James Pond

IMG_4971Als wir unser Haus zum ersten Mal besichtigten, besichtigte eigentlich ich mit meinem Vater das Haus und mein Partner mit den Hunden den Garten. Während ich noch abwägte, haderte und zauderte, hatte sich der Engländer längst in die alten Bäume und die Miniwildnis verliebt. Ein bisschen habe ich das Gefühl, ihm und den Hunden einen Garten und nur mir selbst ein Haus gekauft zu haben, weshalb ich auch die Einzige zu sein scheine, der die anhaltende Baustellenatmosphäre drinnen langsam auf die Nerven geht. Der Garten hat aber zweifellos eine verdammt hohe Aufenthaltsqualität. Die hatte er schon, bevor mein Partner anfing, sich kreativ dort auszutoben, aber mittlerweile wurde der Garten um so viele Details ergänzt, dass aus der Wildnis eher ein Abendteuerspielplatz für Erwachsene geworden ist.

Alles begann mit einer alten Thuja. Sie stand direkt neben der Terrasse und ihre mächtigen Wurzeln fingen bereits an, die Blausteinplatten anzuheben. Irgendwann hatte jemand den armen Baum quasi auf halber Höhe gekappt, so dass er völlig unförmig war, relativ zufrieden schien er aber dennoch zu sein. Wir hatten einen Schwur geleistet, keinen Baum aus dem Garten zu entfernen, allerdings betraf bei näherer Überlegung dieser Schwur nur den oberen Teil des Gartens mit der Himalayazeder, der Tanne, der Eibe und dem Kirschbaum. Die arme, verunstaltete Thuja, die sich anschickte, unsere Terasse kaputtzumachen, wurde also zur Verhandlungsmasse mit den Nachbarn, die sich auf ihrer Terasse etwas Sonne wünschten. In einer gemeinsamen Beratungsrunde am Gartenzaun beschlossen wir, die Thuja zu attackieren. Es war kurz vor der Nistsaison, wir mussten uns also beeilen, wenn wir keinem Vogel seinen Nistplatz klauen wollten.

Übrig blieb ein etwa 1m hoher, unglaublich harziger Baumstamm und eine erstaunlich große Fläche rundherum, die die ausladenden Äste zuvor verdeckt hatten. Aber nicht nur Jahre lang unberührter Boden wurde sichtbar: Auch Pflanzen, die im Schatten der Thuja ein Nischendasein gefristet hatten, blühten plötzlich auf. Für den zum Vorschein gekommenen Blauregen entstand kurzerhand eine beinahe die ganze Terrasse überspannende Rankhilfe aus alten Stahlseilen. Ich ließ mir mehrfach das Versprechen geben, dass die Pflanze nicht bis an die Hauswand gelangen würde, da Blauregen Bausubstanz zerstören kann. Mich überzeugte aber die Tatsache, dass Stahlseile sich bei einer derartigen Gefahr einfach umleiten lassen.

Als alle Thujawurzeln ausgegraben oder zumindest durchtrennt waren, damit die Terrasse keine weitere Untergrabung befürchten musste, war mein Partner so in seinem Element, dass er einfach weiter buddelte. Die Idee eines Teichs war geboren – und damit auch sein neuer Name: James Pond.

IMG_5898Der Agent auf geheimer Mission grub sich durch massenhaft Lehm, Bauschutt und Feuersteine. Zwischen der Trockenmauer des Steingartens, dem Thujastamm und der Terrasse entstand im Laufe der nächsten Tage ein ca. 60cm tiefes und im Durchmesser etwas mehr als 1,5m großes Loch. Zeitweise ähnelte es einem Tagebau mit angrenzender Abraumhalde, einer kleinen Sophienhöhe aus Lehm und Steinen. Ein Reststück Teichfolie, darunter als Schutzschicht die alte Trittschalldämmung des Laminats, das wir zuvor in einem wegen der früheren Tapetenfarbe „Puff“ genannten Zimmer entfernt hatten, einige der im Überfluss vorhandenen Steine als Stabilisierung und Kaschierung des Folienrands: Fertig war der Teich. Da es leider nicht genug regnete, füllten wir ihn mittels Gartenschlauch. Nach und nach wurde er mit ein paar Wasserpflanzen bevölkert, eine kleine, durch ein Solarmodul auf dem Thujastamm betriebene Pumpe versorgte das Ganze mit Bewegung und Sauerstoff.

