Blogparade: Warum ich mit dem Bloggen angefangen habe

Schonwieder eine schöne Blogparade, diesmal von meiner Texterinnen-Kollegin Anna Koschinski. Sie stellt die Frage in den Raum, wie alles begann, also warum und wie Menschen Blogs aufbauen. Bei mir lief das so ab: Aus meiner vergeblichen Jobsuche wurde eine Selbstständigkeit mit Akquise-Homepage, und daraus wurde ein inhaltlich buntes und vielfältiges Blog zu allem, was mich als blinde Kommunikationswissenschaftlerin, Klima- und Friedensaktivistin, chronisch kranke Kifferin, Reihenhausbesitzerin und Autorin schräger Kurzgeschichten so interessiert. Thematisch festlegen können sich gerne die Anderen – ich liebe die Vielfalt!

Mein Blog existiert seit knapp drei Jahren. Warum ich mich zum Bloggen entschied, ist aber eine viel längere und mehrstufige Geschichte. Ich habe schon immer gern unterschiedlichste Texte geschrieben und bin auch schon Jahre vor meiner eigenen Bloggerei den Blogs von Freund*innen, Bekannten oder anderen interessanten Menschen gefolgt. Für ein eigenes Blog fehlte mir aber der thematische rote Faden, also ein Oberthema, unter das sich mein Geschreibsel stellen ließ und zu dem ich kontinuierlich genug Inhalt produzieren konnte. Mich interessierte so Vieles, aber die Themen, die mir für außenstehende interessant genug erschienen, gaben keine kalkulierbar regelmäßigen Aufhänger für Beiträge her.

Alle potentiellen Themen hatten ihre ganz unterschiedlichen Haken: Philosophische Anfälle hatte ich nur alle paar Monate mal, im politischen Bereich hielt ich mich für zu ahnungslos, meine damals laufenden Bemühungen um die Versorgung mit einem Blindenführhund durch Führhundschule und Krankenkasse wollte ich lieber nicht in die Öffentlichkeit posaunen, da ich keine Ahnung hatte, wie rühmlich oder interessant dieser ganze Prozess werden würde, mein Leben war eher ereignislos und das, was mich ansonsten beschäftigte, hielt ich entweder für hochgradig langweilig oder es ging niemanden etwas an. Ich wusste also schlicht nicht, worüber ich schreiben sollte.

Das zweite Problem war die Barrierefreiheit von Blogplattformen. Ich hatte mich in verschiedenen Zusammenhängen ansatzweise mit einigen CMS- und Blogbackends auseinandergesetzt und festgestellt, dass es eigentlich nichts vollständig Barrierefreies gab und dass es unweigerlich ein ziemlich frustrierendes Unterfangen werden würde, sich mit egal welcher Plattform anzufreunden und herumzuschlagen. Darauf wollte ich mich lieber gar nicht erst einlassen und legte die ohnehin unausgegohrene Idee eines eigenen Blogs daher immer wieder auf Eis.

Anfang 2016 motivierte mich mein Partner, mich beruflich zu verändern. Statt weiter erfolglos nach einer Anstellung zu suchen, trat ich in seine Fußstapfen und ging als Texterin und Übersetzerin in die Freiberuflichkeit. Dafür brauchte ich natürlich auch eine Webseite, um mein angebot zu präsentieren und Akquise zu betreiben. Weil es immernoch die einzige mir bekannte halbwegs barrierefreie Lösung war, mit der ich so viel wie möglich selbst machen konnte, entschied ich mich für die Plattform WordPress. Das ging von der technischen Seite her mit ein paar Ausnahmen besser als gedacht, was mir auch einen gewissen Aufwind für die Blog-Idee gab.

Ein halbes Jahr lang nutzte ich das Blog, das ich auf meiner Seite eingerichtet hatte, allerdings erstmal gar nicht. Ich war mir noch immer zu unklar darüber, wie und womit ich es füllen wollte. Eigentlich war meine Homepage ja eine berufliche Angelegenheit und ich hielt es für unseriös, berufliche und private Themen zu sehr zu mischen. Nach vielen Gesprächen und Mailinglistendiskussionen, um andererleuts Meinungen einzuholen und meine eigene Meinung zu reflektieren, platzte dann aber im Sommer 2016 der Knoten.

