Betteltier

Hier ist wieder ein Gedicht aus dem kreativen Herbst 2014 – momentan bin ich lyrisch leider bei Weitem nicht so produktiv, wie ich es vor zwei Jahren war.

 

Betteltier

 

merkst Du,
wie viel Du mir gibst?
oder lebe ich
von Deinen Abfällen?

 

spürst Du mich,
wie ich Dich spüre?
oder bin ich
blinde Passagierin?

 

stört Dich
mein Betteln und Flehen?
oder genießt Du
den treuen Hundeblick?

 

magst Du
meine Geschenke?
oder fällt Dir
warmer Regen in den Schoß?

 

weißt Du,
wie geborgen ich mich bei Dir fühle?
oder sitze ich
als Alb auf Deiner Brust?

 

wie gerne wäre ich
so autark und autistisch wie Du?
Wärest Du gerne,
wie ich, ein Betteltier?

 
PS: Ich habe lange mit diesem Gedicht gehadert, weil ich weiß, wie unkorrekt ich den Begriff „autistisch“ hier verwende. Ich kenne mehrere Autist*innen und weiß dennoch viel zu wenig über das genaue Störungsbild. Was ich in diesem Gedicht mit dem Begriff ausdrücken will, ist die emotionale Unabhängigkeit von anderen Menschen – die mag eine Belastung und eine große Einschränkung sein, manchmal ist sie aber auch beneidenswert.

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