41378479100_9324d46b38_kIch wollte es nicht übertreiben und erteilte meinem Partner ein Fischkaufverbot. Als Agent H2O wenige Tage später mit fünf Bitterlingen in einer wassergefüllten Plastiktüte vor mir stand und mir eröffnete, diese Fische fräßen Mückenlarven und wenn wir sie nicht in den Teich setzten, würden wir bald von Mücken zerstochen, konnte ich dem allerdings argumentativ wenig entgegensetzen. Die unscheinbaren, heimischen Fischlein schwimmen nun also ganz zufrieden in unserem Teich herum und mampfen die reichlich anwesenden Larven weg.16241287138_a3b5d7f79d_k

Ein Bitterling. Foto credit: Creative Commons: https://www.flickr.com/photos/ajc1/

Was leider niemand einfach so wegmampfen konnte, war der Lehmhaufen. Anstatt sich darum zu kümmern, widmete James Pond sich aber zunächst neuen Projekten: An einem öffentlichen Weg um die Ecke war ein toter Baum mit sehr hartem Holz gefällt worden und da wir ja irgendwann vielleicht einen Kaminofen haben werden, schleppte er massenweise Holz in unseren Garten. Baumstücke wurden zerhackt und aufgestapelt, aber natürlich blieb es nicht dabei. Aus einigen Stücken und ebenfalls reichlich vorhandenen, irgendwann mal irgendwo geretteten Planken entstanden alle möglichen nützlichen Dinge. Die Idee war ein Vogelhäuschen. Die Ergebnisse waren ein Vogeldach auf einem langen, gegabelten Ast und ein Vogeltisch auf einem ebensolchen Ast, der oben drauf eine Wasserschale und einen Korb montiert hat. Weitere Produkte waren ein lebensgefährlich instabiler Sitz für unsere improvisierte Schaukel am Kirschbaum, eine kleine, rustikale Sitzbank am Ufer des Teichs und – tadaa! – nachdem der Lehmberg nach und nach unter den großen Bäumen im hinteren Teil des Gartens verteilt und durch frische Erde ersetzt war, entstand aus dünneren Ästen eine wunderschöne Einfassung für das neue, leicht erhöhte Kräuterbeet neben dem Teich.

IMG_1838Zwischendurch installierten mein Partner und ein Freund Kletterseile in Zeder und Kirschbaum. Eine Hängematte zwischen den beiden Bäumen gab es schon lange. Mittelfristig soll die Zeder auf etwa 10m Höhe eine Plattform bekommen – als Hommage an den Hambacher Wald und zusätzlicher Abenteuerfaktor. Als Kletterübungsgelände eignet sich unser Miniwald genauso gut wie als Ort zum Chillen. Nur über den Aspekt der Barrierefreiheit werden wir nochmal diskutieren müssen. Momentan besteht die Barrierefreiheit nach James Pond darin, dass keine Barriere einen davon abhält, in den Teich zu fallen.

16 Gedanken zu “James Pond

  1. kommunikatz sagt:

    Alle Fische haben den Winter überstanden 🙂 Die Goldfische waren wohl offensichtlich und aktiv genug, dass James Pond sie nie wirklich aus den Augen verloren hatte, aber die Bitterlinge haben sich bis heute versteckt. Wir hatten uns schon Sorgen gemacht, aber jetzt sind alle wieder an Bord – was für ein unpassendes Bild 😉

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  2. kommunikatz sagt:

    Der Trend geht zum Zweitteich… Ein Nachbar schenkte meinem Partner kürzlich eine Teichwanne, die er nicht als Zweitteich bei sich im Garten verbuddeln durfte, weil seine Partnerin fand, dass ein Teich reichen muss. Ich war leider nicht so durchsetzungsstark bzw. habe wohl einfach schon aufgegeben. Die Wanne ist jetzt direkt neben unserem schon bestehenden Teich im Boden versenkt und hat das halbe Kräuterbeet verdrängt… Zum Glück gibt es drumherum eine Art kleinen Erdwall, so dass zumindest die Gefahr, hineinzufallen, relativ begrenzt ist…

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