Warum sollte ich nicht einfach über alles schreiben, das mich interessierte? Warum sollte ich die verschiedenen Themen und Textgattungen nicht einfach durch verschiedene Kategorien innerhalb meines Blogs strukturieren? Die beruflichen Inhalte wie meine Pressearbeit oder Berichte über Projekte konnten ohne Weiteres neben privaten Berichten aus meinem Leben als Aktivistin, Häuslebesitzerin, Führhundhalterin und Musikdilletantin, neben Gedanken über Inklusion, Behinderung und meine chronische Krankheit oder philosophischen Betrachtungen über Zwischenmenschliches und Kommunikation im Allgemeinen stehen. Unter das Label „kommunikatz“ passte das alles irgendwie, inklusive meiner Gedichte und Kurzgeschichten, die ebenfalls eigene Blogkategorien bekamen.

So veröffentlichte ich im Laufe der Zeit nicht nur eigens fürs Blog produzierte Texte oder Nebenprodukte meiner ehrenamtlichen oder beruflichen Aktivitäten sondern nach und nach auch eine Menge älterer, bisher in der digitalen Schublade verstaubender Gedanken und Gedichte. Wer mich als Text- und Kommunikationsdienstleisterin beauftragen wollte, sollte ruhig wissen, wie ich ticke und wofür ich brenne. So war meine Webseite gleich ein Filter, der potentielle Kund*innen mit ähnlichen Interessen auf mich aufmerksam machte und solche mit einem völlig anderen Ansatz abwehrte. Ehrlichkeit, Authentizität und das Spiel mit offenen Karten war mir viel näher als ein durchgestyletes Business-Image – und mit eben solchen Leuten wollte ich auch gern zusammenarbeiten.

Das Bloggen fühlt sich nach wie vor toll und motivierend an. Schreiben macht mir schon immer großen Spaß und ich tue es beinahe als Selbstzweck. Natürlich habe ich Botschaften, Stories und ein Sendungsbewusstsein, aber oft entstehen Blogartikel auch nur aus dem bedürfnis heraus, meine Gedanken zu ordnen. Werbung für mein Blog habe ich eigentlich nie gemacht. Mich gezielt mit anderen Menschen aus der Blogger*innen-Szene zu vernetzen, schien mir viel zu umständlich und passierte daher lange Zeit nicht. Wie Menschen auf meine Texte stießen, warum sie sie gelegentlich mit „like“ markierten oder sogar meinem Blog folgten, war und ist mir eigentlich bis heute schleierhaft. Ähnlich schlecht war und bin ich übrigens mit der beruflichen Akquise. Dennoch baute sich mit der Zeit ein Grundstock an Vernetzung und eine kleine aber feine Leser*innenschaft auf, ich nutzte Twitter, um meine Texte zu verbreiten und alles wurde irgendwie zum Selbstläufer.

Nun steht bei mir die nächste größere Veränderung ins Haus. Aus meiner jetzt fast dreijährigen Selbstständigkeit verabschiede ich mich Anfang 2019 zum Teil wieder in ein Angestelltenverhältnis, wenn auch nur mit einer halben Stelle, was mir die Fortsetzung der Freiberuflichkeit auf Sparflamme erlaubt. Wie sich das auf mein Blog auswirken wird, kann ich noch nicht absehen. An Ideen mangelt es mir nach wie vor nicht, allerdings könnte Zeit und Muße für die Art von Texten, die ich bisher veröffentlicht habe, zur Mangelware werden. Vielleicht hat das aber auch nur den durchaus wünschenswerten Effekt, dass meine Texte kürzer werden und nicht immer so ausufern. Vielleicht veröffentliche ich auch einfach seltener Beiträge oder alles bleibt gleich. Nicht nur Ihr werdet Euch überraschen lassen müssen – ich weiß selber noch nicht, wohin der Wind mich wehen wird 🙂 nur eins ist klar: Es bleibt spannend, vielfältig und bunt!

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2 Gedanken zu “Blogparade: Warum ich mit dem Bloggen angefangen habe

  1. Sunnybee sagt:

    Ja, bleibt spannend!…🙂 Und interessante Blogparade, auf die ich hier gerade über deinen Beitrag stoße. Vielleicht mache ich da auch mit. Ein Thema, das mich echt interessiert und wovon ich bis vor kurzem gar nicht wusste, wie es (praktisch) möglich sein sollte: Bloggen ohne (oder nur mit geringer) Sehkraft – da habe ich durch dich oder auch durch Lydias von https://lydiaswelt.com auch schon wieder was dazugelernt!🙂 Lieben Gruß, Sarah („Sunnybee“)

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