Don’t panic!

Diesen hilfreichen Rat gibt Douglas Adams in „The Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy“. Ich schließe mich der Aussage unumwunden an, denn sie ist eigentlich Grundlage und Kern jeder erfolgreichen Stressvermeidungsstrategie.

 

Seit ich weiß, dass mir Stress aufgrund einer chronischen Krankheit möglicherweise schadet, habe ich mir viele Gedanken über das Phänomen Stress gemacht. Ich habe mich mit der Rolle der Hormone Cortisol und Cortison beschäftigt, habe Artikel über die Unterschiede zwischen positivem und negativem Stress gelesen und mich über Stresssymptome bei Mensch und Hund schlau gemacht. Bei Alledem wurde mir immer klarer, dass der sinnvollste Umgang mit Stress seine Vermeidung ist.

 

Ich meine vor allem Stress, der sich negativ und unangenehm anfühlt. Stress, der produktiv, kreativ und beflügelnd ist, weil er aus einer Welle von Ideen und gut zu bewältigenden Herausforderungen besteht, ist eine sehr schöne Sache. Darauf möchte ich nicht verzichten, auch wenn ich diesen Zustand nur selten erlebe bzw. sehr selten überhaupt mit dem Begriff Stress belegen würde.

 

Es geht also um negativen Stress. Der entsteht (bei mir) immer dann, wenn ich mich überfordert fühle. Entweder, ich habe eine Aufgabe vor mir, die ich nicht oder nur unzureichend bewältigen kann, oder ich sitze vor einem ganzen Berg von Aufgaben, die zwar jede für sich noch so klein sein mögen, in ihrer Gesamtheit aber überfordernd und intrinsisch frustrierend sind. Oder aber irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, etwas geht kaputt, irgendein Desaster bricht aus und ich habe es nicht in der Hand, das Problem zu lösen.

 

Früher bin ich in solchen Momenten in Panik geraten. Das ist eine sehr häufige Reaktion, wenn ich mir die Menschen um mich herum anschaue. Viele werden hektisch und kopflos, setzen sich zusätzlich zu dem äußeren Druck selbst innerlich unter einen noch größeren Druck und bekommen die Dinge, die ihnen Stress bereiten, dadurch erst recht nicht hin. Von mir selbst weiß ich, wie schädlich Hektik und Panik sind. Wenn ich versuche, etwas besonders schnell zu erledigen, kommt dabei meistens nur Chaos heraus – Dinge fliegen durch die Gegend, fallen herunter, gehen kaputt, Gedanken sind nicht zuende gedacht und ergeben keinen Sinn, Schlüsse stellen sich als falsch heraus, ich vergesse alles Mögliche etc. – ich stoße mit meinem Hintern mehr um, als ich mit meinen Händen aufbauen kann.

Wenn ich die Dinge ruhig und gelassen angehe, klappen sie viel besser. Es gibt keinen hingeschluderten Minimalkompromiss sondern ein Ergebnis, das idealerweise meinen Ansprüchen gerecht wird und mit dem ich zufrieden bin. Diese Zufriedenheit mit einer gelungenen, gemeisterten Herausforderung oder auch nur mit normalen Alltagsaufgaben in einem eng getakteten Zeitraster ist für mich etwas Schönes und Wertvolles. Ich fühle mich gut mit dem, was ich tue, und ich weiß, dass es vorzeigbar und gut für Andere ist.

 

Wenn ich in Panik verfalle und daraufhin nichts richtig hinbekomme, vergrößere ich dadurch den Stress noch zusätzlich. Die zu lösenden Aufgaben und Probleme werden durch meine Missgeschicke nicht weniger sondern mehr. Der Berg von Dingen wächst, weil ich selber ihn vergrößere, anstatt ihn effektiv abzuarbeiten.

Noch unpraktischer sind Stress und Panik in Situationen, wo ich nichtmal etwas tun kann. Etwas richtig Unangenehmes passiert. Ein technisches Gerät geht kaputt, ich kann es nicht reparieren und weiß genau, dass mir erst am nächsten Tag oder vielleicht erst zwei Wochen später jemand helfen kann. Oder ich verpasse den Paketboten mit einer wichtigen, eiligen Lieferung und muss bis zum nächsten Zustellversuch warten. Eine Freundin oder ein Freund hat ein großes Problem, bei dem ich ihr oder ihm aber einfach nicht helfen kann – was auch immer. Ich bin machtlos und habe keinen Einfluss auf das, was passiert. Es ist völlig egal, was ich tue – es ändert nichts an den Tatsachen, weil nur warten hilft. Panik und Stress sind in einem solchen Moment komplett kontraproduktiv, denn ich setze mich unter Druck und mache mir selbst schlechte Laune, obwohl ich weder verantwortlich noch handlungsfähig bin. Der Stress, den ich mir mache, ist sinnlos und ungerichtet, weil ich ihm eben gar nicht durch irgendein Verhalten entgehen kann. Ich liefere mich also einer Panik aus, aus der es keinen Ausweg gibt.

 

Warum sollte ich das tun? Mit diesem Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Panik und Stress fiel es mir erstaunlich schnell sehr leicht, in solchen Momenten ruhig zu bleiben. Es irritiert zwar bisweilen andere Menschen, wenn ich trotz einer mittleren Katastrophe nicht fahrig und aufbrausend werde, weil die meisten Menschen gar keine andere Reaktion auf solche Situationen kennen, aber für meine eigene Psychohygiene ist Ruhe und Gelassenheit unschätzbar wertvoll. Es irritiert auch, wenn ich trotz einer sehr vollen to-do-Liste die einzelnen Aufgaben langsam, ruhig und bedacht angehe, statt mich selbst zur Eile anzutreiben und Druck aufzubauen. Aber ich weiß, dass ich so zu wesentlich besseren Ergebnissen komme und mich für das, was ich tue, hinterher nicht schäme. Außerdem lassen sich Probleme mit kühlem, klaren Kopf viel besser lösen als im Panikmodus.

 

Dass Stress mir gesundheitlich schaden kann, bringe ich als Argument nur noch vor, wenn ich keine Lust auf lange Erklärungen habe. Der eigentliche Grund für mein Panik- und Stressvermeidungsverhalten ist längst nicht mehr dieser Teilaspekt sondern das insgesamt viel bessere Gefühl von Entspannung und Gelassenheit. Hektik und Druck fühlen sich einfach nicht gut an, deshalb meide ich sie so weit es geht – und denke dabei gerne an Arthur Dent, Ford Prefect, Trillian und Co.

6 Gedanken zu “Don’t panic!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.