Schrecksekunde – verdammte Autos!

Normalerweise poste ich nichts im Affekt. Normalerweise geht es in diesem Blog, wenn überhaupt, auch nur um indirektere Aufreger. Da ich heute Nachmittag beinahe überfahren worden wäre, mache ich mit diesem Beitrag eine Ausnahme.

 

Ich war mit meiner Hündin unterwegs – zynischerweise auf einem reinen Trainingsspaziergang ohne Ziel, eigentlich suchte ich nur ein paar interessante Stellen, um mit ihr mal wieder Dinge zu übn, die sie meiner Meinung nach zu selten anwendet und deshalb zu verlernen droht. Dafür überquerten wir auch zweimal an verschiedenen Ampelübergängen eine nicht wahnsinnig breite aber sehr viel befahrene Straße. Wer sich in Aachen auskennt, dem wird die Junkerstraße als Teil des Alleenrings ein Begriff sein – vor allem für Menschen auf Fahrrädern ist diese Straße trotz oder gerade wegen der neuen Radwegführung ein rotes Tuch.

 

Die Trainingsrunde lief gut und wir waren bereits auf dem Heimweg. Arzu führte mich die Junkerstraße aus Richtung Schanz kommend runter in Richtung Lochnerstraße, zeigte mir korrekt die Ampel an und wir warteten darauf, die Junkerstraße zu überqueren. Die Grünphase für Fußgänger*innen ist dort recht kurz und am fließenden Verkehr schlecht herauszuhören, dennoch ist es keine von den wirklich krassen Kreuzungen sondern eine, die ich mir ohne großes Grübeln alleine oder mit Arzu zutraue. Wenn die Autos auf der Junkerstraße vor der Ampel anhalten, dauert es noch knappe 10 Sekunden, bis der Parallelverkehr auf der Lochnerstraße anfährt und gleichzeitig die Fußgänger*innen-Ampel auf grün umspringt. Da ich Sekunden zählen mühselig finde und der richtige Startzeitpunkt ohnehin nicht erkennbar ist, konzentriere ich mich an dieser Stelle rein auf mein Gehör. So kann es passieren, dass ich erst etwas später wirklich sicher bin, dass ich grün habe – und dass meine sehr kurze Grünphase somit auch fast schonwieder vorbei ist, wenn ich losgehe.

 

So muss es auch in diesem Fall gewesen sein. Als Arzu und ich ungefähr in der Mitte der Fahrbahn waren, sprang die Fußgänger*innen-Ampel offenbar wieder auf rot und es kam Bewegung in die Autos um uns herum. Langsame Fußgänger*innen, kurze Grünphasen und Dergleichen sind aber keine Seltenheit und ich erwarte von Autofahrer*innen an einer Ampel eine gewisse Umsicht – im wahrsten Sinne des Wortes. Jednfalls rechne ich nicht damit, plattgefahren zu werden, nur weil ich mich noch auf der Fahrbahn befinde, wenn die Ampel auf rot springt, weil ich sie ja eindeutig während meiner Grünphase betreten habe.

Mit dieser Erwartung war ich anscheinend bei einer der involvierten Personen an der völlig falschen Adresse. Während ich, wie gesagt mitten auf der Fahrbahn, noch ganz entspannt Arzu zum schneller laufen aufforderte, fuhr ein Auto, das rechts von mir auf der gegenüberliegenden Spur an meinem Übergang angehalten hatte, unvermittelt und relativ schnell los. Es fuhr quasi direkt vor Arzus Pfoten und da wir uns in seine Richtung bewegten, war es in dem Moment, als es den Fußgänger*innen-Übergang passierte, höchstens einen knappen Meter von Arzus Nase entfernt. Ich bremste sofort unser Tempo und war heilfroh, dass Arzu sowieso gerade nicht so viel Bock auf schnell laufen gehabt hatte. Das Auto war längst weg und wir erreichten in gefühlter Zeitlupengeschwindigkeit den gegenüberliegenden Bordstein.

 

Dort musste ich erstmal einige Sekunden stehenbleiben und tief durchatmen sowie meine für mich unsichtbare Umgebung mit irritierten und bösen Blicken überziehen. Ich erschrecke mich selten so sehr, dass ich die Adrenalinausschüttung bewusst bemerke, aber diesmal war das eindeutig der Fall. Vor allem ratterte es aber wie wild in meinem Kopf. Wie kann so etwas passieren? Wie unaufmerksam können Menschen in Autos sein, dass sie am hellichten Tag eine kleine aber ausgewachsene Person mit einem mittelgroßen bis großen Hund im auffälligen Blindenführhundgeschirr einfach übersehen?

 

Ich bin schon oft fast überfahren worden, aber dann war es in den allermeisten Fällen meine eigene Schuld oder Fehleinschätzung. Wenn ich hektisch oder unvorsichtig auf eine Straße laufe, auf der der Verkehr relativ zügig fließt, darf ich nichts Anderes erwarten. Hier war die Situation aber eine vollkommen Andere. Die Fußgänger*innen durften über die Straße gehen, die Autos mussten stehenbleiben. Dann durften die Autos losfahren, aber die Fußgänger*innen waren noch nicht mit der Überquerung fertig. Ein langsames und umsichtiges Anfahren wäre vielleicht legitim gewesen, aber blindwütig einfach durchzustarten, wenn mensch vor einem noch frequentierten Fußgänger*innen-Überweg steht, ist an Fahrlässigkeit, Dreistigkeit und Ignoranz kaum zu überbieten.

 

Ich habe keine Ahnung, ob die Fahrerin oder der Fahrer dieses Autos gerade abgelenkt war, auf ein Smartphone guckte, mit einer weiteren Person im Wagen quatschte oder einfach träumte. Das ist mir, wenn ich ehrlich bin, auch völlig egal. Alles, was einen so sehr ablenkt, dass mensch nicht mehr mit seiner Aufmerksamkeit beim Fahren und der umgebenden Verkehrssituation ist, verbietet sich aus Prinzip. Die Bußgelder für die Smartphonebenutzung am Lenkrad und Dergleichen können gar nicht hoch genug steigen. Solche Situationen sind für Fußgänger*innen lebensbedrohlich. Die Weitere Verkehrsteilnahme nach einer solchen Schrecksekunde ist zusätzlich erschwert – ich hatte weiche Knie und mein ohnehin angeschlagener Gleichgewichtssinn war gefühlt komplett außer Betrieb. Zum Glück musste ich danach keine befahrene Straße mehr überqueren sondern konnte ganz gemütlich nach Hause wanken.

 

Wenn Ihr schon unbedingt Auto fahren müsst, tut es bitte rücksichtsvoll und achtet auf Eure Umgebung. Ihr seid in Euren Blechkisten gut geschützt und Euch passiert mit großer Wahrscheinlichkeit nicht so viel, aber Menschen, die Ihr über den Haufen fahrt, weil sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, haben keine Knautschzone und keinen Airbag – die sind einfach direkt platt und entweder schwer verletzt oder gleich tot. Wollt Ihr dieses Risiko wirklich eingehen? Wollt Ihr wirklich mit einer solchen Erinnerung leben, wenn Ihr mal jemanden erwischt? Und das vielleicht nur, weil Ihr gerade eine wichtige SMS lesen oder Pokémon Go spielen wollt… ?

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