Aachener Friedenspreis 2017: Auszeichnungen für Jugendnetzwerk und sizilianische Bewegung gegen Rassismus und Militarismus

Die Mitglieder des Aachener Friedenspreis e.V. haben entschieden. Auf ihrer Versammlung am 28.04.2017 wählten sie zwei Gruppierungen, die am 01.09.2017, dem internationalen Antikriegstag, den Aachener Friedenspreis erhalten. Ausgezeichnet werden dieses Jahr die Initiative No MUOS und das Jugendnetzwerk für Politische Aktion JunepA.

 

No MUOS kämpft seit 2009 für eine Entmilitarisierung Siziliens mit seinen zahlreichen US- und NATO-Stützpunkten und insbesondere für eine Schließung der Radar- und Sendeanlagen des neuen Satellitenkommunikations-Systems Mobile User Objective System (MUOS) auf einem US-Militärstützpunkt. Die gesellschaftlich breit getragene Gruppe kritisiert, dass das Satellitenkommunikations-System MUOS mit seinen Überwachungs- und Aufklärungstechnologien sowohl den Weltfrieden als auch die Umwelt und die Gesundheit der einheimischen Bevölkerung bedroht.

 

Mit verschiedenen Protestformen wehrt sich die Bewegung gegen die italienischen, US-amerikanischen und NATO-Militärstrukturen auf Sizilien, die sowohl in Kriegseinsätze als auch in die tödliche EU-Migrationspolitik eingebunden sind. Sie streitet und demonstriert dagegen, Sizilien als Vorposten einer hochtechnologisierten Vergrenzung und Militarisierung des Mittelmeeres auszubauen. Stattdessen tritt No MUOS für Frieden und Völkerverständigung ein, um das Mittelmeer als einen lebendigen Raum des Austauschs zu erhalten.
Die Verleihung des Aachener Friedenspreises an No MUOS soll die Gruppe durch Solidarität und öffentliche Aufmerksamkeit in ihrem Widerstand bestärken und ein Zeichen gegen die zunehmende Entfesselung von Kriegen setzen. Mehr Informationen zur Gruppe No MUOS  finden Sie unter http://www.nomuos.info

 

Die zweite Preisträgerinitiative ist das 2013 gegründete Jugendnetzwerk für politische Aktion (JunepA) aus Deutschland. JunepA ist eine Vernetzungsplattform junger Menschen und sieht seine Aufgabe in der Koordination vielfältiger, kreativer Aktionen zur Herbeiführung eines politischen Wandels. Neben vielen über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Einzelpersonen besteht JunepA aus den 3 Regionalgruppen Südwest, Lüneburg und Berlin.

 

Bereits seit 3 Jahren beteiligt sich JunepA an Blockadeaktionen am Atomwaffenstützpunkt Büchel. Spektakulär und von großem Medienecho begleitet war ihre Blockade- und Go-in-Aktion im September 2016. Sie blockierten Zufahrten, besetzten eine Startbahn und legten durch weitere Sitzblockaden und Barrikaden mit nur 30 Aktiven die gesamte Militäranlage lahm. Die Aktionen am Fliegerhorst Büchel richten sich nach Aussage der Aktiven gegen die Existenz von Atomwaffen, die immer eine unberechenbare Gefahr für die Menschheit darstellen. Mit ihrem zivilen Ungehorsam wollen sie Sand im Getriebe der Kriegsmaschinerie sein. Für 2017 plant JunepA neben erneuten Protesten in Büchel eine Aktion gegen Waffenproduktion und -exporte vor einer Waffenfabrik von Rheinmetall. Der Konzern liefert unter anderem Waffen an menschenrechtsverachtende Staaten und in Kriegs- und Krisengebiete. Darüber hinaus ist eine Teilnahme an den Protesten zum G20-Gipfel sowie Protest gegen einen Castortransport geplant.

 

Im März 2015 besetzte JunepA den Truppenübungsplatz Altmark (GÜZ) und traf dort auf die letztjährigen Aachener Friedenspreisträger*innen von der BI Offene Heide. Aber auch eine Blockade des G7-Gipfels in Bayern, die Blockade der Brennelementefabrik Lingen, eine Banner-Aktion zum Pariser Klimagipfel an der Berliner Siegessäule im Dezember 2015 und die Beteiligung bei den Ende Gelände Protesten in der Lausitz im Mai 2016 gehören zu den Erfolgen des Netzwerks. Diese Liste ist bei Weitem nicht abschließend. Die jungen Aktivist*innen des Netzwerks sind mit ihren kreativen Formen des zivilen Ungehorsams immer dort, wo es brennt und wo es den Finger in die Wunden der heutigen Zeit zu legen gilt. Das beschränkt sich nicht auf den Einsatz für Frieden sondern umfasst beispielsweise auch den Klimaschutz. JunepA schlägt Brücken zwischen all diesen Themen und macht klar: Klimazerstörerische Braunkohle, Freihandel oder Atomkraft gefährden unseren Lebensraum und Frieden genauso wie Atomwaffen und Rüstungsexporte. Mehr über die Motivation und Aktivitäten der Gruppe sowie Fotos ihrer Aktionen finden sich unter http://junepa.blogsport.eu/

 

Der Aachener Friedenspreis soll das Netzwerk in seinen Aktivitäten bestärken und unterstützen. Der Preis möchte Motivation für viele weitere junge Menschen sein, sich politisch zu engagieren und friedlich für eine bessere Welt zu kämpfen.

 

Der Aachener Friedenspreis zeichnet seit 1988 jährlich am 1. September eine oder zwei Personen oder Gruppen aus, die sich für Frieden und Dialog einsetzen. Verliehen wird der Preis von einer Bürgerinitiative aus der Aachener Bevölkerung. Jedes Jahr entscheiden die Mitglieder des Aachener Friedenspreis e.V. gemeinsam darüber, wer aktuell besonders auszeichnungswürdig ist und wem der Preis durch öffentliche Aufmerksamkeit Schutz und Unterstützung bieten kann. Dotiert ist der Preis lediglich mit jeweils symbolischen 1000 Euro.

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