#NassGegenHass: Flashmob für Seenotrettung

Am heutigen Samstag präsentierte sich Passantinnen und Passanten rund um den Aachener Kugelbrunnen ein ungewöhnliches Bild; rund 50 Personen übergossen sich am frühen Nachmittag zunächst mit Wasser und blieben anschließend reglos auf dem Boden liegen. Damit symbolisierten sie die vielen Ertrunkenen im Mittelmeer, die auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Armut zunehmend rücksichtslos ihrem Schicksal überlassen werden.

Mit der Protestaktion #NassGegenHass hatten erstmals Studierende der HFF München vergangene Woche gegen die Flüchtlingspolitik der CSU protestiert. Anlass war ein öffentlicher Auftritt des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er und die Anwesenden sollten so mit der furchtbaren Situation auf dem Mittelmeer konfrontiert werden, wie nun auch die Aachener Bevölkerung.

Laut IOM (Internationale Organisation für Migration) starben in diesem Jahr bereits 1.492 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Seit Wochen wird die, ohnehin schon zivilen Organisationen überlassene, Seenotrettung auf dem Mittelmeer blockiert und kriminalisiert. Dies führte dazu, dass allein im Juni 2018 laut IOM 629 Menschen ertranken, ungefähr so viele, wie in den ersten fünf Monaten des Jahres zusammen. „Das ist schon längst weit mehr als unterlassene Hilfeleistung. Das ist kaltes, gezieltes Sterbenlassen, unvereinbar mit den Menschenrechten und dem Seerecht“, kommentiert eine Aktivistin die aktuelle Situation.

Organisiert wurde die Aachener #NassGegenHass-Aktion von der Seebrücke Aachen. Die Seebrücke ist eine Bewegung aus der Zivilgesellschaft, die sich gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung wendet. Die Aktiven sehen es darüber hinaus als ihre menschliche und politische Verantwortung, sich für sichere Fluchtrouten und eine menschenwürdige Aufnahme von geflüchteten Menschen einzusetzen. Der Flashmob in der Aachener Innenstadt fand im Rahmen des europaweiten Aufrufs zum „Day Orange“ der Seebrücke am 04.08. statt. Engagierte Bürgerinnen und Bürger zeigten an diesem Tag mit Kundgebungen, Aktionen und orangener Kleidung ihre Solidarität mit Flüchtenden und Seenotrettungsorganisationen.

Bereits letztes Wochenende waren 1.200 Aachener Bürgerinnen und Bürger einem Aufruf der Seebrücke gefolgt und hatten mit dieser großen Demonstration eine deutliche Botschaft gegen die Kriminalisierung von Seenotrettung auf die Straße getragen. Unterstützt wurde die Seebrücke-Demonstration u.a. von der UWG Aachen und der Partei DIE LINKE Städteregion Aachen, aber auch von einer Vielzahl weiterer Gruppierungen und Verbände wie beispielsweise dem Aachener Friedenspreis e.V.

Das Bündnis will nicht schweigend zusehen, wie tausende Menschen im Mittelmeer ertrinken und Europa sich weiter abschottet. Daher fordert die Seebrücke Aachen Oberbürgermeister Marcel Philipp dazu auf, sich dem gemeinsamen Appell zur Flüchtlingshilfe der Kölner Oberbürgermeisterin und der Oberbürgermeister aus Bonn und Düsseldorf anzuschließen. Im Schreiben der Stadtoberhäupter an Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel heißt es: „Wir wollen ein Signal für Humanität, für das Recht auf Asyl und für die Integration Geflüchteter setzen“. Weiterhin erklären sie: „Bis eine europäische Lösung mit allen Beteiligten vereinbart ist, ist es dringend geboten, die Seenotrettung im Mittelmeer wieder zu ermöglichen und die Aufnahme geretteter Menschen zu sichern. Unsere Städte können und wollen in Not geratene Flüchtlinge aufnehmen […]“.

Bereits auf der Seebrücke-Kundgebung am 28.07. wurde der Aachener OB von den Demonstrierenden lautstark aufgefordert den Appell der drei Rheinstädte mitzutragen. Dazu hatte ihn auch vergangenen Dienstag als erste Aachener Stadtratsfraktion die Ratsfraktion DIE LINKE in einem offenen Brief aufgefordert. Die Aachener Bürgerinnen und Bürger sind dringend aufgerufen, dieser Aufforderung durch das Mitzeichnen der Seebrücke-Petition Nachdruck zu verleihen:

Ein Gedanke zu “#NassGegenHass: Flashmob für Seenotrettung

  1. kommunikatz sagt:

    Mein erster Entwurf dieser Pressemitteilung begann mit dem Satz „Nein, den Menschen war nicht einfach nur zu heiß“, aber das war der Seebrücke verständlicherweise nicht seriös genug. Passend wärs bei den heutigen 36°C trotzdem gewesen.

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