Städteregion Aachen verkauft RWE-Aktien und Divest heißt jetzt Fossil Free

Die Städteregion Aachen hat das teilweise Divestment aus dem Strom-Dinosaurier RWE beschlossen. Mit ihrem Haushalt für das Jahr 2018 legte sich die schwarz-grüne Regierung des früheren Kreis Aachen auf einen Verkauf eines Drittels ihrer bis dato rund 550.000 RWE-Anteile fest und trennt sich damit von Aktien im Wert von rund 4,5 Mio Euro. Für die Klimaschutz-Aktiven von Fossil Free Aachen ist der Beschluss ein langersehnter Teilerfolg. Mit zahlreichen Lobby-Gesprächen und öffentlichen Aktionen versuchte die Gruppe schon lange, die Städteregion davon zu überzeugen, Klimaschutz ernst zu nehmen und dem Kohleriesen RWE die Unterstützung zu entziehen.

„Das ist ein kleiner Grund zum Feiern“, freut sich Lea Heuser, Sprecherin der Initiative Fossil Free Aachen. „Seit Anfang 2016 haben wir, damals noch unter dem Namen Divest Aachen, die Städteregion zum Divestment aus RWE aufgefordert“, erklärt sie. „Wir freuen uns sehr, dass unser Impuls nun endlich aufgegriffen wurde und die Grünen in der Städteregion die CDU überzeugen konnten, eine Trennung vom Klimakiller RWE einzuleiten.“

Mit den Erlösen aus dem Aktienverkauf will die Städteregion u.a. Den sozialen Wohnungsbau fördern und den Strukturwandel in der Region vorantreiben. Das sind aus Sicht der Klimaaktiven hervorragende Entscheidungen. „Je schneller Deutschland aus der Kohle aussteigt, umso schneller müssen für das  Rheinische Braunkohlerevier neue und nachhaltige Perspektiven geschaffen werden. Die Arbeiter*innen der Region brauchen zukunftsweisende Richtungsentscheidungen, doch diese werden von RWE selbst seit Jahrzehnten blockiert“, sagt Heuser. Fossil Free Aachen fordert nun nachdrücklich, auch die restlichen zwei Drittel der Aktien baldmöglichst abzustoßen. „Wir unterstützen die Grünen im Städteregionstag voll und ganz in dem Vorhaben, ihren Koalitionspartner von einem möglichst baldigen, vollständigen Divestment zu überzeugen. Den Konzern nicht weiter durch Aktienbeteiligungen künstlich am Leben zu erhalten, wäre ein Schrittin die richtige Richtung. Die Region gleichzeitig auf eine Zeit nach RWE vorzubereiten, macht es zu einer Runden Sache“.

Der Stromkonzern RWE betreibt den gesamten Braunkohleabbau im Rheinischen Revier sowie zahlreiche, teils besonders alte und dreckige Braunkohlekraftwerke. Der Konzern will die Nutzung der nach CO2-Ausstoß pro erzeugter Kilowattstunde klimaschädlichsten Art der Stromerzeugung noch weit in die Zukunft verlängern, sogar mit Kraftwerksneubauten. Auf politischer Ebene wird derweil um den Zeitpunkt eines vollständigen Kohleausstiegs geschachert. Wegen der dramatischen, durch den Treibhauseffekt verursachten Erderwärmung müsste dieser innerhalb der nächsten 10 Jahre abgeschlossen werden. Doch noch immer werden für den Tagebau Wälder gerodet, Menschen enteignet und Dörfer umgesiedelt, während die Abgase der Kraftwerke nicht nur durch CO2 das Weltklima zerstören, sondern auch die Luft der Region durch Feinstaub, Quecksilber und andere Gifte belasten.

Passend zu dem Umstand, dass sowohl Stadt als auch Städteregion nun endlich den Weg des Divestments eingeschlagen haben, hat sich die Gruppe Divest Aachen in Fossil Free Aachen umbenannt. „Wir hatten die Idee schon länger, da wir uns thematisch breiter aufstellen und um mehr Aspekte des Klimaschutzes kümmern wollten, aber diese Steilvorlage können wir uns nun wirklich nicht mehr entgehen lassen“, sagt Heuser mit einem Augenzwinkern. Die Initiative ruft neben den Mitgliedern des Städteregionstags auch weiterhin alle Institutionen und Einzelpersonen dazu auf, fossilen Energiekonzernen den gesellschaftlichen Rückhalt zu entziehen, indem sie nicht in fossile Energien investieren. Divestment ist das Gegenteil von Investment und bedeutet hier, sich von Aktien der Kohle-, Öl- und Gasindustrie zu trennen.

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