Authentizität

Lange war ich mir unsicher, ob ich ein Blog auf meiner beruflichen Webpräsenz regelmäßig mit Inhalt füllen kann. Lange dachte ich, ich habe nichts zu erzählen und nichts anzubieten. Eigentlich wusste ich, dass das nicht stimmt, aber ich hatte Angst, mein wildes Konglomerat von Inhalten könnte chaotisch und unprofessionell wirken. Diese Sorge habe ich im Grunde immernoch, aber das stärkste Argument, warum es dennoch richtig ist,, habe ich eben auch.

 

Das Argument ist Authentizität. Natürlich ist es vielleicht ein bisschen schräg, die Art von Texten, die ich in der Kategorie „Gedanken“ poste, auf einer für Akquise und Eigenwerbung konzipierten Webseite zu veröffentlichen. Gleiches gilt für meine Gedichte. Mit beidem gebe ich viel mehr von mir preis, als es die meisten Menschen im beruflichen Kontext jemals tun würden. Und beides kann Menschen abschrecken oder ihnen den Eindruck vermitteln, hier sei eine total verspielte, unprofessionelle Chaotin am Werk. Ja, verspielt bin ich – chaotisch in vielen Dingen auch. Aber bin ich unprofessionell, nur weil ich Menschen an meinen authentischen Gedanken teilhaben lasse? Ist es unprofessionell, sich mit dem, was mensch tut, identifizieren und viel von sich selbst hineinstecken zu wollen?

 

Für mich sind Authentizität und echtes, persönliches Interesse an der eigenen Arbeit Grundvoraussetzungen für Motivation. Einer Arbeit, mit der ich mich nicht identifiziere und die mir keinen Spaß macht, könnte ich nicht dauerhaft nachgehen. Natürlich ergeben sich Erfolgserlebnisse auf einer abstrakteren Ebene auch aus Aufgaben, die ich auf Zuruf für Dritte erledige, ohne selbst daran Freude oder Interesse zu haben. Aber viel schöner und wertvoller ist ein Erfolgserlebnis, wenn es mir auch selber, abseits von der eventuellen Anerkennung Anderer, etwas bedeutet. Ich kann Themen von Auftraggeber*innen zu meinen Themen machen, wenn ich dafür Interesse und Faszination entwickeln kann. Das kann ich für Vieles, aber sicher nicht für Themen, die meinen eigenen Überzeugungen diametral entgegenstehen oder davon zu weit abweichen. Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig und hilfreich, mich hier so echt und unverfälscht wie möglich zu präsentieren. Es erleichtert potentiellen Auftraggeber*innen die Einschätzung, ob sie mit mir arbeiten wollen und ob ich für ihren Auftrag geeignet bin. Mir selbst gibt es nicht nur eine Spielwiese sondern auch die Gelegenheit, meine Schwerpunkte und Fähigkeiten zu zeigen, zu verfeinern und Interesse an meiner Arbeit zu wecken. Wer sich von mir beraten oder coachen lassen möchte, will sicherlich vorher einschätzen können, wie ich ticke und was meine Überzeugungen und Grundsätze sind. Und wer mich als Texterin, „Pressetante“ oder Übersetzerin beauftragen will, hat hier diverses Material aus meiner Feder als Grundlage für eine Einschätzung, ob das wohl passt oder nicht.

 

Wem diese Verquickung von Privatem und Professionellem zu eng oder zu undurchsichtig ist – sorry, liebe Menschen, aber so viel Echtheit und Ehrlichkeit gönne ich mir 🙂

2 Gedanken zu “Authentizität

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