Kurz vor dem Urknall

Hier ist wieder ein Gedicht aus dem Spätherbst 2014. In dieser Zeit war ich offenbar recht produktiv in Bezug auf Lyrik – aber wohl auch nur in dieser Hinsicht, denn die Zeilen dieses Gedichts sprechen eine deutliche Sprache über meine damalige Verfassung oder zumindest über das, was in dem Moment, als ich das Gedicht schrieb, meine Erinnerung bevölkerte.

 

 

Kurz vor dem Urknall

 

alles schreit
alles blinkt
alles kribbelt
alles fordert
alles hetzt
alles treibt
nichts ist genug
nichts ist richtig
nichts erfüllt Ansprüche
nichts befriedigt Bedürfnisse
nichts bereichert
nichts beschleunigt
nichts bringt Fortschritt
es reicht nicht
ich reiche nicht
ich bin zu wenig
ich bin zu dumm
ich bin zu kraftlos
ich bin zu faul
ich muss mich anstrengen
ich muss besser werden
ich muss mehr tun
ich muss beweisen
alles um mich
erhöht den Druck
selbst das Schöne
ist unverständlich
selbst das Entspannte
stellt Forderungen
selbst der Genuss
ist zu schwer
selbst das Einfachste
ist zu kompliziert
die punktförmige Welt
erdrückt mich

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