Paralysiert

Heute ist kein guter Tag – wirklich nicht. Ich habe Angst vor den Dingen, die ab dem 20. Januar 2017 passieren werden, wenn Trump voraussichtlich als neuer US-Präsident vereidigt wird. Angst ist normalerweise nicht mehr mein Ding – damit hatte ich vor längerer Zeit mal weitgehend abgeschlossen. Aber heute bin ich regelrecht dadurch gelähmt.

 

Es kommt mir so vor, als wären seit der letzten Nacht alle Prognosen und Pläne für politische und sonstige globale Prozesse reine Makulatur geworden. Die Bereiche, die mir am wichtigsten sind, sind durch Trump am meisten gefährdet. Ich habe Angst vor seiner Klimapolitik – oder viel mehr vor seiner Blockade jeglicher Klimaschutzmaßnahmen. Ich habe Angst vor seinem Umgang mit all den Waffensystemen, auf die er Zugriff hat, vor seiner Außenpolitik, vor mehr amerikanischer Einmischung und Kriegstreiberei – noch mehr als in der Vergangenheit. Und ich habe Angst vor den Implikationen, die sein rassistisches, frauenfeindliches und eigentlich so ziemlich jede Randgruppe diskriminierendes Verhalten auf die öffentliche Meinung in den USA haben wird. All diese Dinge sind auch hier für uns relevant. Die unsoziale Sozialpolitik, die er machen wird, macht mir aber genauso Angst, weil sie unglaublich vielen Menschen in den USA schaden wird. Auch solche inneramerikanischen Entwicklungen verändern die Welt und ihr gesamtes Gefüge.

 

Menschen rennen Populist*innen hinterher und handeln damit im Grunde ganz offen gegen ihre eigenen Interessen. Einfach nur, weil ihnen jemand suggeriert, sie würden dadurch die Kontrolle über irgendetwas wieder erlangen. Menschen, die das Gefühl haben, ihnen sei jede Kontrolle und Einflussmöglichkeit entzogen, sind dafür natürlich sehr anfällig. Aber was passiert? Sie zerstören Dinge, von denen sie hätten profitieren können. Sie überblicken ihre eigene Wahlentscheidung nicht und lassen sich von teils wirklich irrsinnig unsinnigen Versprechungen einseifen. Sie sind getrieben von Existenzängsten, die durch ihr eigenes Verhalten noch begründeter werden. Ihr Lösungsansatz ist Hass und Abgrenzung – das Gegenteil von dem, was die heutige Welt braucht. Es werden Sündenböcke gesucht und Feindbilder aufgebaut, anstatt Dialoge zu führen, Einigungen und Gemeinsamkeiten zu suchen. Es werden Mauern gebaut und Grenzen abgedichtet, anstatt sich über Zuwanderung zu freuen, die einen demographischen Wandel ausgleichen könnte. Es werden sogar innerhalb der Gesellschaft Fronten aufgebaut und Gruppen gegeneinander aufgehetzt, einfach nur, um Aggression zu kanalisieren und den Leuten Ventile für ihren Unmut zu geben.

 

Das war in ähnlicher Weise bei der Brexit-Entscheidung in Großbritannien am 23. Juni so. Die US-Wahl ist ein weiterer Beweis: Die Mehrheit der Menschen ist leider zu uninformiert, zu faul und vielleicht sogar zu dumm für funktionierende Demokratie.

 

Die Welt wird immer unberechenbarer, je mehr Populist*innen an die Macht kommen. Aber scheinbar ist das ein Abbild der wählenden Bevölkerungen – anscheinend haben wir nichts besseres verdient.

 

Dennoch ist meine Angst keine Lösung sondern nur eine Reaktion aus der momentanen Hilflosigkeit heraus. Wir müssen ganz akut irgendwie weitermachen und zu allererst einmal abwarten, was ab Mitte Januar passiert. Noch haben wir etwas Zeit und noch kann sich viel tun.

2 Gedanken zu “Paralysiert

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