Arzus Tag

Heute, am 29.01., ist Tag des Blindenführhundes. Bis eben habe ich das selbst nicht gewusst, aber jetzt freue ich mich umso mehr, dass ich heute Abend zusammen mit Horst Boltersdorf von GIPS e.V. zum ersten Mal auch angehenden Ärztinnen und Ärzten etwas über Behinderung und in diesem Fall ganz besonders über den richtigen Umgang mit sinnesbehinderten Menschen und ihren Assistenzhunden erzählen darf.

Wir besuchen eine Veranstaltung von Medizinstudierenden an der RWTH Aachen. Meine Hündin Arzu und ich haben dort die ganz spezielle Aufgabe, dem medizinischen Personal von morgen zu erklären, was die Rechte, Pflichten, Vorzüge und Verdienste von Blindenführhunden sind. Blindenführhunde dürfen überall dort sein, wo sich auch Menschen ohne spezielle Schutzkleidung oder Desinfektion aufhalten dürfen. An Hundepfoten und Hundefell klebt nämlich nicht mehr Dreck als an Straßenschuhen und ungewaschenen Händen.

Nur lebensmittelverarbeitende Betriebe, Intensivstationen und Operationssäle sind wirklich für jeden Hund Tabu. In die öffentlich zugänglichen Teile eines Krankenhauses, auf normale Stationen und in Arztpraxen dürfen Blindenführhunde ganz selbstverständlich mitkommen, denn sie sind in diesem Moment Hilfsmittel und keine Haustiere. Einem Führgespann den Zutritt zu verweigern, gilt als mittelbare Diskriminierung, da der Mensch mit Behinderung wegen seines Hilfsmittels an der gesellschaftlichen Teilhabe und hier vor allem an der medizinischen Versorgung gehindert wird. Eine Stellungnahme aus medizinischer Sicht dazu gibt es hier.

Zum Glück wissen viele Ärztinnen und Ärzte das längst – ich habe tatsächlich bisher nur ein einziges Mal erlebt, dass Arzu in einer Praxis unerwünscht war, und das war bei meiner Hautärztin, die auch Allergologin ist und Patient*innen mit extremen Tierhaarallergien behandelt. Da war mir durchaus klar, dass ein Hund vielleicht nicht unbedingt sein Fell im Wartezimmer verteilen sollte. Alle anderen, von meiner Zahnärztin über meine Gynäkologin und meinen Neurologen bis hin zu meiner Hausärztin wissen, dass Blindenführhunde kein Hygienerisiko sind und lassen mich natürlich auch mit meinem Profiplüschtier in ihre Praxen – anders käme ich dort ja schließlich auch gar nicht ohne Weiteres hin. Einige, vor allem meine Zahnärztin und manche der Arzthelferinnen, sind regelrecht verknallt in mein Monster und begrüßen gerne erst Arzu und danach dann mich 🙂

Aber selbstverständlich ist das ganz und gar nicht. Ich kenne unzählige Geschichten von blinden Menschen mit Führhunden, die achtkantig aus Krankenhäusern und Praxen herausgeworfen wurden, weil das dortige Personal schlicht keine Ahnung hatte. Diese diskriminierenden, beschämenden und oft auch gefährlichen Situationen darf es nicht mehr geben. Niemandem darf medizinische Versorgung oder ein Besuch bei Verwandten oder Freund*innen im Krankenhaus verwehrt werden, nur weil sie oder er ein bestimmtes Hilfsmittel nutzt. Ich freue mich auf die Studierenden und bin mir relativ sicher, dass ich zumindest bei ihnen dafür sorgen kann, dass sie in ihrem späteren Berufsleben keine Patient*innen mehr vor die Tür setzen, nur weil sie ein plüschiges Hilfsmittel bei sich haben.

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7 Gedanken zu “Arzus Tag

  1. kommunikatz sagt:

    Und so schnell kann es gehen: Letzte Woche war ich für ein paar Tage im Aachener Uniklinikum auf der neurologischen Station, da ich einen (zum Glück nur leichten) MS-Schub hatte. Die Pfleger*innen und Ärzt*innen dort waren voll im Bilde und freuten sich sogar über tierischen Besuch auf der 721 🙂 Natürlich hatte ich Arzu angekündigt und sie trug ihre Kenndecke, aber das führte dann auch dazu, dass absolut niemand etwas gegen ihre Anwesenheit gesagt hat. Mein Partner, der sich schon nach dem ersten Besuch zielsicher von ihr zu meinem Zimmer führen lassen konnte, berichtete von sehr vielen interessierten, freundlichen und positiv-erstaunten Blicken auf den Fluren und im Aufzug. Nur, als die Beiden mich wieder abholen durften, waren sie etwas übermütig und sind so in Richtung meiner Station gerannt, dass eine arme, schockierte Ärztin schreiend aus dem Weg springen musste 😉 Sie dachte wohl, das sei die neue Version eines Amoklaufs oder sowas.
    plüschige Grüße von mir und meinem Monsterchen
    Lea

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