubt klingende aber so wahre redensart.
        Ja, Deinen Artikel hatte ich gelesen und meiner Erinnerung nach auch
        geliked – Du schreibst darin sehr schön über Vieles, was ich absolut aus
        meiner Erfahrung unterstreichen kann.
        Freies WLAN werden wir tatsächlich bald anbieten, aber mehr als
        Attraktivitätsfaktor fürs Haus und weniger mit dem Hinblick auf Geld.
        Aber klar, einen Spendentopf aufzustellen, hat dann Sinn.
        Es entwickelt sich gerade ganz viel und ich glaube, wir werden mit all
        den guten Ideen in nächster Zeit richtig durchstarten können, auch mit
        Projektanträgen und sowas, weil es richtig gute Ideen und
        Anknüpfungspunkte gibt. Heute Vormittag hatten wir z.B. ein Treffen, auf
        dem wir mit ganz unterschiedlichen Leuten über die Idee einer „Akademie
        der Vereine“ diskutiert haben. Das Welthaus soll ein Kompetenzzentrum
        und Ort der Bildung für Vereine und Initiativen werden, damit diese
        nachhaltig und effektiv arbeiten können, sich vernetzen und gegenseitig
        stärken. Wenn das alles so klappt, geht der Laden bald durch die Decke 🙂
        Ich liebe diese vielen, kreativen Leute.
        liebe Grüße
        Lea

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  2. kommunikatz sagt:

    Wir haben unseren ersten Dauerspender 🙂 Das löst natürlich erstmal kein Problem, aber unsere Spendenkampagne, die bisher nur offline via Flyer und online via Rundmail, Newslettereinträgen verschiedener Mitgliedsvereine etc. gestartet ist, zeigt erste Wirkung – wir sind auf dem richtigen Weg.

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