Schweigen im Walde

Wie, kein Neujahrsgruß und kein Lamento über all die Entwicklungen, die der Welt 2017 drohen, nachdem 2016 schon so ein Desaster war? Nein, ich spare mir das. Über die zurückliegenden und bevorstehenden Desaster lassen sich genug Menschen aus, die das wesentlich informierter und hintergründiger tun können als ich. Ich lese solche Dinge, aber schreiben möchte ich sie nicht.

 

Ich feiere auch keine seltsamen Anlässe wie Weihnachten oder Silvester, also vergesse ich auch aus Prinzip meistens, anderen Menschen schöne Feiertage oder ein frohes neues Jahr zu wünschen. Warum ich Weihnachten nicht feiere, erschließt sich vielleicht leichter: Ich bin Atheistin, kann nichts mit Kitsch aller Art anfangen und lehne den Konsumismus ab, der vor Weihnachten seinen alljährlichen Höhepunkt erreicht. Ergo verbringe ich die Weihnachtsfeiertage wie jeden normalen Sonntag.

 

Warum ich Silvester nicht feiere, ist auch gar nicht so erklärungsbedürftig, wie es auf den ersten Blick erscheint. Auf der Hand liegt, dass es mit zwei großen Hunden keine gute Idee ist, um Mitternacht draußen das Feuerwerk zu verfolgen. Unsere Beiden sind zwar nicht knallängstlich, aber da sie es auch nicht werden sollen und da ich keinen traumatisierten Führhund gebrauchen kann, halten wir uns von aller Knallerei so fern wie möglich. Zudem ist uns Menschen sowohl unser Gehör als auch unser Geruchssinn wertvoll genug, als dass wir sie nicht mit Lärm und Schwarzpulvergestank ruinieren wollen. Aber auch Silvesterparties drinnen erscheinen mir bzw. uns witzlos. Was feiert mensch da? Der Jahreswechsel ist ein völlig künstlicher, arbiträrer Termin. Ein Geburtstag hat noch einen gewissen Sinn, aber ein so zufällig ausgewählter und genauso zufällig zur Tradition gewordener Termin kommt mir einfach nicht wie ein Anlass zum Feiern vor. Die Sonnenwende zu feiern, hätte noch einen Bezug zu natürlichen Abläufen, was das Konzept nett macht. Aber ich solidarisiere mich nicht mit Rechten, die die Sonnenwendfeiern für einen sonderbaren Germanenkult nutzen – genauso wenig wie mit Anhänger*innen irgendeines Esoquarks.

 

Die meisten Silvesterparties sind sicher irgendwie nett, aber genauso sind sie für viele Menschen mit übersteigerten Erwartungen beladen, die meist enttäuscht werden. Das alles tue ich mir nicht an. Am Silvesterabend haben wir genauso zu Hause rumgehangen, wie wir es meistens tun. Die Hunde freuten sich darüber, dass es bei jedem lauten Knall draußen ein Markerwort und ein Leckerchen gab,, also war der Abend für alle Seiten durchaus gelungen.

Wenn mensch glücklich und zufrieden mit dem ist, was mensch tut, besteht gar kein Bedarf für künstlich mit Bedeutung aufgeladene Fest- und Feiertage. In sich selbst zu ruhen, heißt im Idealfall, kein solches Ventil zu brauchen, sich nicht an irrationalen Glaubenssätzen, jährlich festgelegten Partyterminen oder himmelhohen Erwartungen und Hoffnungen festhalten zu müssen. Es heißt, tatsächlich die Dinge so zu akzeptieren, wie sie sind, mit allen Desastern und schlechten Prognosen. Wir sind ein Teil davon, wir haben einen Sitzplatz in der ersten Reihe, um uns mit Popcorn und Bier die Apokalypse reinzuziehen. Ob das ein Privileg ist oder nicht, mag Ansichtssache sein, aber es zu akzeptieren hilft enorm.

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